Während die EU und Grossbritannien immer noch um ein Abkommen ringen, das die Beziehungen nach Ende der Übergangszeit am 31. Dezember regelt, einigt sich die britische Regierung mit der Schweiz über künftige Geschäftsreisen zwischen beiden Ländern. Demnach sollen Geschäftsreisende ab dem 1. Januar 2021 unbeschränkt zwischen beiden Ländern hin- und herreisen können.

Wenn Grossbritannien Ende des Jahres aus der EU austritt, endet auch die Personenfreizügigkeit. Damit wird es ein Drittland und britische Bürger bräuchten ein Visum, um in die EU und die Schweiz einzureisen. Doch zwischen der Schweiz und Grossbritannien soll das nicht notwendig sein – London und Bern haben sich entsprechend geeinigt, wie der «Telegraph» berichtet. Der Bundesrat hat am Freitag ein Abkommen über die Mobilität von Dienstleistern genehmigt. Wirtschaftsminister Guy Parmelin und die britische Handelsministerin Liz Truss werden den Deal voraussichtlich am 14. Dezember in London unterzeichnen.

Wenige neue Handelsabkommen

Die Regelung könnte ein Schritt in Richtung eines breiteren Handelsabkommens zwischen beiden Ländern sein. Die Schweiz ist viertgrösster Handelspartner des Vereinigten Königreichs, umgekehrt rangiert das Land an sechster Stelle der Schweizer Exportdestinationen. Vor allem für Grossbritannien wäre das wichtig, denn das Land tritt aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion aus, das heisst, es wird ab nächstem Jahr von seinen wichtigsten Handelspartnern abgeschnitten sein.

Bisher konnte das Vereinigte Königreich nur wenige bilaterale Abkommen mit anderen Staaten schliessen, mit der EU steht rund vier Wochen vor dem Austrittsdatum immer noch keinen Vertrag. 

Ein No-Deal-Brexit würde die britische Wirtschaft empfindlich treffen, die bereits stark unter den Folgen der Corona-Pandemie leidet. Zudem könnte die britische Finanzindustrie ab Januar von den europäischen Finanzmärkten ausgeschlossen sein. Für die Londoner City wäre das ein herber Schlag: In der EU haben die britischen Banken ihre grössten Kunden, das Geschäft umfasst umgerechnet 31 Milliarden Franken im Jahr. 

3500 Arbeitsbewilligungen für Briten

In den vergangenen Monaten haben sich die Schweiz und Grossbritannien bereits auf mehrere Abkommen geeinigt, welche das Aufenthaltsrecht von Schweizern in Grossbritannien und umgekehrt regeln, den bilateralen Handel sowie den Strassen- und Luftverkehr. Zudem hat die Schweiz bis zu 3500 Arbeitsbewilligungen für Briten genehmigt. Dieses Kontingent gilt zunächst für ein Jahr. Umgekehrt gilt für Schweizer, die in Grossbritannien arbeiten wollen, das allgemeine britische Einwanderungsgesetz, das seit diesem Jahr gilt.

Über einen Vertrag für Finanzdienstleistungen verhandeln Bern und London derzeit noch. Und ein allgemeines Abkommen, welches nicht nur Warenex- und importe, sondern auch Dienstleistungen einschliesst könnten beide Regierungen kommendes Jahr in Angriff nehmen.