Seit der Finanzkrise 2008 ist die Staatsverschuldung weltweit stark angestiegen. Der globale Schuldenberg hat heute einen Rekordwert von 250 Billionen Dollar erreicht – das entspricht dem Dreifachen des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Doch das Risiko eines weltweiten Finanzkollaps sei gering, schätzen Experten der Credit Suisse in einer neuen Studie.

In der Summe von fast 250 Billionen Dollar sind die Schulden von Staaten und Gebietskörperschaften, Unternehmen, privaten Haushalten und Finanzunternehmen zusammengefasst. Es ist der höchste Schuldenstand seit dem Zweiten Weltkrieg,

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Auch wenn die Gefahr einer systemischen Krise wie der globalen Finanzkrise 2008 laut Einschätzung der Grossbank nicht besteht, gebe es dennoch Risiken. Für besorgniserregend halten die CS-Experten die hohe Staatsverschuldung in einigen Industrieländern und in China. «China hat seit 2008 entscheidend zum Schuldenwachstum beigetragen», heisst es in der Studie.

Sorgenkind China

Nach offiziellen Zahlen ist die Staatsverschuldung Chinas zwar nicht übermässig hoch, doch laut Credit Suisse wächst seit der Finanzkrise vor allem die Verschuldung der im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen. Und diese müsste den Staatsschulden zugerechnet werden.

Chinesische Verschuldung

Chinas Schuldenanstieg in Prozent des BIP nach Sektoren (Haushalte, Unternehmen, Staat, Banken).

Quelle: Credit Suisse

Wenngleich die Staaten diese Schulden durch die derzeit niedrigen Zinsen gut tragen können. Selbst wenn diese wieder steigen, wäre das noch kein Problem, solange auch die Wirtschaft stärker wächst.

Da die Banken in den Industrieländern ihre Verschuldung in den Jahren seit der Finanzkrise «erheblich» reduziert haben, wurde der Anstieg der globalen Verschuldung hauptsächlich von chinesischen Staatsunternehmen getrieben, so der Bericht.

Chinas Wachstumspotenzial – die Credit Suisse erwartet, dass die Wirtschaft des Landes in den nächsten zehn Jahren um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr wächst – und die Politik der chinesischen Regierung, die darauf abzielt, die Zinsen niedrig zu halten, werden jedoch dafür sorgen, dass der Schuldenberg tragfähig bleibt. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss: «Eine Schuldenkrise mit globalen Auswirkungen scheint jedenfalls ziemlich unwahrscheinlich.»

Schuldenboom in den USA

Die Grossbank bewertet die Schuldenentwicklung in den USA als sehr kritisch. Und zwar einerseits die Unternehmensschulden andererseits gebe die Staatsverschuldung der USA «grössten Anlass zur Sorge». Die Vereinigten Staaten bewegten sich angesichts der jüngsten Steuersenkungen auf einem ungesunden Pfad, sagt Oliver Adler, Chefökonom der Credit Suisse Schweiz. «Um wieder zu einem tragbaren Schuldenniveau zu kommen, wäre eine grundlegende Korrektur der Fiskalpolitik erforderlich, die vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation unwahrscheinlich erscheint.»

Wegen der hohen Unternehmensverschuldung warnt die Credit Suisse Investoren, die Kreditaufnahme durch Unternehmen, insbesondere in den USA, aber auch in anderen Ländern, genau im Auge zu behalten. Denn die gesamte nichtfinanzielle Unternehmensverschuldung in den USA habe mittlerweile sogar ihren Höchststand vor der Krise übertroffen und mache drei Viertel des amerikanischen BIP aus. Im Falle einer Rezession käme es vermehrt zu Kreditausfällen mit entsprechenden Verlusten bei den Kreditgebern.

Unsicherheit in der Eurozone

In der Eurozone hingegen ist die Lage laut den CS-Experten besser als häufig behauptet. Allerdings sei die Tragfähigkeit der Schulden aufgrund der unvollendeten Währungsunion gefährdet. Zudem erhöhen der noch nicht absehbare Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die politischen Risiken die Unsicherheit.

In diesem Zusammenhang spiele Italien eine wichtige Rolle: Die italienische Staatsverschuldung sei bei einigen Kennzahlen mindestens so nachhaltig oder sicher wie die japanische, heisst es in der Studie. Da EZB dem Land jedoch keine pauschale Garantie geben kann, wird das politische Risiko in der Eurozone weiterhin die Anleger in Anleihen verunsichern.

Schweizer Immobilienmarkt

In der Schweiz hat der Staat zwar keine hohe Verschuldung. Ganz anders hingegen die privaten Haushalte: Die Hypothekenschulden betragen fast 130 Prozent des BIP – so viel wie in keinem anderen Land. 

Seit 2002 wächst der Schweizer Immobilienmarkt, dazu beigetragen haben die starke Zuwanderung und die wachsende Beschäftigung. Das grösste Risiko für den Schweizer Immobilienmarkt wären eine schwächere Schweizer und globale Konjunktur sowie einem Rückgang der Zuwanderung.