Die auffälligste Aufwertung, die sich zum Franken dieses Jahr ereignet hat, ist beim Dollar. Die US-Währung ist durch den Zinserhöhungs-Kurs der Federal Reserve (Fed) sowie die steigenden US-Zinsen gestärkt worden und 6,5 Prozent mehr wert als Anfang Jahr. Der Dollar-Index DXY, der die US-Währung mit einem Korb anderer grosser Währungen vergleicht, ist auf einem Sechs-Jahres-Hoch. 

Mit seiner Stärke stellt der Dollar im Moment gar die Attraktivität des Frankens auf den globalen Devisenmärkten in den Schatten. Doch auch wenn derzeit viel Kapital in den Dollar fliesst: Die Stärke der US-Währung ist trügerisch. Die Safe-Haven-Eigenschaften des Dollar hängen von der Politik der Fed ab. Die derzeitigen Diskussionen drehen sich um die Frage, ob die US-Notenbank nicht nur einen Bewertungsabfall an den Aktienmärkten, sondern auch eine Rezession in den USA in Kauf nehmen würde, im ihr zentrales Ziel der Inflationsbekämpfung zu erreichen.

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Die Aussichten für die US-Wirtschaft und damit den Dollar bleiben unsicher. Marktguru Mohamed El-Erian geht davon aus, dass die US-Wirtschaft in die Stagflation abdriften wird - was für die Fed, die Wachstum und Inflation im Auge behalten muss, «schlechteste» aller Szenarien darstellen würde. Dies würde auch die Unsicherheit um den Dollar erhöhen. 

«Öl-Währungen» legen zu

Für Schwellenländer mit ihrer traditionell hohen Dollar-Verschuldung ist der steigende Kurs der US-Währung ein Problem. Allerdings haben einige der Emerging-Market-Länder von den steigenden Rohstoffpreisen profitiert. Am deutlichsten zeigt sich dies beim brasilianischen Real, der zum Franken um ein Fünftel zugelegt hat. Eine gewisse Rolle spielt dabei auch, dass die Banco Central do Brasil seit Anfang Februar mit einem Leitzins von 10,75 Prozent operiert. 

Auch andere «Öl-Währungen» wie der Kanada-Dollar (+5,1 Prozent) profitieren von den steigenden Preisen. Seit der russischen Invasion in der Ukraine Ende Februar ist das Fass Rohöl kaum noch unter 100 Dollar gehandelt worden.

Die viel zitierte «demand destruction», also, dass die Nachfrage wegen der hohen Preise einbricht und so auch den Preisauftrieb wieder dämpft, hat sich bisher nicht eingestellt. Die Unternehmen in der Weltwirtschaft und die Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, im Sommer 2022 für Treibstoffe und Flugtickets mehr zu behalten. 

Der Ölpreis nützt allerdings nicht allen Währungen von Ländern mit hohen Rohstoffexporten. Die hohe Bewertung beispielsweise der norwegischen oder schwedischen Krone ist durch globale Rezessionsängste bedroht.

Die stark vernetzten skandinavischen Volkswirtschaften spüren Lieferengpässe und die Null-Covid-Strategie Chinas. Zum Franken haben die beiden nordischen Währungen dieses Jahr 3,2 respektive 2,9 Prozent verloren - obwohl die Zentralbanken in Oslo und Stockholm dieses Jahr bereits die Zinsen erhöht haben.

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Euro: Baldige EZB-Zinserhöhungen stützen, Ukraine belastet 

Relativ wenig bewegt zum Franken ist der Euro. Der Ukraine-Krieg stellt zwar eine besondere Belastung für die europäischen Volkswirtschaften dar. Doch die Aussicht auf Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) geben der Gemeinschaftswährung aktuell Auftrieb.

Dies hat zentrale Bedeutung für die Schweizerische Nationalbank (SNB), die bisher mit Interventionen eine zu starke Aufwertung des Frankens zu verhindern versucht hat: «Der Interventionsbedarf der SNB nimmt entsprechend ab, zumal sich die Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und der Eurozone weiter ausweitet», schreibt Raiffeisen-Analyst Alexander Koch.

Allerdings verhält sich die EZB bisher zögerlicher als die Fed bei den Zinserhöhungen. Vor allem im hoch verschuldeten Südeuropa gibt es Widerstand gegen rasche Zinserhöhungen sowie den Verzicht auf Anleihenkäufe durch die Notenbank. Die EZB folgt stärker politischen Gesichtspunkten als die Fed, die ihre Geldpolitik eher ökonomisch begründet.

Akute Stagflationsängste plagen auch das Pfund (-1,8 Prozent). Die Bank von England hat zwar ebenfalls schon an der Zinsschraube gedreht, doch Bankgouverneur Andrew Bailey hat gleichzeitig jüngst Warnungen von «apokalyptischen» Preissteigerungen ausgestossen. Das Vereinigte Königreich ist von den westlichen Ländern mit am stärksten von einer Krise der Lebenshaltungskosten betroffen, was die Wachstumsaussichten und damit auch das Image der Landeswährung belastet. 

Yen hat am meisten zum Franken verloren

Der Exot unter den Währungen bleibt allerdings der Yen, der von den wichtigen Weltwährungen zum Franken seit Januar am meisten verloren hat: Das Wechselverhältnis sank um 4,2 Prozent zulasten der japanischen Währung. Exotisch ist Japan vor allem deshalb, weil die Notenbank an ihrer expansiven Geldpolitik festhält. Ein Leitzins, der seit dem 1. Februar 2016 bei -0,1 Prozent liegt, macht den Yen in einer Welt von hektisch die Zinsen erhöhenden Notenbanken unattraktiv.

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