Person: Raffaele Mezzenga

Gold fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Trotzdem sind noch lange nicht alle Aspekte des Edelmetalls erforscht. Vor allem nicht, wenn es um Innovationen geht. Und da kommt Raffaele Mezzenga (47) ins Spiel. Seit Jahren forscht er an der Fusion von Metallen und Proteinen, um neue Goldformen zu kreieren. Der Italiener studierte Materialwissenschaften in seinem Heimatland und arbeitete für das CERN in Genf und die US-Weltraumagentur NASA. 2001 promovierte er an der EPFL Lausanne in Polymerphysik, zwei Jahre später heuerte er im Forschungsteam von Nestlé an und kam 2009 als ordentlicher Professor zur ETH Zürich, um eine Gruppe für Lebensmittel- und weiche Materialwissenschaften zu gründen.

Produkt: Neue Goldform

Raffaele Mezzenga hat mit seinem 25-köpfigen Team eine neue Form des Edelmetalls erfunden. Ein Plastikgold, das zehnmal leichter ist als das natürliche und trotzdem einen Feinheitsgrad von 18 Karat erreicht. «Gold besteht normal zu 25 Prozent aus Silber, Palladium oder Kupfer. Wir haben nun die 25 Prozent durch Plastik ersetzt.» Klingt vielleicht trivial, dahinter steckt aber ein hochtechnologisches Verfahren. Hergestellt hat Mezzenga bisher drei Goldstücke, die zusammen 2,9 Gramm wiegen. «Für eines brauchen wir etwa eine Woche.» Es dürfte nun mehrere Jahre dauern, bis er das Verfahren zu einer skalierbaren Technologie ausgebaut hat. Die ETH hat zumindest bereits ein Patent auf das neue Plastikgold angemeldet.

Potenzial:

Grosses Interesse am neuartigen Gold hat vor allem die Uhren- und Schmuckindustrie. «Wir wurden angefragt, ob wir ein leichteres Material mit denselben Eigenschaften entwickeln können – etwa für Golduhren», sagt Mezzenga. Ein erster solcher Zeitmesser dürfte in ein bis zwei Jahren marktreif sein. Überdies könnte das leichtere Gold auch in diversen Elektronikkomponenten in der Industrie zum Einsatz kommen. Doch hat das Plastikgold denselben Wert? «Vielleicht ist der Wert sogar höher, weil es anders ist.» Doch das werde der Markt entscheiden. Mezzenga sagt es so: Würde man ein kleines Modell der Freiheitsstatue bauen, dann hätte das Modell aus seinem Gold genau gleich viel Karat wie jenes aus normalem Gold. Nur wäre seines zehnmal leichter.

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