Die Schweizer Nationalbank steht im Rampenlicht. Seit Jahren kämpft sie gegen eine unangemessene Stärke des Frankens, aber nur mit mässigem Erfolg. Die Währung steigt, die Grenze zur Parität wurde kurzzeitig bereits unterschritten.

Wie geht es jetzt weiter? Was macht die SNB? Welche Pfeile hat sie noch im Köcher? Drei Szenarien:

Erstes Szenario:

Der Euro verliert einen Teil seiner Schwäche, die SNB macht nichts, der Kurs entspannt sich. Das kann passieren, wenn die geopolitischen Spannungen nachlassen. Die SNB hätte wieder Spielraum, mit der Währung zu arbeiten und ist auch der Gestaltung der restlichen Geldpolitik freier.

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Der Vorteil liegt auf der Hand: Courant normal ist das beste für alle Beteiligten: Es gibt keine geldpolitischen Experimente, keine Mindestkurse, dafür Sicherheit und Stabilität.

Zweites Szenario:

Die SNB definiert ein Zielband oder einen de-facto-Mindestkurs. Zu diesem Schritt könnte die SNB greifen, sobald sie der Überzeugung ist, dass der Franken massiv überbewertet ist und die Wirtschaft unter dieser Überbewertung leidet. 

Nach Berechnungen von Bloomberg lag der faire Wert des Frankens gegenüber dem Euro in diesem Jahr in einer Bandbreite von 1,08 bis 1,12. Bloomberg spekuliert deshalb, dass die SNB den Mindestkurs in diesem Zielband definieren könnte, auch wenn die Kursgewinne des Frankens gegenüber anderen wichtigen Währungen milder ausfallen und die Frankenstärke einen Teil des Inflationsdrucks nehmen.

Sollte es so kommen, wird vorher kein Wort an die Öffentlichkeit gelangen. Die SNB neigt dazu, mit der Ankündigung grösserer Änderungen nicht bis zu ihren routinemässigen geldpolitischen Überprüfungen zu warten. Die nächste Sitzung findet am 24. März statt, doch könnte eine Ankündigung auch vorher oder sogar danach erfolgen, falls der Franken weiter steigt. 

Drittes Szenario:

Die SNB erlaubt eine schrittweise Aufwertung. Sie sperrt sich gegen eine zu schnelle Aufwertung, verzichtet aber auf das Mindestkursinstrument. Sie verteidigt jeweils strategisch gewisse Linien – etwa die Parität, lässt diese Linien aber auch brechen. Das wäre eine Politik, die sich an der Hoffnung orientiert, dass die Euro-Schwäche nur vorübergehend ist – und dass sich der Euro bald von alleine erholen dürfte.

Die Politik hat den Vorteil, dass keine fixe Untergrenze verteidigt werden muss. Die SNB kann die Inflation relativ gezielt steuern. Die Firmen haben Zeit, sich an eine noch stärkere Währung zu gewöhnen.

Das Problem: Die Marktteilnehmer werden die Bewegungen der SNB antizipieren und die Bereitschaft der Notenbank immer wieder testen. Der Druck auf die SNB steigt, ihre Glaubwürdigkeit könnte gefährdet sein. Und die Verteidigung könnte teuer werden: Das Euro-Risiko in der Bilanz steigt, gleichzeitig realisiert die SNB riesige Buchverluste auf ihren Aktienbeständen. 

Was meint die SNB?

«Es herrscht an den Märkten eine stark negative Risikostimmung», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler am Samstag in einem Interview. «In solchen Phasen rückt der Franken als sicherer Hafen in den Fokus. In Krisenzeiten sucht man Sicherheit.» Gefragt sei aber nicht nur der Franken. Auch der Yen und der Dollar sowie Gold und sichere Anlagen wie Staatsanleihen würden eine höhere Nachfrage erfahren.

Zum Euro-Franken-Kurs sagt sie: «Man darf den Kurs nicht isoliert betrachten. Wir haben in der Schweiz eine deutlich tiefere Inflation als in anderen Währungsräumen, und diese Differenz führt dazu, dass die Wirtschaft auch mit dem stärkeren nominalen Frankenkurs leben kann.»

Der reale Wechselkurs, das heisst inflationsbereinigt, habe sich nicht so stark verändert wie der nominale. «Seit Beginn der Pandemie betrug die reale Aufwertung nur etwa 1 Prozent, die nominale 5 bis 6 Prozent.» Zu allfälligen Interventionen am Devisenmarkt äussert sich die Notenbankerin wie üblich nicht. «Was ich aber sagen kann, ist, dass wir die Lage am Devisenmarkt sehr genau verfolgen und jederzeit bereit sind, bei Bedarf zu intervenieren.» (tdr/ise)