Kunststoffe sind in unserer Welt allgegenwärtig. Dies haben sie vor allem ihrer Vielseitigkeit zu verdanken, denn sie können weich und elastisch, aber auch hart und stossfest sein. Sie können in alle Formen gepresst werden, alle möglichen Farben annehmen und in verschiedensten Wirtschaftszweigen eingesetzt werden, sei es im Verkehr, in der Medizin, der Industrie, auf dem Bau oder im Handel als Verpackung.

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1 Million Plastikflaschen pro Minute

Gleichzeitig weist Kunststoff eine miserable Umweltbilanz auf. Einerseits wird für die Herstellung fast aller Kunststoffe Erdöl oder Erdgas benötigt, andererseits ist der schieren Masse an Plastik kaum beizukommen, zumal es nicht biologisch abbaubar und mit teuerer Technik nur aufwändig zu recyclen ist.

Einige Fakten bringen das Problem auf den Punkt respektive zeigen eindrucksvolle Zahlen:

  • Weltweit werden jede Minute 1 Million Plastikflaschen gekauft
  • Jährlich werden 5 Billionen Plastiktüten verbraucht
  • Einwegplastik macht etwa 40 Prozent der produzierten Plastikmenge aus
  • Jedes Jahr türmt sich ein Plastikberg von 400 Millionen Tonnen auf
  • Beim aktuellen Wachstum werden bis 2050 jährlich 1100 Millionen Tonnen erreicht
  • Die Recyclingquote von Plastikverpackungen liegt weltweit bei nur 14 Prozent. 40 Prozent landen auf Mülldeponien, 14 Prozent werden verbrannt, 32 Prozent verbleiben in der Umwelt.

An der Kunststoffherstellung zeigt sich das lineare Wirtschaftssystem exemplarisch. Rohstoffe werden abgebaut, Produkte hergestellt, verkauft, konsumiert und – weggeworfen. Zwar wird viel Abfall getrennt und recycelt, aber nur ein Bruchteil der Ressourcen des weltweiten Konsums wird in einen Kreislauf zurückgeführt, in dem Produkte und Materialien im Umlauf gehalten werden. Der WWF berechnete die Kosten durch Kunststoffverschmutzung, Emissionen und Entsorgung von allein im Jahr 2019 produziertem Plastik auf 3,7 Billionen US-Dollar.

Die Kreislaufwirtschaft hat zum Ziel, weg von der sogenannten Wegwerfgesellschaft zu kommen, hin zu einer Gemeinschaft, die Stoffe wiederverwertet und Produkte wiederverwendet. Sie entlastet damit nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft profitiert durch Innovationen, Wachstum und neuen Arbeitsplätzen.

80 Prozent weniger Plastikabfälle möglich

Gerade das Kunststoffrecycling bietet im Sinne einer Weiternutzung enormes Potenzial. Die Ellen MacArthur Foundation, eine treibende Kraft beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft, hat errechnet, dass mit Verzicht auf Kunststoffe, Innovation und einem Kreislaufsystem die Plastikabfälle um 80 Prozent und der Ausstoss von Treibhausgasen um 20 Prozent verringert werden könnten. Ausserdem bietet der Prozess das Potenzial von bis zu 700’000 neuen Arbeitsplätzen und Einsparungen von rund 200 Milliarden US-Dollar.

An Initiativen und Abkommen fehlt es nicht. Die Umweltversammlung der Vereinten Nationen hat im März 2022 den Weg für konkrete Verhandlungen über ein rechtsverbindliches globales Abkommen über Kunststoff und Kunststoffabfall freigemacht. Es hat den
gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen im Blick und zielt auf die Schaffung einer Kreislaufwirtschaft ab.

Ebenfalls im März hat Swiss Recycling mit der «Drehscheibe Kreislaufwirtschaft Schweiz» eine Plattform für Organisationen lanciert, welche die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz aktiv umsetzen sollen. Das Ziel ist die Einführung eines schweizweit harmonisierten, kosten- und ökoeffizienten, konsumentenfreundlichen und koordinierten Kreislaufwirtschafts-Systems für Kunststoff-Verpackungen und Getränkekartons.

Zu lange politische Prozesse

Auch auf politischer Ebene ist national wie international viel im Gange. Doch das Problem ist, dass all diese Prozesse zu lange dauern – zu lange für die darbende Umwelt, zu lange auch für Wirtschaft und Investoren. Denn die zukunftsfähige Entwicklung hin zur Kreislaufwirtschaft ist für Unternehmen eine Chance, sich zukunftsorientiert aufzustellen. 

Investoren wiederum sind auf der Suche nach neuen, nachhaltigen Anlagemöglichkeiten und bemessen ihre Anlagen immer stärker nach den positiven Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Und bei Anlegern steht das Thema seit Jahren im Fokus.

Der Finanzindustrie und damit auch Versicherungen mit ihrem Anlagekapital kommt beim Wandel zu mehr Nachhaltigkeit und dem Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft eine grosse Bedeutung zu.