Einer der grössten europäischen Vermögensverwalter sieht das Ende des Aufstiegs des Schweizer Frankens gekommen – und unterstützt damit indirekt die Schweizerische Nationalbank (SNB) in ihrem Kampf um die Eindämmung der stark steigenden Währung.

Das Erreichen der psychologisch wichtigen Schwelle von 1,10 pro Euro dürfte die SNB dazu veranlassen, den weiteren Anstieg abzumildern, erwarten die Experten von Amundi Asset Management.

«Der Franken ist angesichts des niedrigen Zinsniveaus bereits eine sehr teure Währung, und ich glaube nicht, dass die SNB mit dem Franken auf diesem Niveau zufrieden ist», sagte Andreas König, Leiter des Bereichs Global Foreign Exchange bei Amundi, in einem Interview. «Die SNB hat immer noch die Macht, mehr für die Währung zu tun, wenn sie will.»

Amundi shortet Franken

Amundi selber hat von einer Käufer- in eine Verkäuferposition gewechselt hat. Entscheidend ist der Respekt vor Interventionen der SNB, zumal die Europäische Zentralbank (EZB) zur Zeit Pläne zu einer Wiederaufnahme von Anleihenkäufen ausarbeitet. Ohne Gegensteuer aus der Schweiz würde ein neuerliches Quantitative Easing der EZB den Schweizer Franken weiter stärken.

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Zum Euro ist der Franken zuletzt wegen der Flucht von Anlegern in den «sicheren Hafen» auf das höchste Niveau seit zwei Jahren gestiegen – konkret: Seit Juli 2018. SNB-Präsident Thomas Jordan hatte zuvor klargestellt, dass er bei Bedarf weitere Zinssenkungen durchziehen könne und werde.

Gegenmassnahmen aus den USA?

Amundi-Devisenexperte König geht davon aus, dass die SNB beginnen könnte, aktiver am Finanzmarkt zu intervenieren, um die Frankenaufwertung zu bremsen. Wenn das nicht funktioniert, könnten Leitzinssenkungen im Gleichschritt mit der EZB folgen. Ein Schritt der Märkte in Richtung Parität – so die Vermutung – könnte sogar noch vor dem nächsten geplanten Treffen der SNB-Spitze im September zu überraschenden Aktionen Jordans führen.

Stellen wir uns auf einen Wechselkurs von 1 zu 1 ein

Nicht alle Experten teilen die Meinung von Amundi. Irgendeinmal kommt die Euro-Franken-Parität – sagen CS-Analysten. Das müsse der Wirtschaft nicht schaden. Mehr dazu hier.

«Wir wollen uns nicht gegen die Entschlossenheit der Zentralbank stellen», so König. Doch natürlich belasten politische Spannungen auch die Währungsfragen. Der anhaltende Handelsüberschuss der Schweiz im Handel mit den USA könnte US-Präsident Donald Trump dazu bringen, auf Interventionen der SNB mit Gegenmassnahmen zu reagieren, sagen Strategen der Commerzbank. Trump würde so «die Welt einem ausgewachsenen Währungskrieg einen weiteren Schritt näher bringen».

«Die SNB steckt zwischen Hammer und Amboss»

Der offizielle Zinssatz der Schweizerischen Nationalbank ist mit minus 0,75 Prozent bereits der niedrigste von allen Industrieländern. «Die SNB steckt zwischen Hammer und Amboss», so Esther Reichelt von der Commerzbank.

JPMorgan und andere Franken-Bullen argumentieren, dass die SNB zwar ihre Möglichkeiten zur Intervention und weiteren Zinssenkungen nicht ausgeschöpft habe, aber gegen die EZB oder die Federal Reserve auf verlorenem Posten stehe. JPMorgan hat deshalb kürzlich die Frankenprognose angehoben und prognostiziert, dass die Währung bis Ende des Jahres auf 1,08 pro Euro und bis Mitte 2020 auf 1,07 pro Euro steigen wird, gegenüber 1,09 und 1,08 zuvor.

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Yen statt Franken als sicherer Hafen

Was die Aufwertung des Schweizer Frankens letztlich verlangsamen könnte, ist die Tatsache der bereits hohen Bewertung. Thomas Clarke ist ein Investor, der den Yen bevorzugt, um sich gegen eine globale Wachstumsverlangsamung abzusichern. «Die Safe-Haven-Eigenschaften des Frankens sind eine gute Sache, aber nicht gut genug, um ihn zu kaufen», sagte der in London ansässige Finanzmanager von William Blair International. «Er ist zu teuer.»

(bloomberg/gku)

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