Der Chief Executive Officer von Goldman Sachs Group, David Solomon, erhielt letztes Jahr eine Vergütung von 23 Millionen Dollar - nur ein Drittel dessen, was sein Vorgänger 2007 bekam. Anderen Goldman-Mitarbeitern erging es nicht viel besser.

Die Vergütung pro Mitarbeiter ist bei der Wall-Street-Bank um 61 Prozent gesunken, bereinigt um das nominale Lohnwachstum in dem Zeitraum, wie aus Unternehmensberichten und Berechnungen von Bloomberg hervorgeht. Goldman verzeichnete von einem Dutzend der grössten US-amerikanischen und europäischen Banken den stärksten Einbruch bei der Vergütung, gefolgt von Credit Suisse mit 46 Prozent. Insgesamt kam die Gruppe auf einen durchschnittlichen Rückgang von 14 Prozent.

«Das Geschäft hat sich in den letzten zehn Jahren gewandelt»

Die grössten US-Banken sind rentabler als je zuvor, teilweise dank Steuersenkungen und starker Konsumausgaben, und die europäischen Kreditinstitute erholen sich. Dies hat jedoch nicht zu einer besseren Bezahlung für Händler und Investmentbanker geführt. Und für Finanzunternehmen, die den Wandel zur Automatisierung vollziehen, die auch andere Branchen verändert, könnte es bedeuten, dass die Zeit vor der Krise für immer die Höchstmarke für überdimensionale Gehälter im Bankwesen sein wird.

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Am dramatischsten waren die Lohnkürzungen bei relativ kleinen Wall-Street-Firmen, die sich auf Investmentbanking, Wertpapierhandel und Vermögensverwaltung konzentrieren und nicht über die grossen Privatkundengeschäfte der Konkurrenz verfügen. Es sind nicht nur die Boni, die seit der Krise von 2008 zurückgegangen sind, sondern die sinkende Vergütung spiegelt auch eine Verlagerung vom risikoreichen Handel zum Verbraucherbanken- und Vermögensverwaltungsgeschäft wider. Banken treiben auch mit Hochdruck die Einführung von Spitzentechnologie voran, und verändern ihre Mitarbeiterzusammensetzung dabei.

«Das Geschäft hat sich in den letzten zehn Jahren gewandelt», sagt Richard Lipstein, Geschäftsführer in der Finanzdienstleistungspraxis der Rekrutierungsfirma Gilbert Tweed International. «Händler sind am stärksten betroffen, da der Handel nicht mehr so ist wie früher. Jetzt gibt es Jobs in den Bereichen Technologie und im Privatkundengeschäft. Selbst wenn neue Mitarbeiter eingestellt werden, sind diese nicht so hochbezahlt wie Händler.»

Überzogene Löhne

Trotz Rückgang seit der Finanzkrise: Die Cheflöhne bei der UBS und Credit Suisse stehen schief in der Schweizer Banken-Landschaft. Den Kommentar von «Handelszeitung»-Chefredaktor Stefan Barmettler lesen Sie hier.

Credit Suisse verlagerte Support in kostengüstige Länder

Goldman Sachs, einst das Symbol für harten Verdrängungswettbewerb im Handel, ist in die Bereiche Verbraucherdienstleistungen, Kreditkarten und Transaktionsbankgeschäfte vorgedrungen. Credit Suisse hat sich stärker auf die Vermögensverwaltung konzentriert und Support-Funktionen an kostengünstigere Standorte wie Polen und Indien verlagert, um die Kosten zu senken.

Bei der Deutschen Bank ist die Vergütung, bereinigt um die Lohnsteigerungen in Europa, um 36 Prozent gesunken. Dies ist teilweise auf die Übernahme der Deutschen Postbank AG im Jahr 2010 zurückzuführen und die Zunahme von 20'000 Kassierern, Hypothekenbankern und anderen schlechter bezahlten Mitarbeitern. Die einst hoch bezahlten Händler und Banker der Deutschen Bank mussten in den letzten 12 Jahren ebenfalls Lohneinbussen hinnehmen. Die Vergütungsberechnungen berücksichtigen die Nominallohnzuwächse für die Region, in der sich die einzelnen Banken befinden. Sie lagen zwischen 17 Prozent und 30 Prozent.

