Sylvia Steinmann redet gerne, schnell und offen. «Swiss Life hatte ich eigentlich nicht auf meinem Radar», gesteht sie. Doch der Headhunter sagte: «Du musst den CEO einfach mal kennenlernen.» Er sollte recht behalten, denn nach dem Gespräch mit Markus Leibundgut und weiteren Gesprächen mit den Mitgliedern der Geschäftsleitung war sie von der Strategie des Unternehmens überzeugt und konnte sich vorstellen, dort ihren Beitrag zur digitalen Transformation zu leisten.

Ihr gesamtes Berufsleben lang bis zu diesem Zeitpunkt vor drei Jahren hatte sie mehrheitlich aus dem Koffer gelebt. «Ich liebe das Reisen und das selbstbestimmte Leben ebenso wie die grossen, internationalen Digitalisierungsprojekte.» Die hat sie erst für McKinsey von Berlin aus gemanagt, dann viele Jahre für den Rückversicherer Swiss Re und die Zurich. «Dann wollte ich mal eine andere Branche kennenlernen, eine, die unter einem höheren Veränderungsdruck stand als die Finanzbranche damals», sagt sie. Also wechselte sie nach fast zwei Dekaden in der Finanzindustrie zu einem grossen internationalen Logistikkonzern. Als CIO fürs Frachtgeschäft hatte sie keine geringere Aufgabe, als ein globales neues Kommunikationsnetzwerk aufzuziehen. In sechs Jahren baute sie mit ihrem internationalen Team das weltweite Kollaborations-Netzwerk erfolgreich auf – etwas, worauf sie heute noch stolz ist. «Es ist mir nicht immer alles gelungen, aber ich habe auch aus negativen Erfahrungen immer Wichtiges gelernt», sagt sie, die das Wort «Misserfolg» lieber mit «lehrreiche Erfahrungen bei mutigen Entwicklungsinitiativen» ersetzt und das Prinzip des lebenslangen Lernens für sich verinnerlicht hat. 

Denn lernen wollte sie immer viel und vor allem Neues. Daher führte ihr Weg nach der Zeit bei DHL nochmals in eine ganz andere Branche und in für sie neue Dimensionen: Sie fing als Chief Information Officer beim grössten europäischen Labordiagnostik-Unternehmen Synlab International in München an. «Im Private Equity, das war eine ganz tolle andere Welt: schnell, aber auch mit viel Gestaltungsspielraum, wo ich die Digitalisierungsstrategie ausarbeiten durfte», sagt sie heute. Aber das Pendeln mit dem Auto belastete die Work-Life-Balance zunehmend. «Dieses wöchentliche Hin und Her nagte an mir. Obwohl ich vorher viel mehr gereist war, fühlte ich mich in dieser Zeit erstmals zwischen München und meinem Schweizer Wohnort am Zürichsee etwas zerrissen», erinnert sie sich. Was allerdings positiv für Swiss Life war.

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Vor dem Start bei Swiss Life wollte sie jedes Mitglied der Geschäftsleitung persönlich kennenlernen. Die Gespräche fanden rasch statt. «Ich musste mir einfach sicher sein, dass wir als zukünftiges Team ähnliche Digitalisierungsambitionen haben», sagt sie. Die Gespräche liefen offensichtlich so gut, dass Sylvia Steinmann kurz darauf das Angebot annahm. «Es waren die Herausforderung, der Unternehmenszweck und die Menschen, die mir gefielen, und dafür mein Leben aus dem Koffer aufzugeben, fiel mir dann leicht», gibt sie offen zu. 

Nun stehen die Koffer im Keller ihres Hauses am Zürichsee, welches ihr Mann und sie vor 15 Jahren nach Abriss ihres alten Hauses in Eigenregie komplett neu gebaut haben. «Das war eines der herausforderndsten Projekte, aber mein Mann und ich haben uns hier unseren Traum vom selbstbestimmten Altwerden im nachhaltigen eigenen Heim verwirklicht», sagt Sylvia Steinmann. «Mein Mann hat mir immer Halt gegeben – privat, aber auch beruflich. Er hat mich in meinen beruflichen Ambitionen bestärkt, mir den Rücken freigehalten, unsere Reisen organisiert und mir damit immer das notwendige Quäntchen Sicherheit gegeben», sagt sie. Verreisen tun sie jetzt, seitdem Sylvia Steinmann bei Swiss Life tätig ist, nur noch gemeinsam zum Vergnügen. Die für 2020 geplante Reise zum runden Geburtstag ihres Mannes wollen sie unternehmen, sobald es wieder unbeschwerter möglich ist.