Die Ausbreitung des tödlichen Coronavirus in China geht unvermindert weiter. Seit Montag stieg die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf 106. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen innerhalb Chinas nahm trotz drastischer Massnahmen der Behörden von knapp 3000 auf über 4500 zu.

Nachdem die Regierung bereits mehrere Städte unter Quarantäne gestellt und Gruppenreisen ins Ausland gestoppt hat, empfiehlt sie nun allen chinesischen Bürgern, geplante Auslandsreisen zu verschieben. Wer ins Ausland will, solle «den Zeitpunkt der Reise mit Vernunft wählen», zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die nationale Verwaltung für Ein- und Ausreisen.

Chinesen reisen am liebsten nach Thailand und Japan

Wegen des Verbots von Gruppenreisen erwartet Schweiz Tourismus, dass die Gästezahlen aus China in den kommenden Wochen und Monaten um 30 bis 50 Prozent zurückgehen, so eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Zum Vergleich: 2018 buchten chinesische Gäste (inklusive Hongkong) rund 1,5 Millionen Hotelübernachtungen hierzulande, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen. Damit sind Chinesen für rund 4 Prozent aller Logiernächte verantwortlich. Insgesamt erwirtschaftete die Schweiz laut 2018 mit Touristen aus Festlandchina, Hongkong und Taiwan einen Umsatz von 656 Millionen Franken.

Stärker als die Schweiz dürften indes Thailand und Japan betroffen sein. Die beiden Länder sind bei Chinesen die beliebtesten Reiseziele ausserhalb Chinas und wären von einem Ausbleiben der Touristen besonders betroffen. Doch in beiden Staaten ist die Angst vor einer Ausbreitung des Virus gross, nachdem sich erste Verdachtsfälle bestätigt haben.

In Japan sorgte ein Geschäft im Touristenort Hakone für Aufsehen, weil der Besitzer aus Angst vor einer Ansteckung keine Chinesen mehr in seinen Laden lassen wollte. Das japanische Fernsehen zeigt Berichte, in denen chinesische Touristen ihr Unwissen und Desinteresse zum Virus kundtun und beispielsweise keinen medizinischen Mundschutz tragen wollen.

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Von den zehn beliebtesten Ländern bei chinesischen Touristen wurde das Virus bisher einzig in Russland und Indonesien noch nicht im Menschen nachgewiesen (siehe Grafik unten).

Börsen unter Druck – Pharmawerte legen zu

Neben dem globalen Tourismus betrifft das Virus mit Wuhan und der Provinz Hubei auch ein wichtiges Produktionszentrum des Landes. Spekulationen auf eine geringere Nachfrage aus China schickten deshalb die Preise zahlreicher Rohstoffe auf Talfahrt. Gold, Franken und andere «sichere Häfen» legten dagegen zu.

An den asiatischen Börsen sackten die Kurse am Dienstag weiter ab – die Börsen in der Schweiz und Deutschland eröffneten nach dem gestrigen Minus hingegen positiv. Die Börse in New York hatte am Montag wie zuvor die Handelsplätze in Europa und Asien nachgegeben. Während Airlines und in China tätige Fast-Food-Ketten verloren, waren Pharmawerte gesucht. Auch die Schweizer SMI-Konzerne Roche und Novartis legen am Dienstag zu.

Screenshot Coronavirus 28 Januar

Eine ständig aktualisierte Übersicht über den Verlauf der Epidemie finden Sie hier.

Quelle: JHU CSSE

Apple und Facebook betroffen

Immer mehr Firmen ergreifen zudem in Eigenregie Massnahmen zum Schutz der Mitarbeiter. ABB, Schindler und andere Schweizer Firmen schränken Reisen von und nach China ein. Die Produktion scheint indes noch weniger betroffen.

Eine Aufstellung der Wirtschaftsagentur Bloomberg listet globale Konzerne wie Apple, Facebook und Disney die von der Krankheit in China betroffen sind.

  • Apple müsse sich wegen der internen Reisebeschränkungen für Mitarbeiter bei Zulieferern wie Foxcon «Sorgen» um die Produktionskette machen, so ein Experte.
  • Facebook stoppte am Montag Geschäftsreisen nach China.
  • Honda evakuiert seine japanischen Mitarbeiter aus Wuhan.
  • Auch Autohersteller PSA holt das Expat-Personal aus Wuhan.
  • Walt Disney schloss am 25. Januar das Disneyland in Shanghai bis auf Weiteres.
  • Starbucks schloss einige seiner über 4000 Filialen in China und McDonald's schloss Filialen in fünf Städten der besonders betroffenen Provinz Hubei.
  • H&M schloss 13 Läden in der Region.
  • Ikea schloss die Filiale in Wuhan.
  • Cognac-Hersteller Rémy Cointreau reduzierte den Jahresausblick wegen dem Ausbruch.
  • Die Credit Suisse schickt ihre Angestellten in Hongkong ins Home Office, wenn sie kürzlich in Festlandchina waren.
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Modell: Wie sich ein tödliches Grippevirus von China aus über die Erde ausbreitet

Bill Gates warnte unlängst vor dem, was jetzt drohen könnte: Was geschieht, wenn eine tödliche Influenza um die Welt geht? Den Ablauf finden Sie hier.

(mit Agenturmaterial)