Während Banken traditionell erster Ansprechpartner bei Fremdkapitalfinanzierungen von Unternehmen waren, gewinnt für kleine und mittelgroße Firmen ein anderes Finanzierungsinstrument zunehmend an Relevanz: Private Debt, die nicht börsenkotierte, «private» Kreditfinanzierung von Unternehmen durch Nichtbanken.

Private Debt mauserte sich in den letzten Jahren von einer Nischenstrategie hin zur attraktiven und gefragten Finanzierungsalternative. Die Finanzkrise 2008 diente als Katalysator für diese Entwicklung: Aufgrund wachsender Regulierung und zunehmender Anforderungen an die Banken im Kapitalbedarf haben sich diese verstärkt aus der Unternehmensfinanzierung zurückgezogen – besonders im eher illiquiden Mid-Market-Segment.

Gerade für kleinere Firmen mit einem Unternehmenswert von bis zu etwa 500 Millionen Franken gestaltet sich der Zugang zu Konsortialkrediten seither oft als schwierig und langwierig. Der Finanzierungsbedarf dieser Unternehmen ist jedoch geblieben und wird seither immer häufiger von Private-Debt-Fonds gedeckt.

Anzeige

Mark Brenke ist Head of Ardian Private Debt.

Der globale Private-Debt-Markt wuchs gemäss einer Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zwischen 2007 und Mitte 2018 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 13,4 Prozent. Das Private-Debt-Fonds zugewiesene Kapital wird auf über 750 Milliarden Dollar geschätzt. Gemäss den Schätzungen der Autoren der HSLU-Studie betrug das Volumen des Schweizer Private-Debt-Marktes in den letzten Jahren durchschnittlich rund 3 Milliarden Franken.

Starke Verflechtung mit Private Equity

Rund 80 Prozent der Private-Debt-Finanzierungen werden von Unternehmen in Private-Equity-Hand vorgenommen. Die beiden Anlageklassen sind daher stark verflochten und Private Debt ist üblicherweise in den Märkten besonders relevant, in denen Private Equity verbreitet ist. In Europa ist das Vereinigte Königreich diesbezüglich führend, gefolgt von Frankreich und Deutschland. Der Schweizer Private-Equity-Markt ist zwischen 2016 und 2019 gemäss der HSLU-Studie um über 15 Prozent gewachsen.

Kreditnehmer profitieren von Flexibilität

Für die Kreditnehmer hat die Finanzierung über einen Private-Debt-Fonds zwei entscheidende Vorteile: mehr Flexibilität und weniger Komplexität. Private-Debt-Fonds haben die finanzielle Kapazität, flexibel mit dem Kreditnehmer zu wachsen. Sie kommen daher oft in wachstumsstarken Geschäftsfeldern zum Einsatz, die besonders auf massgeschneiderte Finanzierungslösungen angewiesen sind.

Private Debt vereinfacht zudem die Beziehung zwischen den Parteien, weil der Kreditnehmer – im Gegensatz etwa zu Verhandlungen im Rahmen eines Konsortialkredits – lediglich einen Ansprechpartner hat. Das bietet einen Geschwindigkeitsvorsprung, der gerade im Fall von konkurrierenden Angeboten erfolgsentscheidend sein kann.  

Attraktive Risikoprämie für Investoren

Für Investoren verspricht Private Debt höhere Renditen als beispielsweise börsenkotierte Anleihen. Private-Debt-Investitionen sind weniger liquide, entsprechend werden Investoren mit einer Illiquiditätsprämie entschädigt.

Anzeige

Die absolute Rendite von Private-Debt-Fonds belief sich in der Vergangenheit in Euro auf 7 bis 8 Prozent, doch besonders die risikobereinigte Rendite zieht Investoren an, da die historischen Ausfallraten der Anlageklasse signifikant tiefer als bei liquideren Finanzierungen sind. Das lässt sich unter anderem mit dem hohen Grad an Kontrolle begründen, den Private-Debt-Fonds als alleinige Geldgeber über eine Finanzierung haben.

Covid-19 treibt Private Debt voran

Wie sich die noch relativ junge Anlageklasse Private Debt in einem schwierigen Marktumfeld verhalten würde, war lange unklar. Diesbezüglich sind erste Erkenntnisse aus der Covid-19-Pandemie verheissungsvoll und dürften die Verbreitung entsprechender Investitionen weiter vorantreiben.

Hinzu kommt, dass die aktuelle Krise den Rückzug der Banken aus der Mid-Market-Finanzierung fördert. Um den weiterhin vorhandenen Finanzierungsbedarf dennoch decken zu können, bedarf es einer Alternative. Die Investitionsmöglichkeiten für Private-Debt-Fonds werden in Zukunft also noch zunehmen.

Anzeige