So richtig überraschend war der Abgang von Urs Schaeppi (62) als Swisscom-Chef nicht. Schliesslich ist er mit achteinhalb Jahren schon doppelt so lang auf dem CEO-Posten wie der Schnitt. Nach den wiederholten Netzwerkpannen vor einem Jahr war er zudem auch von politischer Seite her angeschlagen, hinzu kamen Gerüchte über Amtsmüdigkeit.

Überraschend war dann schon eher, dass der neue Chef Christoph Aeschlimann heisst. Der 45-Jährige ist erst seit 2019 im Unternehmen. Er gilt zwar als dynamisch und innovativ, doch als Netzwerkchef fielen die Pannen in seine Zuständigkeit. «Das stand im Nachfolgeprozess nicht im Vordergrund», sagt Verwaltungsratspräsident Michael Rechsteiner.

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«Wie bei externen Kandidaten zählt der Leistungsausweis als Ganzes.» Rechsteiner vereinbarte nach seinem Amtsantritt im April letzten Jahres mit Schaeppi eine Ablösung mit Zielgrösse Ende 2022, damit VR-Präsident und CEO nicht direkt hintereinander wechseln.

Im April begannen dann auch die Headhunter von Egon Zehnder mit der Suche. Anfangs standen hundert Namen zur Auswahl, dann 22 auf der Shortlist des ad hoc gebildeten Nominationskomitees, bestehend aus Rechsteiner, Vizepräsident Frank Esser, Schneider-Electric-Managerin Barbara Frei und der Schwedin Anna Mossberg.

Rechsteiner selber führte mit zehn Personen Gespräche. In der Endauswahl standen neben Aeschlimann zwei externe Kandidaten vor dem neunköpfigen VR: international tätige Telekom-Profis mit Kenntnissen des Schweizer Markts und Schweiz-Bezug, aber ohne Wohnsitz hierzulande, heisst es bei der Swisscom. Sie sollen etwas älter als Aeschlimann sein.

Doch allzu gross dürfte die Sehnsucht nach einem externen Topshot nicht gewesen sein.

Denn die naheliegendsten Namen wurden nach BILANZ-Informationen nicht angefragt: weder Ex-Sunrise-Chef Olaf Swantee, heute CEO beim Londoner Glasfaseranbieter Community Fibre und VR-Präsident bei Mobilezone, noch Oliver Steil, ebenfalls früher Sunrise-Chef und heute CEO beim deutschen Softwarehaus Teamviewer, noch Daniel Ritz, ehemaliger Strategiechef von Swisscom, dann Chef und Board Member bei verschiedenen Telcos rund um die Welt und heute CEO von Tele Columbus in Berlin.

Indirekt bestätigt Rechsteiner die Präferenz für eine interne Lösung: «Es geht nicht darum, einen CEO zu haben, der alles auf den Kopf stellt», sagt er.

«Es geht darum, einen existierenden Plan konsequent umzusetzen. Da hat Aeschlimann voll gepunktet.»