Das globale Fixed-Income-Segment ist im neuen Covid-19-Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt. Die Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen haben die Kreditmärkte nach ihren Tiefständen im März auf eine Rally geschickt. Der weitere Ausblick bleibt aber trotz einer gewissen Wirtschaftserholung und guter Makrodaten angespannt. Der Markt dürfte bis auf Weiteres sehr volatil bleiben. Für viele Kreditanleger stellt sich die Frage, wie sie die aktuellen Renditechancen und Kreditspreads optimal nutzen und zugleich die Volatilität in Schach halten können.

Brian Lieberman ist Portfoliomanager bei Muzinich & Co.

Ausfallvermeidung durch aktives Management

Ein Long-/Short-Ansatz kombiniert das Aufwärtspotenzial in bestimmten Sektoren und Emittenten durch direkte, aktiv verwaltete Engagements an den Kreditmärkten. Gleichzeitig zielen Portfolioabsicherungen durch dynamisches Management von Short-Positionen darauf ab, das Verlustrisiko und die Volatilität, die aufgrund der unsicheren Lage in den nächsten Quartalen unweigerlich zu erwarten ist, zu reduzieren.

Eine breite Palette von Instrumenten kann das Potenzial bieten, Renditen zu erzielen, Kapital zu erhalten und Anlegern dabei zu helfen, sich durch die Märkte mit einer moderaten Volatilität zu navigieren. Ein aktives Management ist dabei wichtig, um Ausfälle zu vermeiden bzw. sich diese zunutze zu machen. In den von Covid-19 betroffenen Branchen ist ein selektives Vorgehen geboten.

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Hier sind besonders das Liquiditätsprofil und die Werthaltigkeit der Kapitalstruktur von potenziellen Anlagekandidaten zu beachten. Angesichts der Corona-Krise und der angespannten politischen Gesamtlage ist die entscheidende Frage, wie das Liquiditätsprofil einer Firma beschaffen ist und ob sie die nächsten Monate unbeschadet überstehen kann.

Unsicherheiten ausnutzen

Viele Unternehmen haben die offenen Märkte zur Emission von Anleihen genutzt, um sich mit ausreichend Liquidität für die nächsten Monate zu versorgen. Als Folge sind nur wenige kurzfristige Fälligkeiten zu verbuchen. Die stellenweisen Diskrepanzen zwischen technischen Daten, die durch Hilfspakete künstlich verzerrt sind, und dem fundamentalen Gesamtbild könnten zusätzliche Chancen bieten, die durch geschickte Titelselektion und Portfoliorotation genutzt werden können.

Risikomanager halten Ausschau nach Ungleichgewichten zwischen Fundamentaldaten, Bewertungen und technischen Daten und schlagen daraus Profit. Die anhaltende Unsicherheit sollte Einsatzmöglichkeiten für verschiedene Werkzeuge schaffen, die unter dem Strich eine konstante Performance ermöglichen. Von solchen Ansätzen zur Anlagestreuung könnten sowohl Long-Strategien als auch Arbitragepositionen profitieren.

Günstige Einstiegsgelegenheiten

Die aktuellen Spreads bieten eine günstige Einstiegsgelegenheit für langfristig orientierte Anleger. Kurz- bis mittelfristig muss jedoch mit Volatilität gerechnet werden. Ein Long-/Short-Ansatz mit einem erweiterten Toolkit könnte im derzeitigen Umfeld eine gute Grundlage sein, um die weiteren Herausforderungen erfolgreich zu meistern.