Ingo Weimen ist VP und Global Co-Head of Insurance bei EPAM Systems

Die neue Studie «Versicherungen im Wandel» von EPAM Systems analysiert den Status der europäischen Versicherungsmärkte. Sie arbeitet grundlegende Trends heraus und untersucht die Schlüsselbereiche, die im Fokus der Transformation stehen. Die Studie liefert als Referenzmaterial nützliche Informationen zur Planung von Transformationsprojekten. Im Zentrum der Erhebung stehen vier wichtige Trends, die die Wertschöpfungskette in der Versicherungsbranche verändern.

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Vier grundlegende Trends, die die Versicherungsbranche verändern werden:

Erster Trend: Moderner Omnichannel-Vertrieb

Im Bereich der Customer Experience gewinnen die Versicherer durch moderne Omnichannel-Vertriebskanäle bessere Daten und damit eine grössere Kundennähe. Sie können auf dieser Basis neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Zweiter Trend: Verändertes Kundenverhalten

Ebenso relevant sind die Veränderungen im Kundenverhalten: Innovative Technologien – etwa in der Mobilität – haben Folgen für die Versicherer und deren Produkte. Auch die alternde Gesellschaft und der Trend zur Nachhaltigkeit wirken sich natürlich auf das Versicherungsgeschäft aus.

Dritter Trend: Technologisierung

Bei der Technologisierung hat die Branche Nachholbedarf. Laut dem «Gartner CIO Survey 2021» schätzen 45 Prozent der CIO von Versicherungsunternehmen den digitalen Entwicklungsstand ihres Unternehmens als «skaliert» oder «optimiert» ein – weniger als in anderen Branchen. Die «Digital Journey» geht eher zur Aktualisierung alter Geschäftsmodelle als zur Entwicklung neuer. IoT, KI oder Blockchain verlangen aber ein neues Denken.

Vierter Trend: Kundenschnittstelle

Schliesslich befindet sich das gesamte Ökosystem im Wandel: Die Aufsicht verlangt eine stärkere Fokussierung auf Data Governance. Big Techs als Vertriebspartner setzen die Versicherer unter Druck, Insurtechs verändern die Wertschöpfungskette. Für Versicherer bedeutet das: Die eigene Kundenschnittstelle wird immer wichtiger.

Omnichannel-Strategie ermöglicht dynamische Kundenbeziehungen

Die Studie untersucht darüber hinaus die Schlüsselbereiche und zeigt mögliche Lösungswege auf. Die erste Herausforderung ist demnach die Sicherung von Marktchancen und der Aufbau neuer Geschäftsmodelle: Versicherer sollten den Kundenkontakt unbedingt in ihrer Kontrolle behalten, indem sie entweder ihr Wertversprechen erweitern oder aber eigene Marken und ein eigenes digitales Marketing aufbauen. Neue digitale, datengestützte Partnerschaften werden nur beherrschbar, wenn sie auf einer durchdachten Digitalstrategie beruhen. Auch die erforderliche operative Effizienz stellt die Organisation auf die Probe. Sie setzt die Beschleunigung und Automatisierung von Prozessen voraus. Dazu gehört auch die Modernisierung des Vertriebs: Nur eine ausgefeilte Omnichannel-Strategie macht dynamische Kundenbeziehungen möglich. 

Technologiewandel ist ein Marathon, kein Sprint

Im Ergebnis bringen alle diese Trends eine wachsende Komplexität: All die Daten können nur dann auf einem hohen Qualitätsniveau fruchtbar gemacht werden, wenn Portfolios gestrafft und die Abläufe beim Personal effizienter gestaltet werden – das Backoffice muss in die Optimierung einbezogen werden. Und schliesslich geht es auch um die Qualifizierung von Talenten: Es ist schwierig, die IT-Spezialisten ans Unternehmen zu binden. Die Lösung liegt hier in der fortlaufenden Qualifizierung und einer höheren Agilität. In den meisten Fällen ist die Einbindung von Partnern empfehlenswert. Gefordert ist die Erkenntnis, dass auch im Versicherungswesen Produkte entwickelt werden – und nicht nur Projekte abgewickelt.
Die schnelle Übersicht über die Trends der Transformation zeigt: Die Digitalisierung der Versicherung ist kein kurzes Event. Sie hat längst begonnen und hat kein festes Ende. Der Technologiewandel ist ein Marathon, kein Sprint.

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