Kaum hat der Bundesrat die Massnahmen gegen die Corona-Pandemie grösstenteils aufgehoben, breitet sich schon das nächste Virus aus: Seit Anfang Mai melden über 25 europäische Länder Fälle von Affenpocken. Auch die Schweiz bleibt nicht verschont. Seit dem ersten Fall am 21. Mai 2022 wurden hierzulande laut Bundesamt für Gesundheit BAG inzwischen 208 Infektionen (Stand 18. Juli) gemeldet.

Ab Mittwoch, 20. Juli, gilt nun eine Meldepflicht in der Schweiz. So will der Bund rechtzeitig allfällige Übertragungen erkennen und bekämpfen. Droht der Schweiz jetzt eine neue Pandemie? Könnten die Affenpocken etwa wie Corona die ganze Wirtschaft lahmlegen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Affenpocken:

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1. Was sind Affenpocken?

Bei den Affenpocken handelt es sich um eine Viruserkrankung, wie das BAG schreibt. Betroffene sind erschöpft und leiden an akuten Hautausschlägen mit Bläschen und Pusteln, die später verkrusten. Zudem schwellen die Lymphknoten an. Die Genital- und Analregion entzündet sich. Es kommt zu Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen.

Infektionen ohne Symptome sind zurzeit nicht bekannt. Dabei wird das Affenpockenvirus in zwei Varianten unterschieden: eine zentralafrikanische und eine weniger schwer verlaufende westafrikanische. Hierzulande wurde bis jetzt nur die westafrikanische Variante nachgewiesen. Bei dieser liegt die Sterblichkeit ohne intensivmedizinische Behandlung bei rund 1 Prozent der Fälle.

2. Wie gefährlich sind Affenpocken?

«Zurzeit gehen wir von einer mässigen Gefahr für die Bevölkerung aus», schreibt das BAG. Allerdings sei davon auszugehen, dass es in der Schweiz in Zukunft deutlich mehr Infektionen geben wird. Die am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe sind zurzeit Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

«Wenn der Ausbruch unkontrolliert weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Infektionen auch ausserhalb der MSM-Community auftreten», sagt Isabella Eckerle, Virologin von der Universität Genf. Obwohl die Krankheit meistens mild verläuft, gebe es doch Risikogruppen, die schwer erkranken können: «Wie etwa Kinder, Schwangere oder immungeschwächte Personen», so Eckerle. Laut BAG kann es zu bakteriellen Zweitinfektionen wie Lungenentzündung, Blutvergiftungen, Gehirnentzündung oder Hornhautentzündung der Augen kommen. 

3. Wie werden Affenpocken übertragen?

Von Mensch zu Mensch wird das Virus über engen Kontakt verbreitet. Das Virus kann über Haut und Schleimhäute sowie Bläschen und Hautverletzungen übertragen werden, wie es beim BAG heisst.

«Ob Affenpocken über die Luft übertragen werden können, ist umstritten, aber es ist sehr wahrscheinlich nicht der Hauptübertragungsweg», erklärt Eckerle. Dafür seien die Affenpocken aber sehr umweltstabil und können über die Benutzung gemeinsamer Gegenstände, etwa Bettwäsche und Kleider, übertragen werden.

4. Könnten Affenpocken wie Corona eine Pandemie auslösen?

Wohl eher nicht. «Die Ansteckung mit Affenpocken ist viel schwieriger als mit Corona. Aber wie bei Corona verlaufen die meisten Fälle unkompliziert», sagt Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts. Anders als Corona werden Affenpocken nämlich nur durch engen Kontakt mit einer infizierten Person übertragen.

Es sei eher nicht davon auszugehen, dass es zu einer flächendeckenden Ausbreitung der Affenpocken kommt, bestätigt auch Virologin Eckerle: «Dennoch muss man es ernst nehmen und sollte versuchen, die weitere Ausbreitung dieses Ausbruchs einzudämmen.»

5. Kann man an Corona und den Affenpocken gleichzeitig erkranken?

«Im Prinzip ja», sagt Jürg Utzinger. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr klein, weil es nach wie vor sehr wenige Fälle von Affenpocken in der Schweiz gibt. «Erkrankt jemand an beiden Krankheiten, ist es schwierig abzuschätzen, wie schlimm die Folgen wären», so Utzinger.

Denn Corona ist besonders für ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen schlimm. Affenpocken sind aber vor allem bei jüngeren Personen verbreitet. «Immungeschwächte Personen würden daher wohl am meisten unter einer Doppelinfektion leiden», sagt Utzinger.

6. Wie kann man sich gegen Affenpocken schützen?

Es gibt aktuell noch keinen spezifischen Impfstoff gegen Affenpocken. Die Pockenimpfstoffe der ersten und zweiten Generation verleihen laut BAG aber einen wirksamen Schutz. In Europa und den USA gibt es zudem einen Pockenimpfstoff der dritten Generation, der einen guten Schutz gegen die Affenpocken bietet.

Doch: «In der Schweiz ist weder der Pockenimpfstoff der dritten Generation noch das Therapeutikum der Wahl, Tecovirimat, zugelassen oder verfügbar», so Eckerle. Erkrankte Personen müssen sich laut BAG so rasch wie möglich isolieren. Für Kontaktpersonen ist zurzeit keine Quarantäne angeordnet.