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Viele HR-Mitarbeiter sprechen schlecht Englisch

Recruiter (Symbolbild): Vielen fehlen die notwendigen Englischkenntnisse. Pixabay

Laut einer Studie haben Mitarbeiter in Schweizer Personalabteilungen oft ungenügende Englischkenntnisse. So können Unternehmen das ändern.

Von Denise Weisflog
am 22.08.2017

Schweizer Topmanager verfügen über ausgezeichnete Englischkenntnisse. Nur 1 Prozent der Führungskräfte hat diesbezüglich ein Defizit. Schlechter sieht es in den Bereichen Human Resources und Logistik aus. Fast jeder dritte HR- und jeder fünfte Logistikmitarbeiter besitzt nicht die Englischkompetenz, die für seine Position notwendig wäre.

Dies zeigt eine gemeinsame Studie von Cambridge English, einer Abteilung der Universität Cambridge, und Analysten der «QS Global Employer Survey». Für die Studie mit dem Titel «English at Work: global analysis of language skills in the workplace» wurden mehr als 5000 Arbeitgeber in 38 Ländern befragt. Darunter 25 international tätige Grossunternehmen in der Schweiz.

Schere ist gross

Im globalen Vergleich schneiden die hier ansässigen Firmen relativ gut ab. Während der sogenannte Skills-Gap, also die Lücke zwischen den tatsächlichen und den für den Job erforderlichen Englischkenntnissen, global gesehen zwischen 30 und 40 Prozent liegt, beträgt er in der Schweiz lediglich zwischen 1 und 30 Prozent.

Dass die Schere zwischen Topmanagement und Human Resources so gross ist, erstaunt aber. Schliesslich sind es die HR-Verantwortlichen, die potenzielle ausländische Mitarbeiter auf Englisch interviewen und auch Arbeitsverträge in dieser Sprache aufsetzen müssen.

Starke Generationenlücke

Adrian Wüthrich, Präsident der Arbeitnehmer-Dachorganisation Travail Suisse, erklärt, man müsse die Englischkenntnisse der verschiedenen Generationen analysieren. Dabei stelle man fest, dass die jüngeren Arbeitnehmenden besser abschneiden würden. «Die Schweiz hat auf die Wünsche der Unternehmen mit Bildungsmassnahmen reagiert. Die Verbesserung der Englischkenntnisse benötigt aber Zeit», sagt Wüthrich. Konkret sei im Lehrplan 21 beziehungsweise mit dem Harmos-Konkordat dem Fremdsprachenunterricht ein grösseres Gewicht beigemessen worden. Zudem habe man in den freiwilligen Sprachenaustausch investiert.

Im Mai haben die Zürcher Stimmberechtigten zudem die Fremdsprachen-Initiative verworfen und sich für zwei Fremdsprachen an der Primarschule ausgesprochen. Ein Entscheid, der die Englischkompetenz der nächsten Generationen zusätzlich verbessern dürfte. Wie Henriette Graf, Development Manager Switzerland bei Cambridge English Language Assessment, erklärt, sind die durchschnittlichen Englischkenntnisse in der Schweiz in den letzten 15 Jahren um etwa ein Niveau gestiegen.

Selbst für lebenslanges Lernen verantwortlich

Ganz besonders spürbar sei dies in jenen Schweizer Kantonen, die Englisch als erste Fremdsprache gewählt haben. Auf Hochschulebene wurde ebenfalls vielerorts Englisch in der Lehre ausgebaut. Gewisse Aus- und Weiterbildungen können komplett in Englisch absolviert werden. Die meisten Master-Studiengänge in Betriebswirtschaft werden bereits fast durchgehend auf Englisch angeboten. Auch an den Höheren Fachschulen HF ist gemäss Mindestverordnung Englisch als Unterrichtssprache möglich.

Was aber tun, wenn es am Englischen mangelt? Seit dem 1. Januar 2016 ist das neue Weiterbildungsgesetz in Kraft, das festlegt, dass Mitarbeiter für das lebenslange Lernen selbst verantwortlich sind. Jedoch haben die Arbeitgeber die Pflicht, die Weiterbildung zu begünstigen. «Ist der Skills-Gap im Bereich Englisch für den Arbeitgeber zu gross, muss er nach einer Standortbestimmung zusammen mit dem Mitarbeitenden die nötigen Weiterbildungsmassnahmen ansprechen, die nötige Zeit dafür zur Verfügung stellen und die Kosten übernehmen», sagt Adrian Wüthrich.

Auslandeinsatz hilft

Philippe Hertig, Partner des Personalberatung-Unternehmens Egon Zehnder, zeigt sich über das Abschneiden der HR-Leute überrascht. Er sei während seiner 18-jährigen Tätigkeit noch nie einem Human-Resources-Verantwortlichen begegnet, dessen Englischkenntnisse ungenügend gewesen seien. Hertig vermutet, dass in der Studie weniger HR-Leiter, sondern eher das mittlere Kader evaluiert wurde. «Bei den hierarchisch tiefer gestellten Personalverantwortlichen handle es sich meist um Einheimische, die mit den Mitarbeitenden vor Ort zu tun haben», sagt Hertig. Dass deren Englischkenntnisse nicht ganz so gut seien, könne zwar sein, doch ungenügend seien sie seiner Meinung nach nicht.

Henriette Graf betont, es lohne sich für Unternehmen, in die Englischkenntnisse der Mitarbeitenden zu investieren; besonders, wenn diese ein fester Bestandteil des Jobs seien. Auch temporäre Einsätze bei Tochterfirmen im Ausland würden zu einer höheren Fremdsprachenkompetenz beitragen.
Gemäss Graf könnte es sich jedoch besonders für Grossunternehmen lohnen, ein Benchmarking durchzuführen und die Mitarbeitenden anschliessend gezielt zu schulen. Dabei sei es sinnvoll, zu definieren, welches Niveau benötigt werde. Dasselbe gelte für die Rekrutierung. «Fliessende Kenntnisse sind ein dehnbarer Begriff. Wenn man nach einem konkreten Zertifikat fragt, erhält man ein viel genaueres Bild.»

Anforderungen höher 

Wie die Studie ebenfalls zeigt, sind die Anforderungen an das Englisch-Niveau der Mitarbeitenden in der Schweiz höher als im globalen Durchschnitt. So verlangen 59 Prozenten der Arbeitgeber beispielsweise Fortgeschrittenen-Kenntnisse, international sind es nur 49 Prozent. Dies bestätigt auch Personalvermittler Philippe Hertig: «Besonders im Vergleich mit Deutschland und Frankreich schneiden Schweizer Geschäftsleute besser ab», sagt Hertig. Dies dürfte daran liegen, dass sich Unternehmen mit einem kleinen Heimmarkt zwangsläufig öffnen müssen, sodass die Internationalisierung traditionell viel früher stattfindet. 

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