Herr Kopf, Sie sind Leiter Portfoliomanagement Anleihen bei Union Investment. In Zeiten von Niedrigzinsen bietet sich der Handel mit Devisen an. Von welchen Währungsräumen können Anleger derzeit profitieren?
Christian Kopf: Ich sehe grosse Chancen in der Türkei. Grundsätzlich gilt: Man sollte die Währungen eines Landes dann kaufen, wenn die Krise vorbei ist. Wir hatten in der Türkei eine grosse Wirtschaftskrise und eine massive Abwertung der Lira. Jetzt zeichnet sich ein Ende der Übermacht der AKP ab. Die Renditen auf Inlandobligationen liegen bei knapp 20 Prozent, die Währung ist deutlich unterbewertet. Ein Kauf dürfte sich derzeit lohnen – aber die Risiken muss man genau beobachten. 

Was ist noch interessant?
Es lohnt sich sicher, den Dollar zu verfolgen. Ich glaube, konjunkturell werden wir eher in Europa Probleme bekommen als in den USA. Aufgrund der Zinsdifferenz könnte der Dollar durchaus aufwerten. Eine Währung ist ja immer der Preis des gesamten Landes. Die Währung wertet auf und ab, abhängig vom Wohl und Wehe der Volkswirtschaft. Wenn man das einigermassen analysieren kann, sind Währungen ein sehr gutes Mittel, um Ertrag zu generieren.

Die SNB hat zuletzt entschieden, den Freibetrag für Banken zu erhöhen und den Leitzins nicht weiter zu senken. Das lang erwartete Zugeständnis an die Banken?
Es ist wichtig, dass die Zentralbanken versuchen, die Auswirkungen ihrer exzessiv lockeren Geldpolitik auf die Geschäftsbanken zu begrenzen. Wenn das Bankensystem keine Profitabilität mehr hat, leidet die ganze Volkswirtschaft. Dabei geht es mir nicht darum, die Gehälter der Banker zu finanzieren, sondern darum, die Leistungsfähigkeit des Bankensystems im Umfeld von extrem niedrigen Zinsen zu erhalten.

Wie interpretieren Sie den SNB-Entscheid?
Die SNB merkt wohl, wie gefährlich es ist, diese extreme Negativzinspolitik weiterzuführen. Sie ist daher auf die Bremse getreten. An die These, dass die SNB durch die höheren Freibeträge für Banken Voraussetzungen schaffen will, später die Zinsen noch weiter zu senken, glaube ich nicht.

Manche sagen, bei der Tiefzinspolitik der Nationalbanken handelt es sich eigentlich um einen Währungskrieg.
Auf jeden Fall. Wir haben eine Reihe von Volkswirtschaften in der Welt, die einen strukturellen Leistungsüberschuss haben. Dazu zählen die Schweiz, Deutschland, Schweden, Dänemark und Japan. Alle Länder haben eines gemeinsam: Sie haben Negativzinsen. Ein Leistungsüberschuss führt zu einem Aufwertungsdruck der Währung. Deswegen führen die Nationalbanken dieser Länder tiefe Zinsen. Dass es dabei um die Bekämpfung einer möglichen Rezession geht, ist dabei nur ein Vorwand.

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Und dann gibt es ja auch noch den Handelskrieg. Glauben Sie an einen Deal in absehbarer Zeit?
Nicht wirklich, denn es geht hier eigentlich gar nicht um Handelsstreitigkeiten, sondern um geopolitische Rivalität zwischen den USA und China. Der Handelskrieg ist ein Instrument im Kampf um geopolitische Vorherrschaft. Die Amerikaner sind nicht bereit, ihre Vormachtstellung preiszugeben. Zudem stossen Zölle gegen China auf eine gewisse Zustimmung bei der Bevölkerung. Auch wenn Donald Trump die Wahl verlieren sollte, dürfte dieser Handelskrieg anhalten.

Kann sich die USA diesen Handelskrieg denn leisten?
Je offener eine Volkswirtschaft ist, desto mehr leidet sie unter einem Handelskrieg. Die US-amerikanische Wirtschaft ist vergleichsweise geschlossen. Die Schweiz und auch Deutschland haben da mehr Probleme.

Und China?
China ist gerade dabei, sein Wachstumsmodell umzustellen. Von einem exportorientierten Modell hin zu einem Wachstumsmodell, das stärker von der Binnenkonjunktur getrieben wird. Daher könnte es sein, dass China in Zukunft besser mit Handelskriegen umgehen kann.

Was bedeutet das für den wirtschaftlichen Ausblick?
In Europa bin ich vor allem bei Deutschland skeptisch, weil das Land sehr abhängig vom globalen Handel ist, der bekanntermassen rückläufig ist. Es kann sein, dass Deutschland nächstes Jahr in eine Rezession rutscht. Die USA sehe ich besser aufgestellt. Vor allem daher, weil die Binnenkonjunktur sehr stabil ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf cash.ch unter dem Titel «Auch wenn Trump abgewählt wird, dürfte der Handelskrieg anhalten». 

Christian Kopf,

Christian Kopf ist Leiter Portfoliomanagement Anleihen bei Union Investment.

Quelle: ZVG
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