Corona tut der Politik definitiv nicht gut. Das hat sich in der Frühlingssession nur allzu deutlich gezeigt – und das nicht nur, weil das Parlament die Agrar-Reform sistiert und die AHV-Revision derart verunstaltet hat, dass ihr Überleben wenig gesichert ist, sondern vor allem auch wegen einer seltenen Häufung von Peinlichkeiten.

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Da waren etwa jene Nationalräte, die beim parlamentarischen Massenspucktest nicht mitmachen wollten, weil sie sich «fit fühlten» und damit indirekt zugaben, dass sie auch nach einem Jahr Corona von der Pandemie und deren Bekämpfung nicht viel verstanden haben. Doch das Trauerspiel begann schon vorher: in der hoch angesehenen Wirtschaftskommission (WAK). Statt sich um die wirklichen Herausforderungen der Wirtschaftskrise zu kümmern, erklärten die WAK-Mitglieder die Pandemie per 22. März als beendet und waren derart beseelt von ihren absurden legislativen Allmachtsfantasien, dass sie das besagte Datum auch noch ins Gesetz schreiben wollten.

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Ab dann, so ihr Wille, sollten alle Restaurationsbetriebe sowie Kultur-, Freizeit- und Sporteinrichtungen wieder öffnen dürfen. Und natürlich die Schiessstände. Für diese hatten die Wirtschaftspolitiker in ihrer Weitsicht gar einen separaten Paragraphen ins Gesetz eingefügt. Um 23:36 Uhr, kurz vor Schluss der rekordlangen Debatte vom 8. März zum Covid-Gesetz, hat dann der Nationalrat den Schiessstand-Paragraphen wieder abgeschossen.

In derselben Debatte fragte eine politisierende Unternehmerin, die zuvor noch eine drohende Diktatur heraufbeschworen hatte, zu später Stunde und ganz ohne Scham, ob der Bundesrat beim Impfen an eine Bevorzugung jener Leute denke, «die geschäftlich reisen müssen». Also an Leute wie sie. Diese Episode dürfte all jenen recht geben, die behaupten, Politiker würden nur an sich selbst denken. Oder gar nicht denken.

Wie zum Beispiel der Freisinn: Elektrisiert von einem Zeitungsartikel, der sich als Zeitungsente erwies, forderte dieser lauthals eine PUK – ein fast bemitleidenswerter Schrei nach Aufmerksamkeit. Und einer von vielen. So rechtfertigte etwa eine Nationalrätin vor laufender «Tagesschau»-Kamera ihre epidemiologisch unsinnigen Forderungen damit, dass sie sich vom Bundesrat nicht mehr ernst genommen fühle. Es ist doch zu hoffen, dass die Parlamentarier bis im Sommer ihre persönlichen Frustrationen anderswo abreagieren. Und zurückfinden. Zur Politik.