Das wird dieses Jahr nichts mit der Weihnachtsfeier – diese Erkenntnis setzt sich in immer mehr Chefetagen durch. 80 bis 90 Prozent der Unternehmen haben den Event abgesagt, schätzen Caterer.

Doch völlig sang- und klanglos wollen sich die Betriebe nicht von 2020 verabschieden, deshalb wagen viele das Experiment und feiern auf Distanz. Roche zum Beispiel geht diesen Weg. «Vereinzelte Abteilungen führen ihre Weihnachtsfeiern virtuell durch», bestätigt Sprecherin Nina Mählitz.

Die Mitarbeitenden kleiden sich vorm Bildschirm weihnachtlich, teilen via Internet Rezepte oder tragen selbstverfasste Gedichte über die Kollegen vor. Bei Swisscom laufen ebenfalls Get-togethers oder Apéros am Bildschirm. Doch was erwartet Mitarbeitende bei einer Remote-Feier? Und wie wird sie ein Erfolg?

Weihnachten über Zoom und Co.

Grundsätzlich bedeutet digital feiern: Alle bleiben zu Hause und nehmen per Videokonferenz an der Party teil, also über Zoom, Teams, Skype und Co. Die meisten Firmen orientieren sich dabei grob am klassischen Ablauf, was bedeutet, dass der Chef oder die Chefin zu Anfang eine kleine Rede hält.

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«Die grösste Wertschätzung ist ein Live-Grusswort», findet Michael Ramseier von Home of Esports, Utzenstorf BE. Die Agentur unterstützt Firmen bei der Ausrichtung von Online-Weihnachtsfeiern und stellt auf Wunsch ein professionelles TV-Studio bereit. So macht die Rede mehr her als bei langweiliger Webcam-Optik.

Damit sich die Feier nicht wie ein langweiliger Fernsehabend auf dem Sofa anfühlt, lassen sich die Arbeitgeber einiges einfallen: Sie verschicken zum Beispiel vorab ein Apéro-Paket, in dem ein alkoholisches Getränk und Knabbereien enthalten sind.

Alle machen es dann gleichzeitig auf und prosten sich virtuell zu. Solche symbolischen Handlungen seien wichtig, damit ein Gemeinschaftsgefühl aufkommt, betonen Event-Profis.

Party-Packet gegen Langeweile

Ausserdem braucht das Online-Treffen ein Programm, sonst entsteht ein unangenehmes Vakuum. Die meisten Veranstalter setzen auf Spiele. «Wir kreieren eigens für das Unternehmen eine Gameshow», sagt Experte Ramseier von Home of Esports.

Sie erinnert an die TV-Sendung «Familienduell»: Ein Moderator stellt Quizfragen, die verschiedenen Abteilungen müssen sie beantworten. Parallel dazu können die Mitarbeitenden den ganzen Abend lang im Browser kleine Computergames wie Tetris spielen.

Eine Tabelle zeigt ständig live an, wer am besten abgeschnitten hat. Dieses Party-Paket haben schon zahlreiche Unternehmen bei Home of Esports gebucht. «Von der Kreativfirma bis zur Grossbank», freut sich Ramseier.

Nahezu alle Anbieter, die sich mit digitalen Partys auskennen, berichten von stürmischer Nachfrage. «Seit klar geworden ist, dass die realen Feiern ausfallen, werden wir regelrecht überrannt», sagt Georg Bohn von Tabevents, Basel.

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Foto-Aufträge von verkleideten Moderatoren

Die Firma organisiert einen weihnachtlichen Videokonferenz-Event namens «Amazing Race». Dabei werden die Mitarbeitenden in Teams mit jeweils sieben Personen aufgeteilt und erhalten von einem Moderator, der als Weihnachtsmann oder -frau verkleidet ist, kleine Foto-Aufträge, die dann mit allen geteilt werden.

So wird gefeiert

Technik: Für manche Partyspiele muss eine App auf dem Handy installiert werden, doch das geht bei Dienstgeräten nicht. Daher Technikfragen vorher detailliert klären.

Aufmerksamkeit: Verhindern Sie, dass einzelne Teilnehmende sich ausklinken. Dagegen helfen spielerische Aufgaben, die man nur im Team meistern kann

Ablauf: Im Programm sollte es keine Pausen geben. Sonst droht peinliche Stille.

«Ganz wichtig ist, dass die Mitarbeitenden nicht einfach vorm Bildschirm sitzen», betont Bohn. Eine virtuelle Weihnachtsfeier brauche unbedingt Action. Deshalb streut Tabevents in die Foto-Rallye auch immer wieder kleine Aufgaben ein, für die man sich aus dem Bürostuhl erheben muss.

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Die Teilnehmenden werden zum Beispiel aufgefordert, weihnachtliche Gegenstände in ihren eigenen vier Wänden zu suchen und sich damit abzulichten. Damit nicht alle die Kerze oder den Weihnachtsstern wählen, müssen sich die Teammitglieder untereinander absprechen. So wird verhindert, dass jemand abschaltet oder sich zurückzieht.

Aber was ist mit der eigentlichen Party? Mit tanzen, flirten und etwas zu langen Abenden an der Hotelbar? Einige Unternehmen versuchen sogar diese Elemente digital nachzustellen. Sie buchen einen DJ, der in einem Studio live Songs auflegt und Musikwünsche erfüllt.

Speeddating auf der Party-Plattform

Der deutsche Anbieter Weihnachtsplaner etwa nennt das «Christmas Radio Show». Auf seiner Website sind Ausschnitte von solchen Partys zu sehen – inklusive Teilnehmender, die vor der Webcam wild rumtanzen.

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Einige Firmen lassen sogar zu, dass digital geflirtet wird. Auf der Party-Plattform Hopin zum Beispiel gibt es einen «Networking»-Button für die Teilnehmenden. Wer ihn anklickt, wird nach dem Zufallsprinzip mit einem anderen Partygast zu einem Chat zusammengebracht, der automatisch nach zwei Minuten endet. Quasi eine Art von Speeddating.

Dennoch: So gut wie die echte Feier kann die im Homeoffice niemals sein, oder? Profis widersprechen. «Eine Teilnehmerin hat im Chat geschrieben: ‹Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal vor dem Bildschirm tanze›», sagt Nadja Kahn, Inhaberin einer Agentur in Hamburg, die Events für Konzerne wie Renault, Unilever oder Panasonic ausrichtet.

Sechzig Internet-Feiern hat Kahn in diesem Jahr schon durchgeführt, die grösste davon mit 1500 Gästen. Blutet ihr als Eventprofi nicht das Herz, nur noch Kunden vor dem Monitor zu haben?

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«Klar, das Leuchten in den Augen live zu sehen, fehlt», räumt sie ein. Doch wichtig sei, dass überhaupt gefeiert werde. «Ein Gefühl der Verbundenheit zu schaffen ist in dieser Zeit noch wichtiger.»

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