Krisenzeit ist Frankenzeit. Droht der Welt geopolitisches Ungemach, legen die als sichere Häfen geltenden Währungen US-Dollar, Schweizer Franken und japanischer Yen zu. Dies zeigte sich beim Beginn des Ukraine-Krieges und wiederholte sich jüngst beim neuen Nahost-Konflikt. Der Franken konnte in den letzten sieben Handelstagen auch gegenüber dem Dollar zulegen. Die US-Valuta fiel gegenüber dem Franken von 92 auf 0,9020 Rappen am Dienstagnachmittag.

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Der Schweizer Franken gilt nicht nur als sichere Währung während Krisenzeiten, sondern seit Jahrzehnten als eine der härtesten Währungen der Welt. Eine tiefe Verschuldung, bescheidene Inflationsraten, stabile Demokratie, politisch klare Verhältnisse, hoher Lebensstandard, effiziente und innovative Industrie- und Dienstleistungssektoren und eine konservative Zentralbank sind die Faktoren, welche für den Nimbus des Schweizer Franken stehen.

Banken und Broker, Algorithmen, Analysten und Trader spekulieren minütlich mit enormen Summen an den Devisenmärkten. Der Handel wird dabei immer stärker von Algorithmen geprägt, die Gewinne dank Ausnutzung kleinster Kursschwankungen erzielen. Der Devisenmarkt ist bei Spekulanten und Händler gerade deshalb beliebt, weil in einem liquiden Markt mit viel Hebel auf Kursveränderungen gesetzt werden kann.

Fernab des spekulativen Handels, welcher zu übermässigen kurzfristigen Schwankungen führen kann, folgen Währungen langfristigen, makroökonomischen Trends. Die Vorteile der Schweiz spiegeln sich in den langfristigen Kursgewinnen des Frankens gegenüber den wichtigsten Devisen der Welt sowie der extrem schwachen türkischen Lira gemäss nachfolgender Tabelle:

Wer nun allerdings daraus schliesst, dass die Währungsverluste wie zum Beispiel bei der türkischen Lira bedeuten, dass der Urlaub dort eklatant billiger ist, kann sich täuschen. So liegt die Inflation in der Türkei immer noch über 50 Prozent. Dies verteuert die Kosten für Touristen in der Türkei enorm.

Es geht hierbei um die sogenannte Kaufkraftparität, welche letzten Endes darüber entscheidet, ob in lokaler Währung gleich viel wie zuhause eingekauft werden kann. Die Kaufkraftparität zwischen zwei geographischen Räumen im selben Währungsraum liegt dann vor, wenn Waren und Dienstleistungen eines Warenkorbes für gleich hohe Geldbeträge erworben werden können.

Was der Währungskurs respektive die Kaufkraftparität für Reisende bedeutet, zeigt das Beispiel Grossbritannien exemplarisch. Egal, ob eine Reisende oder Reisender Mitte 80er-Jahre bei einem Kurs von 2,36 Franken pro Pfund gegenüber dem aktuellen Kurs von 1,10 sich geschäftlich oder ferienhalber in London aufhielt: Billiger ist der Aufenthalt in London oder England in den letzten 40 Jahren nicht geworden. Früher kostete ein Zimmer in einem Mittelklasse-Hotel in London 100 Pfund pro Nacht. Heute sind es 200 Pfund.

Ein Merkmal an den Devisenmärkten ist, dass die aktuellen Kurse von der Kaufkraftparität moderater oder stärker abweichen können. So errechnet die UBS im Mai eine Kaufkraftparität von 0,75 Franken pro Dollar. Von diesem Wert ist der Dollar weit entfernt mit 0,9020 Franken. Die Devisenmärkte orientieren sich kurzfristig nicht an der Kaufkraftparität. Deshalb kann es zum Beispiel aufgrund von Zinsdifferenzen zu einer weiteren Aufwertung des Dollars kommen, ehe sich die US-Währung mittel- bis langfristig wieder auf den Kurs der Kaufkraftparität zurückbildet. Dieser Prozess kann allerdings mehrere Jahre dauern.

