Viele Technologiesprünge sind erst durch Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz möglich geworden: lernende Algorithmen, die Lieferketten organisieren, Verbraucherwünsche vorhersagen oder auch lang ersehnte medizinische Fortschritte bewirken. Das machen sich einige Startups in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, sogenannte Scale-ups, zunutze.

Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Ai Palette; es gilt als Futurist in der Lebensmittel- und Getränkebranche und wurde im Rahmen des Kickstart-Programms mit Coop zusammengebracht. Seine Tools erkennen Trends, sobald sie entstehen, und verstehen die Verbraucherbedürfnisse, die diese Trends antreiben, sowie den Reifegrad eines Trends und sagen die zukünftige Entwicklung voraus. Auf diese Weise liefern sie schnelle und relevante Erkenntnisse aus Millionen von Datenpunkten, indem sie künstliche Intelligenz einsetzen, um das Produkt zu entwickeln, das die Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen.

Doch gerade in den letzten Monaten sahen sich viele Unternehmen mit besonderen digitalen Herausforderungen konfrontiert, bei denen eine noch nie dagewesene Geschwindigkeit erforderlich war. Ein Bereich, der in den letzten 18 Monaten einen echten Aufschwung erfahren hat, ist die Gesundheitstechnologie, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung von Impfstoffen. Von grosser Bedeutung war auch die Möglichkeit der gesundheitlichen Fernüberwachung. OneDoc, gegründet von zwei EPFL- und Kickstart-Absolventen aus der Schweiz, hat einen Wendepunkt für die Telemedizin geschaffen. Mit einer speziellen Lösung konnte mehr als eine Million Bürgerinnen und Bürger in der Deutschschweiz und der Westschweiz in kürzester Zeit auf Covid- 19 getestet werden und es konnten Impftermine vereinbart werden.

Die Umgestaltung der Arbeitswelt ist eine Notwendigkeit.

Digitalen Lösungen Platz machen

Ein Grossteil der neuen Lösungen und Angebote wird auch nach der Pandemie bestehen bleiben, in vielen Fällen wird es sich um eine Hybridlösung handeln. Hier sind sich die Experten jedoch einig, dass es sich eher um eine Übergangslösung handelt und analoge Angebote mit der Zeit in den meisten Bereichen von digitalen Ansätzen verdrängt werden.

2020/21 war auch ein bahnbrechendes Jahr für Investitionen in die psychische Gesundheit. Das Startup Hello Better etwa ist ein Unternehmen, das aufgrund seiner Forschung und seines Ansatzes ein Innovator im Bereich der digitalen Gesundheit ist. Online-Kurse gegen Depression, Stress, Schlafstörungen, Suchtprobleme sind einige der Themen, die im Programm zu finden sind. In der Schweiz gibt es Pilotprojekte dazu unter anderem mit der Axa und der Stadt Zürich.

Remote Collaboration, Online-Lernen, Umschulung und so weiter waren ebenfalls auf der Gewinnerseite der digitalen Geschäftsmodelle. Swisscom Ventures investierte in Labster, einen der führenden Alumni 2018 im Kickstarts-Fokusbereich EdTech & New Work mit seinen preisgekrönten virtuellen Lernlaboren, der in der Folge mit einer Serie-C-Finanzierung in Höhe von über 60 Millionen Dollar deutlich aufgestockt wurde und die 100-Millionen-Dollar-Marke erreichte, während er im Rahmen des Programms auch eine Partnerschaft mit der Migros-Klubschule einging, um die Auswirkungen und den Mehrwert des Einsatzes von Lernsimulationen zu evaluieren.

Was als Trend für die nächsten zwanzig Jahre gedacht war, ist heute näher denn je. Die Umgestaltung der Arbeitswelt ist nicht mehr nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit, und alles beginnt mit dem Lernen. Dieses wird sich jedoch ständig weiterentwickeln müssen, wenn es nicht auch wieder veralten soll. Viele der heute genutzten Fähigkeiten werden im Jahr 2030 nicht mehr benötigt werden. Daher müssen wir uns darauf konzentrieren, wie wir ausserhalb des Klassenzimmers und der Schuleinrichtungen lernen und das Bewusstsein auf allen Ebenen schärfen können.

Noch in den Kinderschuhen

Auf dem Gebiet der Cybersicherheit hat sich überraschend viel getan. Früher eher isoliert und als Nische wahrgenommen, sind heute immer mehr Branchen von Cyberrisiken betroffen, die aber gleichzeitig auch Ideen und Lösungen liefern. Hier gibt es inzwischen eine Vielzahl von Beispielen. XM Cyber bietet eine automatisierte Simulationsplattform für Einbrüche und Angriffe, um Angriffspunkte aufzudecken, vom Einbruchsort bis zu kritischen Unternehmensressourcen. Die Mobiliar testet dieses System derzeit. Postfinance, Credit Suisse und Swisscom nutzen die Plattform Decentriq. Diese jungen Akteure bewahren die Datenanalyse zum Nutzen des Unternehmens, ohne Geschäftsgeheimnisse auf sichere Weise zu kompromittieren.

Digitale Geschäftsmodelle machen also vor keinem Bereich halt und erobern neue Felder. Dass dies bei uns immer schneller geschieht, liegt an mehreren Faktoren. Die Werkzeuge, Rahmenbedingungen und Innovationssprünge ändern sich nicht nur, sie vervielfachen sich auch. Je früher Unternehmen dies erkennen und nutzen, desto grösser ist ihre Chance, auch morgen noch dabei zu sein.

Katka Letzing, CEO und Co-Founder, Kickstart Innovation, Zürich.