Nächste Woche beginnt das neue Leben von Tattoo-Unternehmerin Giada Ilardo. Ihr neues Geschäft an der noblen Zürcher Bahnhofstrasse wird eröffnet. Ein Meilenstein für die Selfmade-Millionärin, die bereits mit 16 Jahren im Kinderzimmer in Zürich-Altstetten ihre ersten Tattoo- und Piercingentwürfe realisierte.

Der Meilenstein ist Chance und Risiko zugleich. Eine Chance, weil Ilardo an der Bahnhofstrasse auf Piercing und Schmuck fokussieren wird und damit ihr Unternehmen in ein neues Marktsegment mit einem neuen Publikum führen kann. Kürzlich sagte sie im Interview mit der «Handelszeitung»: «Das grosse Potenzial sehe ich bei uns im Schmuckbereich.» Ilardo hofft, mit dem neuen Laden den bisherigen Umsatz bereits im ersten Jahr um 25 Prozent zu steigern. Konkrete Zahlen zum Geschäft nennt die Unternehmerin allerdings keine.

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Teures Pflaster Bahnhofstrasse

Ein Risiko ist das neue Geschäft, weil sich Ilardo damit an ganz neue Immobilienlagen wagt. Die Mieten an der Bahnhofstrasse gehören trotz E-Commerce-Boom zu den höchsten weltweit. Gemäss der Immo-Beratung Cushman & Wakefield waren 2019 weltweit nur sieben Einkaufsmeilen im Schnitt noch teurer als die Bahnhofstrasse, in Europa gar nur vier.

Giada Ilardo Laden Bahnhofstrasse

Der neue Laden von Giada Ilardo an der Bahnhofstrasse: «Mehr Cartier als Zahnarzt» – so beschreibt die Unternehmerin das Design.

Quelle: ZVG

Im Geschäft, das Ilardo nun mietet, wechselten in jüngster Zeit die Mieter häufig. Zuletzt versuchte Zara Home am Standort sein Glück, zuvor die Buchhandlung Orell Füssli mit englischsprachigen Büchern.

Doch auf die Frage, was ihr die Sicherheit gebe, dass sie sich nicht übernehme mit der teuren Location, sagt Ilardo selbstbewusst: «Wir bringen eine gewisse Erfahrung und einen gewissen Umsatz mit. Das hilft sehr.»

Vermieterin des Lokals ist die BVK, die grösste Pensionskasse der Schweiz. Vermittelt wurde es durch Marc Christian Riebe, den bekannten Spezialisten für Retailflächen.

Breitling als Untermieter

Was Ilardo punkto Risiko allerdings nicht sagt, ist, dass sie für die Miete nicht alleine aufkommen muss. Denn gemäss Recherchen der «Handelszeitung» holt sie sich einen bekannten Untermieter ins Ladenlokal. Es ist die Uhrenmarke Breitling. «Wir übernehmen in Untermiete einen Teil der Fläche», bestätigt Breitling-Sprecherin Romy Hebden.

Breitling plant, den neuen Laden im ersten Quartal 2022 zu eröffnen und dann den bisherigen Standort an der Augustinergasse aufzugeben. Die Breitling-Boutique im Warenhaus Jelmoli allerdings – sie liegt keine 100 Meter vom neuen Laden entfernt – soll bestehen bleiben, erläutert Hebden weiter.

Breitling ist im Besitz von äusserst finanzstarken Investoren: Hauptaktionärin der Uhrenmarke ist die Beteiligungsgesellschaft CVC, Minderheitsaktionärin die Partners Group. Der Untermietvertrag mit Breitling mindert für Ilardo das finanzielle Risiko des Engagements an der Bahnhofstrasse also erheblich. Gleiches gilt für die BVK.

Giada Ilardo bestätigt über eine Sprecherin «eine Untervermietung im neuen Jahr», will sich aber «erst in ein paar Monaten» dazu äussern.