Mit dem US-Pharmakonzern Moderna hat eine weitere Biotech-Firma vielversprechende Daten für seinen Corona-Impfstoff vorgelegt: Der Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent, hiess es in einer Mitteilung von Moderna am Montag. Zudem wurde bekannt, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren zu dem Moderna-Impfstoff beginnt, das eine vergleichsweise rasche Zulassung zum Ziel hat.

Der potentielle Corona-Impfstoff des US-Konzerns Moderna könnte in der ersten Jahreshälfte 2021 in der Schweiz zur Verfügung stehen. Dies sagte Moderna-Manager Dan Staner, Direktor für die Region Europa, Naher Osten und Afrika, am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Die EU-Kommission verhandelt derzeit nach eigenen Angaben mit dem US-Konzern über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen. Ein Vertrag ist aber noch nicht geschlossen. Die Schweiz hat hingegen schon eine Vereinbarung mit Moderna. Der Vertrag mit dem BAG sieht vor, dass die Schweiz 4,5 Millionen Impfdosen erhält – da zwei Impfungen nötig sind, lassen sich damit also 2,25 Millionen Menschen impfen.

Die US-Firma aus Massachusetts arbeitet bei der Produktion mit Lonza zusammen: Der Schweizer Konzern wird das Vakzin in Visp und in den USA herstellen und von dort aus weltweit verteilen.

Vor einer Woche hatte bereits der deutsche Hersteller Biontech zusammen mit dem US-Konzern Pfizer bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten soll.

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Die Phase-III-Studie zum RNA-Impfstoff mRNA-1273 von Moderna umfasst insgesamt 30'000 Probanden. Die Hälfte davon erhielt den Impfstoff, die andere Hälfte fungierte als Kontrollgruppe und erhielt ein Placebo-Mittel. Insgesamt erkrankten bislang 95 Studienteilnehmer an der Krankheit Covid-19. Davon entfielen nur 5 Fälle auf die tatsächlich geimpften Probanden, 90 Fälle wurden in der Kontrollgruppe diagnostiziert.

Daraus errechnet sich eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Dabei geht es darum, inwieweit der Impfstoff die Krankheit verhindern kann. Daten, zu welchem Grad mRNA-1273 eine Ansteckung verhindert, gibt es bislang nicht. 

«Das sind offensichtlich sehr aufregende Ergebnisse. Besser wird es nicht – 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend.»

Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases

Der «Mr. Corona» der USA, Anthony Fauci, äusserte sich derweil bereits sehr positiv: «Das sind offensichtlich sehr aufregende Ergebnisse», so der Immunologe nach Angaben des TV-Senders CNN: «Besser wird es nicht - 94,5 Prozent sind wirklich hervorragend.» Die ersten Impfungen in den USA könnten im Dezember bei Hochrisikogruppen beginnen, der breite Rest der Bevölkerung werde wohl eher ab Ende April dran sein. «Und das wird in den Mai, Juni und Juli hineingehen. Das ein paar Monate dauern.»

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Moderna will in den kommenden Wochen eine Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelagentur FDA beantragen. Auch Anträge bei Zulassungsbehörden anderer Länder seien geplant.

Noch ein Vorteil

Offenbar bietet mRNA-1273 einen weiteren sehr grossen Vorteil: Das Vakzin hat eine längere Haltbarkeit und muss nicht in dermassen grosser Kälte wie der Impfstoff von Biontech beziehungsweise Pfizer gelagert werden. Dies könnte die Distribution entscheidend erleichtern. Konkret: Man gehe davon aus, dass mRNA-1273 bei Temperaturen von 2 bis 8 Grad 30 Tage lang stabil bleibe, so das Communiqué von Moderna.

Das Präparat ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Er enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiss herstellt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

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Moderna will nach eigenen Angaben bis Ende des Jahres bereit sein, im Falle einer Zulassung rund 20 Millionen Impf-Dosen in die USA zu liefern. Im kommenden Jahr sollen bis zu eine Milliarde Dosen hergestellt werden.

Zwar haben schon Länder wie Russland, China und kürzlich erst Bahrain Impfstoffe mit Einschränkungen freigegeben und impfen damit bereits Teile der Bevölkerung. Aber wie gut diese Impfungen tatsächlich schützen und welche Nebenwirkungen sie haben können, ist derzeit weitgehend offen.

(awp/mbü/rap)