Die Angriffe auf das Schweizer Bankgeheimnis sind für den UBS-Chef Sergio Ermotti nichts anderes als ein Wirtschaftskrieg. Die Schweiz werde seit 2008 attackiert, sagte er in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Ziel sei es, den Finanzplatz zu schwächen. Es gehe darum, die zwei Schweizer Grossbanken, die international erfolgreich sind, zu schwächen. Dies müsse einmal gesagt werden, meint Ermotti. Nicht nur ausländische Politiker hätten ein Interesse an den Angriffen auf die Schweiz, sondern auch «unsere Konkurrenten».

«Unsere Banken verwalten 2,2 Billionen Franken ausländische Vermögen». Da wollen sich einige Konkurrenzbanken und ausländische Finanzplätze zusätzliche Marktanteile verschaffen», sagte der UBS-Chef im Interview. Viele hätten ein Interesse daran, dass der Finanzplatz Schweiz in die Knie gezwungen werde.

Auf die Frage, wie sich die Schweiz denn wehren solle, antwortete Ermotti: «Wir mussten bisher schon zu viele Konzessionen machen.» Die UBS unterstütze die Weissgeldstrategie. In einem wichtigen Punkt aber habe die Schweiz «einen Fehler gemacht». Die Umstellung sei viel zu schnell erfolgt. Das bisherige Geschäftsmodell habe sich über die letzten 60 Jahre entwickelt. Nun solle innert eines Jahres alles anders werden. «Wir hätten mehr Zeit für die Anpassungen gebraucht.»

Für die Umsetzung der Abgeltungssteuer wären fünf bis sechs Jahre «ideal gewesen». Das Problem seien nicht die Abkommen, «sondern das Tempo der Umsetzung», sagte Ermotti.

Viele Politiker unterschätzten zudem die wirtschaftlichen Folgen der «Kehrtwende» für den Finanzplatz und die Schweiz. Ermotti rechnet damit, dass in den nächsten Jahren auf dem Schweizer Finanzplatz 20 Prozent der Jobs, «also rund 20'000 Arbeitsplätze», verloren gehen.

Informationsaustausch eine Option

Davon, den automatischen Informationsaustausch als Angebot in die Verhandlungen mit anderen Staaten einzuwerfen, hält Ermotti nichts. Die Schweiz habe sich für die Abgeltungssteuer entschieden. Es wäre völlig falsch, mitten in den Verhandlungen die Strategie zu ändern. Aber: «Der Informationsaustausch ist eine Option für die Zukunft.»

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Das Steuerabkommen mit Deutschland empfiehlt er zur Ablehnung, sollte das Parlament in Deutschland es versenken. Zwar brauche es langfristig eine Lösung mit Deutschland, aber es gebe dann eine Chance, das Timing anzupassen. In Bezug auf den Steuerstreit mit den USA lehnt sich Ermotti zurück: «Für uns ist der Steuerstreit mit den USA abgeschlossen.»

Nicht so für die anderen Schweizer Banken und Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Die Bundespräsidentin führte am Samstag in Washington Gespräche über eine Lösung im Steuerstreit mit den USA.

Gespräche in Washington

Sie traf Justizminister Eric Holder und Finanzminister Timothy Geithner. Die beiden Gespräche seien konstruktiv verlaufen und hätten geholfen, die Situation etwas zu entkrampfen, sagte Widmer-Schlumpf an einer Medienkonferenz. Die Verhandlungen seien auf gutem Weg.

«Ich habe in den Gesprächen das Gefühl erhalten, dass man auch eine Lösung will, dass man kein Interesse an einer Eskalation hat», sagte sie im Interview mit der «SonntagsZeitung». In Bezug aber, wie die Lösung auszusehen habe, «gehen die Meinungen zum Teil noch auseinander».

Widmer-Schlumpf bestätigte in Washington das Ziel, bis Ende Jahr eine Lösung mit den USA finden zu wollen. Die USA fordern von Schweizer Banken Informationen zu undeklarierten Geldern von US-Bürgern. Insgesamt stehen elf Finanzinstitute im Visier der US-Justizbehörden. Die Schweiz verhandelt seit rund 15 Monaten über eine Lösung für diese Banken.

Über Zahlen sei nicht gesprochen worden, sagte sie in der «SoZ». Es sei auch nicht an «uns», Zahlen zu nennen. Jede der elf Banken werde, wie die UBS damals, einen Betrag zahlen müssen. «Wir haben nur den Rahmen festgelegt.»

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Zudem will die Schweizer Regierung eine Globallösung für alle rund 320 Schweizer Banken finden, um den Rechtsstreit mit den USA abzuschliessen. Es bestünden vor allem noch Differenzen über die Identifikation von Bankkundendaten und die Summe, die von der Schweiz im Rahmen der Globallösung gezahlt werden soll, sagte Widmer-Schlumpf.

(vst/sda)