Die Aktienkurse einiger Rüstungskonzerne sind in den letzten Tagen geradezu, nun ja, explodiert. Die Aktien des grössten Rüstungskonzerns der Welt, jene von Lockheed Martin, stiegen allein gestern um 1,8 Prozent auf ein Rekordhoch. Ein Rekordhoch erreichten gestern ebenfalls die Titel von General Dynamics.

Die Kurse könnten wegen der allgegenwärtigen Kriegsrhetorik weiter steigen. Deswegen überlegen sich manche Privatanlegende, ob sie sich jetzt Aktien von Rüstungsfirmen ins Portfolio legen sollen.

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Gleichzeitig stellen sich ethisch interessierte Anlegerinnen und Anleger die Frage, ob ihr Portfolio weniger Rendite einbringt, wenn sie Rüstungs- und Waffenkonzerne von einer Investition ausschliessen. 

Diversifiziert investieren

Auf jeden Fall gilt: Wer wegen der Rendite Rüstungsaktien kaufen will, sollte aus Diversifikationsgründen auf Einzelaktien verzichten. Besser ist der SPDR S&P Aerospace & Defense ETF vom US-Finanzhaus State Street. Dieser bietet den Vorteil, dass die Aktien im Fonds gleich gewichtet werden, wodurch ein einzelnes Unternehmen nicht den ganzen ETF nach unten ziehen kann.

Die Performance dieses ETF seit dem Jahr 2012 lässt sogar die ETF des US-Leitaktienindex S&P 500 hinter sich, der die 500 grössten US-Unternehmen abbildet. Das ist umso erstaunlicher, weil der US-Leitindex von Technologie-Champions wie Apple und Google dominiert wird, deren Aktienkurse in den letzten Jahren wie Raketen gestiegen sind.

Zumindest in der Vergangenheit brachten also Waffen- und Rüstungsunternehmen sehr gute Renditen. Die Frage ist, ob sie das auch in Zukunft tun werden. Die Ökonomen Xing Han und Youwei Li sowie die Ökonomin Olena Onishchenko liefern eine Antwort. Sie haben Sündenaktien analysiert, also Titel, die einige Anlegerinnen und Anleger für ethisch problematisch halten. Dabei stellten sie fest, dass diese überdurchschnittliche Renditen einbringen.

Überrenditen für Sünden

Die Gründe: Es widerstrebt nicht wenigen Investierenden – darunter zahlreiche Pensionskassen –, Aktien von Firmen der Tabak-, Alkohol- und eben auch der Waffen- oder Rüstungsindustrie ins Portfolio zu nehmen. Wenn jedoch wichtige Player an den Finanzmärkten bestimmte Unternehmen aufgrund ethischer Erwägungen ausschliessen, müssen andere Investoren, die keinen ethischen Massstab an ihre Investments stellen, mehr Aktien dieser Unternehmen halten, als es sonst der Fall wäre.

Die Frage ist nun, wie man die nicht ethisch handelnden Investoren und Investorinnen dazu bringt, mehr von bestimmten Aktien zu halten, als sie eigentlich wollen. Die Antwort: Man bezahlt sie dafür. Wer bereit ist, in ethisch bedenkliche Firmen zu investieren, kann mit überdurchschnittlichen Renditen rechnen. Dabei übernimmt der Markt die Rolle des Zahlmeisters, der die entsprechenden Überrenditen zuweist.

Friedlich investieren

Darf man als Anleger oder Anlegerin vom Krieg profitieren? Wie ist ein aktives Investment in eine Rüstungsfirma zu bewerten? Macht es einen Unterschied, wenn eine Rüstungsfirma auf der defensiven, deutschen Seite steht? Stärkt ein Investment in eine deutsche Rüstungsfirma vielleicht sogar indirekt die Fähigkeit des Landes, den Frieden aufrechtzuerhalten?  

Wer in Firmen investiert, die militärisch nutzbare Güter herstellt, muss sich solche Fragen stellen. Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Diese Überrenditen könnten noch sehr lange bestehen bleiben. Insbesondere wenn es aufgrund etwa einer sozialen Norm nicht genügend Kapital gibt, das bereit ist, auf Rüstungsfirmen zu setzen. Und das scheint der Fall zu sein, denn die Überrenditen bei den Sündenanlagen haben sich in den letzten zehn Jahren noch akzentuiert, wie Han, Li und Onishchenko aufzeigen.

Immer verführerischer

Das dürfte daran liegen, dass soziale Normen immer stärker darauf drängen, ethisch problematische Unternehmen zu meiden, was dazu führt, dass mehr Marktakteure diesem sozialen Imperativ folgen. Man denke dabei etwa an die Zunahme von Portfolios und Investmentprodukten, die ihre Bestandteile einem ESG-Screening unterziehen.

Die Kehrseite dieser Ausbreitung ethischer Investments ist, dass die nicht ethisch handelnden Investierenden mit immer höheren Renditen entschädigt werden müssen, damit sie bereit sind, ethisch bedenkliche Unternehmen zu kaufen.

Die Verführung zu Sündenaktien wird also immer stärker, je mehr Investoren aus ethischen Gründen von einer Investition absehen.