Von Zürich aus könnte man innerhalb von 40 Minuten in Hofstetten bei Elgg sein, könnte man. Vorausgesetzt, man weiss als Ortskundiger, wo sich die Mühle befindet, oder man führt eine gute Strassenkarte im Auto mit. Das altehrwürdige Bauernhaus liegt ein bisschen versteckt und von der Strasse ab, dafür umso idyllischer.

Beim Eintreten ist man nicht gleich in der Gaststube, sondern in einer Art Vorräumchen, von dem aus man einen freien Blick in die Küche geniesst. Als wir ankommen, knetet Margrit Schaufelberger, die Mutter der Wirtin, gerade kräftig Brotteig, und auf einem Blech neben dem Herd liegt eine Zwetschgenwähe: Willkommen auf dem Lande! Im Stübli, wo uns die Wirtin Elisabeth Schellenberg-Schaufelberger einen gedeckten Tisch anbietet, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

An den Räumen wurde seit dem Jahr 1823 nichts verändert – einzig die liebevoll gesammelten und aufgestellten Details stammen aus dem Heute und werden je nach Jahreszeit ausgewechselt. Durch die Öffnung der Tür sieht man in den grossen Saal hinein, wo grössere Gesellschaften essen und tanzen können – Gotthelf lässt grüssen.

Die «Guhwilmühle» ist seit 43 Jahren ein Familienbetrieb. Seit elf Jahren wirtet Elisabeth Schellenberg, ihr Bruder führt den Bauernhof nebenan. Zusammen produzieren sie beinahe alles, was im Restaurant auf den Tisch kommt. Die Wirtin wurstet selber. Zum Beispiel einen ausgezeichneten würzigen Schüblig. Davon bringt sie uns zum Auftakt ein paar Rädchen: viel versprechend.

Die Weinkarte ist – das ist angesichts der guten Küche schade – ein wenig unterdotiert. Zur Wurst trinken wir einen La Côte, später werden wir uns für einen Chianti Le Bocce entscheiden, beides gefällige, aber nicht auffällige Weine.

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Die Karte ist nicht wie in anderen Gaststuben nach Vor- und Hauptspeisen aufgeteilt. Man fängt mit einem Salat oder einer Suppe an, viele bestellen den berühmten Schwartenmagen und danach das, was der Garten oder der Stall im Moment hergibt. Gestern wurde ein Rindli vom Hof gemetzget – wir geniessen es heute als Portion Lebergeschnetzeltes und als zartes Filet mit Kräuterbutter. Dazu bestellen wir Pommes frites und bereuen unsere Wahl bereits kurz danach, als am Nebentisch eine dicke, knusprige Rösti aufgetragen wird. Die beigelegten Zucchetti, die kurz in Butter geschwenkt wurden, verdienen ein Extralob.

Wenn das Wetter am Sonntag schön ist, wird vom Frühjahr bis in den Herbst im Freien jeweils ein Ochse oder ein Schwein am Spiess, der vom Wasserrad angetrieben wird, gebraten. Und die Forellen, die hier gut als Forellen blau zubereitet werden, schwimmen bis zum Zeitpunkt der Bestellung im Teich gleich hinter dem Haus. Ab Ende Oktober ist wieder Metzgete-Zeit: Dann erwacht in Elisabeth Schellenberg die Bauerntochter: Sie stellt Blut- und Leberwürste her, backt, kocht und freut sich, wenn die Gäste von weit her kommen, um ihre Spezialitäten zu geniessen. In dieser Zeit empfiehlt es sich, einen Tisch zu reservieren.

Bei so viel Authentizität ist es selbstverständlich, dass auch die Desserts bodenständig und traditionell sind. Gebrannte Crème oder ein Stück von der Zwetschgenwähe, die uns am Anfang schon ins Auge gestochen ist? Zwetschgenwähe! Und dazu einen Schluck Zwetschgenwasser, natürlich selbst gebrannt.

Monique Rijks ist Gastrojournalistin und testet für BILANZ die sympathischsten Restaurants im ganzen Land

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Restaurant Guhwilmühle

8354 Hofstetten bei Elgg, Telefon 052 364 21 63,Hauptspeisen von 20 bis 30 Franken, Weine ab 4 Franken pro Deziliter, Flaschen ab 33 Franken.