Raiffeisen Futura Swiss Stock

«Wir müssen abweichen»

BILANZ: Bei Lipper figuriert der Raiffeisen Futura Swiss Stock als herkömmlicher Aktienfonds. Ist Ihnen wohl dabei?

Mark Hänni: Ja, durchaus. Man kann sich fragen, ob wir uns mit Small-Cap-Fonds vergleichen sollten, denn wir investieren auch in Blue Chips und messen uns am Swiss Performance Index.

Raiffeisen preist den Fonds als Nachhaltigkeitsanlage an.

Das ist er auch. Bei reinen Schweizer Nachhaltigkeitsfonds gibt es kaum vergleichbare Produkte.

Sie können bloss in rund 30 Titel investieren, die strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und erst noch liquide sind. So viele verschiedene Aktien stecken normalerweise in einem Fonds.

Ja, diese Einschränkung macht die Aufgabe besonders anspruchsvoll. Anderseits stehen auch ohne Nestlé und Novartis noch knapp 40 Prozent des SMI als Universum zur Verfügung. Wir müssen zwangsläufig vom SPI abweichen und gehen vergleichsweise grosse Positionen ein, wenn wir von einer Firma überzeugt sind. So ist etwa Holcim bei uns dreimal so hoch gewichtet wie im SPI, bei Sulzer ist es sogar mehr als zehnmal so viel, wie die Aktie im Index vertreten ist.

Wieso dürfen Sie in Roche investieren, aber nicht in Novartis?

Die Ratingagentur Inrate hat einen sehr strikten Nachhaltigkeitsansatz mit Negativkriterien. Mit dem Ratingansatz «Best in Service» werden sämtliche Wirkungen der Unternehmenstätigkeiten auf Gesellschaft und Umwelt gewichtet. Seit gut einem Jahr können wir in Roche investieren, obwohl das Unternehmen mit Genentech auch in der Gentechnologie aktiv ist. SW

Archimedes Invest Plus

«Obligationen zur Absicherung»

BILANZ: Herr Häusler, in allen drei grossen Obligationenfonds-Kategorien steht Ihr Archimedes Invest Plus einsam an der Spitze. Wie ist dies zu erklären?

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Michael Häusler: Eigentlich gehört der Fonds in die Kategorie «Absicherungs-/Garantiefonds». Da aber der Archimedes zu 90 Prozent in Obligationen investiert ist, hat ihn die Telekurs den Obligationenfonds zugeordnet. Die Obligationen haben bei uns die Funktion von Kapitalschutz. Deshalb legen wir bei den festverzinslichen Produkten wert auf höchste Qualität. Die restlichen zehn Prozent werden als «Index Tracker» in Derivate auf die jeweiligen Aktienindizes (SMI, Eurostoxx 50, S&P 500) investiert. Damit beträgt der jährliche Risikoeinsatz gemäss Fondsreglement maximal zehn Prozent. Dies eröffnet die Chance, bei steigenden Indizes dabei zu sein.

Für die Anleger ist das doch eher verwirrend, es sind fast nur Obligationen im Fonds, und doch ist es kein Obligationenfonds?

Das muss der Berater sicher erklären. Der direkte Vergleich mit klassischen Obligationenfonds ist nicht zweckmässig, da der Archimedes nicht an die Zinskurve angelehnt ist, sondern an die Entwicklung der Aktienmärkte. Der Fonds ist quasi ein ETF mit beschränktem Verlustpotenzial. Deshalb versuchen wir auch gar nicht, auf der Zinskurve oder bei den Bonitäten Wetten einzugehen. Die Obligationen dienen in erster Linie dem Werterhalt. Die drei Fonds-Tranchen in Franken, Euros und Dollars erlauben zudem die Abdeckung der Märkte in deren Währung.

Zehn Prozent in SMI-Optionen, den Rest sicher anlegen. Das kann im Prinzip jeder Anleger selber machen?

Theoretisch schon. Allerdings ist die Bewirtschaftung des Optionenteils in der Praxis doch etwas aufwendiger. Wenn der Markt stark korrigiert oder bei hohen Volatilitäten braucht es Fingerspitzengefühl. Wir versuchen, mit den Optionen vor allem das Risiko und den Anlagestress zu reduzieren. So eignet sich der Fonds nicht primär als Obligationenersatz im Depot, sondern eher zur Abdeckung eines Teils der langfristigen, marktnahen Aktienquote.

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Viele Derivate basieren auf dem Prinzip: Festgeld und Optionen. Sie verkaufen das einfach als Fonds?

Die meisten Kapitalschutzprodukte haben eine feste Laufzeit. Der Fonds ist zeitlich unbeschränkt und hat zudem einen «dynamischen Floor». Das heisst, dass bei steigenden Aktienindizes der Gewinn gesichert werden kann, indem der Fondsmanager den Schutz von 90 Prozent sukzessive erhöht. Das ist 2006 und Anfang 2007 tatsächlich auch passiert. SW

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