Wegen der Corona-Pandemie verbringen deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer ihre Sommer- und Herbstferien im Heimatland. Für die Tourismusbranche ist diese Entwicklung zwar erfreulich, die wegbleibenden Gäste aus dem Ausland werden dadurch allerdings nicht kompensiert.

Schweizer interessieren sich sichtlich mehr für Sommer- und Herbstferien in der Heimat als im letzten Jahr. Das hat der grösste Schweizer Reiseveranstalter Switzerland Travel Centre (STC), eine Tochtergesellschaft von Hotelleriesuisse, Schweiz Tourismus und SBB, festgestellt. Allein im Juni wurden auf der Schweizer Version der Webseite des STC rund fünfmal mehr Seitenaufrufe verzeichnet als im gleichen Zeitraum 2019, schrieb das STC am Donnerstag in einer Mitteilung.

Doch bereits vorher, nämlich seit der Bekanntgabe von Lockerungen im Tourismus Ende Mai, sei das Interesse deutlich höher gewesen als in der gleichen Zeitspanne im Vorjahr. Und es zeige sich nicht nur bei den Seitenzugriffen, sondern auch bei den tatsächlichen Buchungen: Die Buchungsrate bei Hotelbuchungen liegt im Vergleich zum Vorjahr bei Plus 35 Prozent.

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Noch weitaus beliebter sind Buchungen ganzer Hotel-Packages, also Hotelangebote mit einem Zusatz wie etwa kombiniert mit Abendessen, einer Zugreise oder spezielle Angebote mit Vergünstigungen bei mehreren Nächten. Solche Packages buchen Schweizer gemäss dem Communiqué bis zu dreimal häufiger als in der Sommersaison letztes Jahr.

Zug- und Autotrips boomen

Nebst den Hotelbuchungen seien aber auch individuelle Reisen sehr gefragt. Die beiden Touring-Angebote des Reiseveranstalters, die Grand Tour of Switzerland und die Grand Train Tour of Switzerland, seien derzeit «der Renner», hiess es.

Bei diesen beiden Angeboten können die Touristen auf verschiedenen Etappen auf insgesamt rund 1'600 respektive 1'300 Kilometern die Schweiz entdecken. Bei der Grand Tour mit dem eigenen Auto oder einem Mietauto, bei der Grand Train Tour mit dem Zug.

Die grosse Nachfrage nach solchen Roadtrips zeigt gemäss dem Communiqué, dass immer mehr Einheimische es schätzen, sich frei im Land zu bewegen und Neues zu entdecken.

Ausländische Gäste bleiben weg

Obwohl die Schweizer gemäss der Erhebung den Empfehlungen des Bundesrats vermehrt folgen und ihre Ferien in der Heimat verbringen, sei die Gesamtbilanz des STC durchzogen, hiess es weiter. Der Schweizer Markt sei zu klein, als dass er die ausbleibenden Buchungen ausländischer Touristen kompensieren könnte.

Vor allem Reisende aus Übersee machten in anderen Jahren mit 70 Prozent den Grossteil der Gäste aus. Wegen der Reisewarnungen und Ausgangsbeschränkungen würden die Touristen aus den USA, China oder Saudiarabien jedoch weiterhin wegbleiben. «Es wird wohl noch Monate beziehungsweise Jahre dauern, bis wir die Touristen aus Übersee wieder im herkömmlichen Umfang in der Schweiz begrüssen können», prognostiziert der Leiter Märkte beim STC, Fabian Bryner, in der Mitteilung.

(awp/mlo)