Die Stimmung ist ohnehin schon eingetrübt! Zwar notiert der Schweizer Aktienmarkt mit dem Leitindex SMI rein nach Punktezahl betrachtet nur knapp unter seinem Allzeithoch von Ende April. Doch rechnet man die drei grossen Schwergewichte Nestle, Roche, Novartis heraus – auf diese entfallen immerhin fast 60 Prozent des Börsenwerts des Index und sie zählen zu den Top-Performern der letzten zwölf Monate –, dann rutscht der SMI in den letzten zwölf Monaten bei der Performance ins Minus ab.

Noch schlechter laufen aber Nebenwerte. So hat der SPI Small Cap zu seinem Allzeithoch im Januar 2018 schon 20 Prozent verloren. Aber als wäre das noch nicht genug, ist jetzt schon wieder Mai und eine alte Börsenweisheit quält viele Anleger: Sell in May and go away! Im Mai das Depot leerräumen und in Urlaub fahren. Sollen Sie jetzt aussteigen und Ihre Aktien verkaufen?

Mai bringt statistisch Gewinne

Die langfristige Statistik sagt ganz eindeutig: Nein! Zumindest bezogen auf den S&P 500 zeigt sich nämlich ganz klar: Der Mai läuft per Saldo nicht wirklich schlecht und auch die Folgemonate schneiden öfter im Plus ab als im Minus.

Laut einer Studie von Yardeni Research schnitten 51 von 89 Mai-Monate im Zeitraum 1928 bis 2017 im Plus ab. Nur 38 Mal gab es ein Minus und die Wahrscheinlichkeit auf steigende Kurse im Mai liegt damit historisch betrachtet bei 57,3 Prozent und damit deutlich über der Hälfte. Verlustjahre im S&P 500 im Mai haben dagegen nur eine Wahrscheinlichkeit von 42,7 Prozent.

Juni bis August schneiden gut ab an den Börsen

Das gleiche Verhältnis gab es danach auch im Juli und August und nur im Juni schrumpfte die Gewinn- versus Verlustserie auf 49:40. Zwar ging es dann laut Yardeni auf den langen Zeitraum von 89 Jahren im Mai in Verlustjahren mit durchschnittlich -4,6 Prozent deutlich stärker nach unten, als in Gewinnjahren mit einem Plus von 3,2 Prozent nach oben.

Aber insgesamt errechnet sich wegen der deutlich grösseren Anzahl an Gewinnjahren so ein minimales durchschnittliches jährliches Minus im Mai von nur 0,2 Prozent. Alleine schon aus Sicht der Transaktionsgebühren für Verkauf und den späteren Wiedereinstieg würde sich also ein «Sell in May» langfristig betrachtet überhaupt nicht rechnen.

Juli ist der Top-Börsenmonat

Statistisch betrachtet lieferten die Folgemonate Juni bis August dann sogar wieder deutliche Überschüsse. Der durchschnittliche Kursgewinn im S&P 500 lag für Juni zwischen 1928 und 2017 bei 0,7 Prozent und im August bei 0,6 Prozent. Mit einem Durchschnittsgewinn von 1,5 Prozent war der Juli sogar der beste Börsenmonat im Durchschnitt von 89 Jahren!

Der zweite Teil der Börsenempfehlung lautet: «…and don´t forget to come back in September». Also im Mai verkaufen und dann im September wieder einsteigen. Dieser Börsenrat bezieht sich auf eine Beobachtung aus dem 19. Jahrhundert in England. Damals verbrachte die britische Oberschicht in den Monaten Mai bis September ihre Zeit lieber auf der Rennbahn bei wichtigen Pferderennen und Wetten als sich mit Aktien zu beschäftigen. Und dementsprechend waren die Sommermonate wegen der Abstinenz wichtiger Investorenkreise mit einer Flaute an den Börsen verbunden.

Das letzte Rennen der Serie war in der Regel Mitte September und deshalb wussten Börsianer: «Sell in May and don´t forget to come back on St Leger Day.»

Diese Börsenweisheit ist zwar fast schon 200 Jahre alt. Aber wer im September zu früh zurück kommt, könnte tatsächlich auf der Verliererseite stehen. Der Herbstmonat ist nämlich der einzige Monat, in dem es mehr Verlustmonate als Gewinner gibt. Zwischen 1928 und 2017 schnitt der S&P 500 im September in 49 Jahren im roten Bereich ab. Nur 39 Mal stand ein Monatsplus zu Buche. Der Herbstmonat ist obendrein auch noch mit einem durchschnittlichen Kursverlust in 89 Jahren von 1,1 Prozent mit weitem Abstand der schwächste Börsenmonat im S&P 500.

Small Caps und Nebenindizes sind interessant

Nimmt man nun die von Yardeni Research ermittelten langfristigen Zahlen für den S&P 500, so ergibt sich im Zeitraum Anfang Mai bis Ende September tatsächlich ein kleines Kursminus im Index von 0,3 Prozent. Berücksichtig man dann allerdings die Dividendenzahlungen im Zeitraum von geschätzt etwa 1,0 Prozent, so schneidet auch der bei vielen Anlegern verhasste Zeitraum Mai bis September mit Gewinnen ab.

Kein Grund also, jetzt auszusteigen! Die aktuelle Schwäche insbesondere im Small Cap-Sektor sehen viele Anleger jetzt sogar als gute Kaufgelegenheit. Denn Small Caps leiden in Zeiten der konjunkturellen Unsicherheit besonders: Die Aktien sind wegen geringerer Liquidität – also der Handelbarkeit – an der Börse riskanter, denn sie können im Krisenfall nicht so schnell und einfach zu Geld gemacht werden, und das Geschäftsmodell – oft mit geringer Umsatzbasis und Kundenzahl – birgt zusätzliche Gefahren.

Wegen der immer noch vor sich hinköchelnden Handelsprobleme zwischen USA und China hat erst vor wenigen Tagen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kurz OECD ihre Wachstumsprognose für die Welt für dieses Jahr von 3,9 auf 3,2 Prozent zurückgeschraubt. Die Kursverluste bei Small Caps in den letzten Monaten und Quartalen spiegeln das nur wider.

Börsianer, die nicht an einen Konjunktur-Crash glauben, steigen ein: Breit gestreut in Small Cap-Indizes wie den Russell 2000. Denn auch US-Firmen aus der dritten Reihe laufen in letzter Zeit nicht wirklich gut und der Russell hat zu seinem Allzeithoch vom vergangenen August rund zehn Prozent an Wert verloren. Anleger greifen zum ETF (ISIN: IE00BJ38QD84).

Es findet sich zwar kein ETF nur auf den SPI Small Cap. Aber zumindest können Anleger auch von einer Mischung mit etwas grösseren Mid Caps im Swiss Mid Small Caps Fonds von Pictet (ISIN: CH0003299580) von einer Aufholjagd von Nebenwerten aus der zweiten oder dritten Reihe bei Konjunkturberuhigung profitieren.

Zuletzt ist auch noch der SDAX aus Deutschland vielversprechend. Auch die Titel der dritten Reihe im Nachbarland notieren mit rund 15 Prozent deutlich unter ihrem Allzeithoch aus 2018. Ein Knock-out Zertifikat (ISIN: DE000HX6T1L9, Laufzeit endlos, Basis rund 9763, Knock-out 9940 Punkte) bietet bei einem 8er-Hebel bei Steigerungen des Index weit überproportionale Gewinnchancen.

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