Wie oft gehen Schweizer zum Geldautomaten? Was in normalen Zeiten eine Zahlenspielerei ist, hat durch Corona eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Denn während überall auf der Welt die Zahl der Bargeldbezüge aus Angst vor dem Virus gesunken ist, ist sie hierzulande auf hohem Niveau stabil geblieben, nachdem sie zuvor sogar noch stark zugenommen hatte. Zumindest, wenn man den Statis­tiken der Nationalbank (SNB) glaubt.

Doch nun zeigt sich: Diese stimmen wohl nicht. Das ausgewiesene Wachstum war nur ein vermeintliches, das auf eine Doppelzählung zurückzuführen ist. Das sagt ein Sprecher der für die Bankomaten zuständigen Zahlungsverarbeiterin SIX.

Grund dafür sei die Migration der Bankomaten in eine einheitliche, neue SIX-­Software. «Es ist möglich, dass es während der Migrationsphase zu Doppelzählungen gekommen ist», sagt SIX-Sprecher Jürg Schneider.

Die Migration begann 2018 – und ab dann steigt auch die Zahl der von der SNB erfassten Bankomatbezüge (gelbe Kurve in der Grafik). Im Juli lagen sie dann 38 Prozent über dem entsprechenden Wert von 2018.

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Erstaunt stellte auch die «Handelszeitung» fest, dass die Schweizer – wohl wegen der Ferien – öfter an den Bankomaten gehen als vor der Krise. Dabei wurde nur anders gezählt.

Die SNB bestätigt auf Anfrage, dass die Umstellung einen Einfluss auf die Zahlen gehabt habe, hat dafür aber eine andere Erklärung: Ihr zufolge sind ab 2018 erstmals auch Bezüge an «bank­eigenen Automaten» erfasst worden (graue Kurve) und nun im Total enthalten.

Eine Doppel­zählung liege jedoch nicht vor, sagt Pressesprecher Christoph Hirter. Nicht erklären kann die SNB aber, weshalb das Total aller Bezüge mittlerweile genau doppelt so hoch ist wie die anteilig ausgewiesenen «bankeigenen» Transaktionen. Das spricht eher für die von der SIX genannte Doppelzählung.

SIX-Sprecher Schneider sagt, mittlerweile sei die Umstellung abgeschlossen und alle Bankomaten würden jetzt auch über das SIX-System erfasst. Folgt man der Doppelzählung-Logik, resultiert denn auch ein ganz anders Bild: Zieht man die vermeintlichen «bankeigenen Bezüge» vom Total ab, ergibt sich ein ­deutlicher, unveränderter Abwärtstrend (blaue Kurve) und im August ein Minus von 28 Prozent gegenüber Vorjahr.

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