Cloud wird in den nächsten acht Jahren zu einer der führenden Technologien in der Versicherungsbranche werden. Dies haben Umfragen der IT-Beratung Sollers Consulting ergeben. Demnach wird Cloud zusammen mit robotergestützter Prozessautomatisierung und künstlicher Intelligenz zu einer der wichtigsten Technologien für Versicherer werden. «Cloud wird in der Versicherungsbranche zu einem Standardwerkzeug werden, wie es in vielen anderen Branchen bereits der Fall ist», sagt Michał Trochimczuk, Managing Partner und Mitbegründer von Sollers im Interview.

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Autor:
Christoph Baltzer, Senior Support Specialist bei Sollers Consulting

Was den Einsatz von Cloud anbetrifft, haben Schweizer Versicherer hier bereits Fortschritte gemacht. Sowohl Axa als auch Baloise, Helvetia und Mobiliar haben bereits neue Systeme in der Cloud. Was das Thema cloudbasierte Kernsysteme anbetrifft, ist man aber noch zurückhaltend. Sollers-Umfragen zufolge sind die Meinungen hier geteilt. Während die eine Hälfte der Versicherer bei der Migration in die Cloud mit dem Kernsystem anfangen will, fokussiert sich die andere Hälfte eher auf kleinere Anwendungen.

Sieben Prognosen über Cloud in der Versicherung

Die Versicherungsbranche ist in eine entscheidende Phase der IT-Modernisierung eingetreten. Umfragen von Sollers Consulting unter Führungskräften der Versicherungsbranche zeigen, dass die Cloud in diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielen wird. Dominik Kamiński, Head of Cloud bei Sollers, prognostiziert, was im kommenden Jahrzehnt passieren wird:

1. Cloud wird zu einem neuen Standard in der Branche

2. Wettbewerb unter Cloud-Anbietern wird zunehmen

3. Multi-Cloud wird die bevorzugte Option sein

4. Anbieterbindung in der Cloud wird abnehmen

5. Cloud-Regulierung wird praktikabel

6. Geschäftsautomatisierung durch KI wird ein wichtiges Ziel beim Wechsel in die Cloud sein

7. Zunehmende Cyber-Bedrohungen werden den Trend zur Cloud unterstützen

Zürich wird zum bedeutenden Cloud-Standort

Die Versicherer der Schweiz profitieren von dem Cloud-Standort Zürich. Sowohl Microsoft als auch Google und Oracle haben am Zürichsee Rechenzentren aufgebaut. Neben Berlin, Reykjavik, Warschau und Oslo zählt Zürich zu den grossen Aufsteigern bei den Cloud-Standorten. Einem Multi-Cloud-Ansatz folgend arbeitet die Axa sowohl mit Microsoft Azure als auch mit Google Cloud zusammen. Unter Multicloud versteht man die Nutzung mehrerer Cloud-Computing-Dienste verschiedener Anbieter in einer einheitlichen Architektur durch ein Unternehmen. Mit einer Multi-Cloud-Strategie können Versicherer von den Stärken bestimmter Cloud-Umgebungen profitieren.

Multi-Cloud wird aus zwei Gründen bevorzugt. Der erste ist die erhöhte Agilität, die mit einer Multi-Cloud-Strategie verbunden ist. «Versicherer werden darauf achten, dass sie zu anderen Cloud-Anbietern wechseln können, wenn ein bestehender Anbieter seine Preispolitik ändert oder der Leistungsumfang im Laufe der Zeit nicht mehr den Bedürfnissen des Versicherers entspricht», betont Trochimczuk. Hinzu kommt die Ausstiegsstrategie. «Versicherer und andere Finanzinstitute müssen in der Lage sein, ihre IT bei Bedarf von einem Cloud-Anbieter zu einem anderen oder in ein eigenes Rechenzentrum zu verlagern.» 

Auch aufgrund aufsichtsrechtlicher Bedenken haben sich die Versicherer lange Zeit wegen eines möglichen Vendor Locks zurückgehalten, die Bindung an einen einzigen Anbieter. Es war bislang schwierig, den Cloud-Anbieter zu wechseln. Doch das hat sich geändert. «Neue Infrastructure-as-a-Code (IaC)-Lösungen und Cloud-agnostische Dienste, die in der Cloud verfügbar sind, bieten eine breite Palette von Möglichkeiten», betont Trochimczuk. «Sie sind portabler und verursachen keinen Vendor-Lock.»

Künstliche Intelligenz funktioniert nur in der Cloud

Die Nutzung von Cloud ist für Versicherer auch deshalb so wichtig, weil sie auf ihren eigenen Servern neue Technologien wie beispielsweise künstliche Intelligenz nicht nutzen können. Für künstliche Intelligenz gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete in der Versicherungsbranche, angefangen mit der Schadenbearbeitung und Schadenanalyse über Services bis hin zu Marketing und Underwriting. «Cloud-Anbieter bieten die fortschrittlichsten und ausgereiftesten KI-Lösungen an und entwickeln sie ständig weiter», betont Trochimczuk. 

Derzeit befindet sich die Branche in einer Übergangsphase. Die Versicherer bauen neue Applikationen gleich in der Cloud oder verlagern existierende Systeme dahin. Mittel- bis langfristig werden auch die Kernsysteme in die Cloud wandern. In den USA kommt fast jeden Monat ein neuer Versicherer hinzu, der mit seinem Kernsystem diesen Schritt tut. Mit etwas Verspätung wird dies auch in der Schweiz geschehen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.