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Eine Reise nach Japan ist attraktiv

Während der Aufenthalt in den USA oder England weiterhin teuer ist, können die Reiseländer mit den Währungen japanischer Yen, australischer und neuseeländischer Dollar mittlerweile als attraktiv eingestuft werden. Der Schweizer Franken steht zum japanischen Yen auf einem Allzeithoch. Ein Blick auf Vergleichsportale für Hotelübernachtungen, Kosten für Verpflegung und Transport im Land der aufgehenden Sonne zeigt, dass die Preise günstiger sind als in der Schweiz. Entsprechend lohnt es sich, dieses Reiseziel ins Auge zu fassen.

Die wichtigste Währung für Schweizer Ferienreisende bleibt der Euro. Dieser notiert bei 0,95 Franken und damit knapp über den aktiv gehandelten Tiefstkurs von 0,9459 Franken vom vergangenen Freitag. Zwar wurden diese Kurse am 15. Januar 2015 unterboten, nachdem die Schweizerische Nationalbank bekanntgab, die Untergrenze von 1,20 zum Euro aufzuheben. Allerdings wurden damals nur sehr wenige Transaktionen zu diesen Tiefstkursen abgewickelt. Im Tagesverlauf vom 15. Januar stabilisierte sich der Euro über einer Notiz von 0,9650 Franken.

Eurozone bleibt Sorgenkind

Verschiedene Währungsanalysten gehen davon aus, dass sich der Euro zum Franken leicht erholen wird und sich auf einem Niveau von 0,96 bis 0,97 Franken bis Ende Jahr etablieren könnte. Hierbei dürfte der Franken, der kurzfristig als sicherer Hafen profitiert hat, sich etwas schwächer entwickeln, sollte sich der Nahost-Konflikt nicht zu einem Flächenbrand entwickeln. Auf allen diplomatischen Kanälen laufen derzeit Gespräche, damit dies verhindert werden kann.

Aus makroökonomischer Sicht spricht indessen für Schweizer Reisende als auch Investoren wenig, sich in Euro zu engagieren oder vorzeitig Euro für die nächste Auslandreise anzulachen. Die Konjunktur in der Eurozone ist schwächer als in der Schweiz, die EU-Inflation bewegt sich trotz jüngst kräftig nachgebenden Preisen weiterhin deutlich über dem Zielband von 2 Prozent, das die Europäische Zentralbank (EZB) festgelegt hat. Und auch wenn sich nach dem Wahlsieg einer europa-freundlicheren Regierung in Polen eine gewisse politische Entspannung abzeichnet, deutet die Rendite-Differenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen darauf hin, dass weiterhin Risiken in der europäischen Währung schlummern. Dabei ist besonders die schwache Entwicklung der französischen Bondmärkte zu beobachten, da sich auch hier der Spread zu den deutschen Staatsanleihen am Ausweiten ist. 

Resilienter Dollar und attraktive US-Börsen

Eher überraschend ist, dass sich der Dollar gegenüber dem Franken in den letzten 10 Jahren halten konnte. Die negativen Schlagzeilen, dass der Dollar seinen Status als Weltwährung Nummer eins verlieren könnte, und die rekordhohen Budgetdefizite haben keine grossen Kursrutsch beim Greenback ausgelöst. Die US-Währung profitiert in einem globalen Kontext immer noch von der robusten Konjunktur dank der konsumfreudigen Amerikaner. Entsprechend war auch die Performance-Anlage vom Dow Jones, S&P 500 Index und im Speziellen der Technologie-Aktien, welche im Nasdaq 100 vertreten sind, ausserordentlich über diese Periode.

In den letzten 10 Jahren seit Anfang Oktober 2013 hat der Swiss Market Index (SMI) unter Ausklammerung der Dividendenzahlungen von 32 Prozent zugelegt. In der gleichen Zeitperiode legte der S&P 500 dagegen 150 Prozent zu. Währungsbereinigt ergibt das immer noch eine Kurssteigerung von 100 Prozent Mehrertrag bei US-Aktienanlagen gegenüber einer Investition in den SMI.

Sich darauf nun einzubilden, dass US-Aktien besser abschneiden als die Schweizer Pendants, ist verfrüht. Wird der Zeithorizont auf 20 oder 40 Jahre erhöht, so schlägt die Dollar-Abwertung weitaus stärker ins Gewicht und beide Märkte lieferten währungsbereinigt in etwa ähnliche Renditen ab.

Dieser Artikel erschien zuerst bei cash.ch unter dem Titel «Starker Schweizer Franken: Diese Feriendestinationen sind attraktiv».

Thomas Daniel Marti
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