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und üppig abendessen»

Ernährung
«Nichts frühstücken – 
und üppig abendessen»

Tomaten: Laut Wolfgang Rohner ein guter Snack für Manager. Adrian Scottow/CC/flickr

Wolfgang Rohner hilft der Wirtschafts­prominenz seit Jahrzehnten diskret beim Abnehmen. Der Cousin von CS-Präsident Urs Rohner zählt Bruno Gehrig, Michael ­Pieper und Sarah Ferguson zu seinen Kunden.

Von Stefan Mair
am 21.12.2016

Wie viele Führungskräfte haben Sie in Ihrer ­Karriere betreut?
Wolfgang Rohner*: Weit über hundert.

Was sind die häufigsten Ernährungsfehler von Managern?
Sie essen nicht mehr, sondern verhandeln und schieben sich nebenbei etwas in den Mund.

Warum besteht so viel Unsicherheit darüber, was man essen soll?
Früher musste man essen, um den Tag zu überleben. Viele Glaubenssätze, die die Leute haben, kommen aus diesem Erbe und alten Vorstellungen. Etwa dass man fünfmal am Tag essen muss, das war bei körper­licher Arbeit aber gar nicht möglich.

Viele empfehlen fünf Stück Obst und Gemüse.
Das ist einer der grössten Irrtümer. Obst enthält sehr viel Zucker, deshalb kann ja auch Schnaps daraus produziert werden. Wenn ich einen Apfel esse, habe ich für den Rest des Tages Hunger.

Wie sieht ein idealer Essensplan 
für einen unter Druck stehenden Manager aus?
Am besten nichts frühstücken, höchstens ein ­Joghurt, eventuell mit Nüssen oder frischer Ananas, allenfalls ein Ei, eventuell mit Schinken, aber ohne gängiges Brot, vielleicht mit einem Brot aus spezial reiner Kleie. Zu Mittag ein Stück Fleisch, aber ein Fleisch mit Stil, also keine Wurst, sondern beispielsweise ein Rindsfilet. Abends dann die grössere Mahlzeit. Das widerspricht ja vielen Tipps, aber ich rate sehr zur Hauptmahlzeit am Abend. Eiweiss kann über den ganzen Tag verteilt gegessen werden, denn nur durch Eiweiss wird die Fettverbrennung angeregt. Als Snacks über den Tag verteilt empfehle ich Nüsse, Tomaten, Gurken, Mozzarella, Joghurt oder Quark.

Ihre Meinung zu Nahrungsergänzungsmitteln 
und Pillen?
In meinem Konzept sind diese nicht vorgesehen. Ich rate von Pillen nicht ab, aber brauchen tut man sie nicht. Das, was man am Markt bekommt, ist ohnehin unterdosiert, weil es sonst ja 
als ­Medikament angemeldet werden müsste.

Welche Rolle sollte Alkohol spielen?
Bier ist für alle Typen verboten, Wein wird sehr unterschiedlich eingeteilt, ist aber bei keinem ­Ernährungstyp total verboten.

Sie unterscheiden elf Körpertypen. Mit welcher 
Art ist es am schwersten abzunehmen, mit 
welcher am leichtesten?
Am schwierigsten ist dies bei einer beckenbe­tonten ­Figur, am leichtesten bei bauchbetonter.

Sind Frauen oder Männer erfolgreicher 
bei der Anwendung Ihres Konzepts?
In der Regel sind die Herren erfolgreicher, weil sie – insbesondere als Manager und Unternehmer – konsequenter sind. Sie sind gewohnt, eine Entscheidung zu treffen und diese dann «durchzuziehen», die Damen argumentieren viel mehr an diesen und jenen vermeintlichen kleinen Ausnahmen herum, und am Ende eines Tages sind es immer ein 
paar kleine Ausnahmen zu viel. ­Ausserdem sind Frauen oft schon durch langjährige und zahlreiche Anstrengungen diätgeschädigt, durch ­mehrfaches Jo-Jo, und ­nehmen deshalb schwerer ab.

Was hat die Patientengruppe ­Manager gemeinsam?
Das gepflegte «wine und dine» ist 
für diese Personengruppe weniger ­wichtig geworden. Essen ist nicht mehr so wichtig, sondern es geht nur darum, nicht zu verhungern oder ­allenfalls: leistungsfähig zu sein.

Bringt ein Essenscoach überhaupt etwas?
Viele Coaches arbeiten mit veralteten Annahmen. Viele Ernährungsberaterinnen sind selbst übergewichtig, das ist wenig glaubwürdig.

Wie motivieren Sie die Leute zum Abnehmen?
Ich motiviere nicht, bewegen müssen sich die Leute selbst.

Viele Manager tragen ein Fitness- und Tracking-Armband und coachen sich selbst.
Sport ist unter vielen Aspekten positiv, wenn der Leistungsaspekt nicht übertrieben wird, aber ­abnehmen können Sie damit nicht. Wie lange müsste man Velo fahren, um ein einziges ­Brötchen oder einen Apfel abzubauen? Da ist eben die richtige Selektion der Nahrungsmittel wesentlich effizienter und effektiver.

Wie beurteilen Sie die Paleo-, also Steinzeit-Diät?
Diese entspricht unserer Entwicklung über sehr viele Generationen. Unter den vorhandenen Konzepten sicher eines der vernünftigsten. Der Name ist allerdings sehr weit hergeholt. In den frühen Zeiten gab es keine Gemüse und ausser einzelnen Beeren keine Früchte. Unsere Vor­fahren der jüngeren Zeit mussten über Genera­tionen zum Beispiel aus einem Holzapfel essbare Äpfel züchten. Der Selektion der erlaubten ­Nahrungsmittel stimme ich in etlichen Punkten nicht zu – eben wegen der glykämischen Last.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Rohner-Konzepts?
Ich habe in der Deutschschweiz etwa sechzig Partner, die von mir ausgebildet wurden. Wir sind gerade daran, das Geschäft in neue Hände zu geben.

*Wolfgang Rohner ist Arzt und Ernährungs­spezialist.

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