Ein Aktienhändler, der kurz vor der Finanzkrise zur Bank kam, berichtete, dass seine Gesamtvergütung als er Ende letzten Jahres ausschied ungefähr halb so hoch war wie 2007. Der Händler bat um Anonymität, um die Beziehung zu seinem derzeitigen Arbeitgeber nicht zu beeinträchtigen.

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Investmentbanker verdienen ein Drittel weniger

Seine Erfahrung spiegelt das typische Schicksal der Sales- und Handelsmitarbeiter an der Wall Street wider, sagt Julian Bell, Geschäftsführer von Sheffield Haworth, einer auf Banken spezialisierte Personalagentur. Die durchschnittliche Vergütung für Angestellte auf der mittleren Ebene in diesem Geschäftsbereich hat sich auf 400'000 bis 800'000 US-Dollar halbiert, wie aus von Sheffield Haworth zusammengestellten Daten hervorgeht.

Das Gehalt von Investmentbankern wurde um etwa ein Drittel gesenkt, und ein Banker auf der mittleren Ebene erhielt 600'000 bis 950'000 US-Dollar, sagte Bell. Die Vergütung für Managing Director ist um rund 30 Prozent auf durchschnittlich 1,5 Millionen Dollar bis 2 Millionen Dollar gesunken.

«Der Wettbewerb um Investmentbanker ist immer noch hart, da Beratungs-Boutiquen grosse Marktanteile erobert haben und Top-Talente von den Grossbanken anwerben können», sagt Bell, der Leiter der Investmentbanking-Bereichs. «Die Universalbanken müssen also immer noch mehr für ihre Banker bezahlen, als sie möchten. Das gilt jedoch nicht für Händler, da Handelserträge und Rentabilität gesunken sind und immer noch grosse Bilanzen notwendig sind, um erfolgreich zu sein.»

Bank of America und Barclays gegen den Strom

Bei einigen der grössten Banken ist die Vergütung je Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren auch gestiegen, wobei die grössten Zuwächse bei Bank of America und Barclays zu verzeichnen sind. Barclays hat seine Präsenz im Privatkundengeschäft weltweit verringert, einschliesslich eines Rückzugs aus Afrika im Jahr 2017, wobei 40'000 schlechter bezahlte Positionen wegfielen. Darüber hinaus hat der Rückgang des britischen Pfunds um 20 Prozent gegenüber dem Dollar und verschiedenen anderen Währungen in den letzten 10 Jahren die Lohnkosten in den USA und in Asien erhöht, die mehr als ein Drittel des Personalbestands der Bank ausmachen.

Bank of America hat mehr als 1000 Filialen in den USA geschlossen und nach der Krise rund 80'000 Stellen abgebaut. Darüber hinaus wurden Backoffice-Positionen reduziert, die durch Technologie ersetzt werden könnten, und teurere Mitarbeiter mit Kundenkontakt eingestellt, was zu einer höheren Vergütung pro Mitarbeiter beiträgt. Bank of America gewährte ihren Mitarbeitern nach der Körperschaftssteuersenkung der Regierung Trump Sonderboni und erhöhte den Mindeststundenlohn.

Wells Fargo, die sich hauptsächlich auf das Privatkundengeschäft konzentriert und über einen relativ kleinen Investmentbanking-Zweig verfügt, hat nach einer Reihe von Skandalen im Zusammenhang mit dem Umgang mit den Kunden in den letzten Jahren die Belegschaft im Bereich Compliance aufgestockt. Diese Positionen sind höher vergütet als die Jobs von Schaltermitarbeitern oder anderen Filialmitarbeitern.

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«Das Privatkundengeschäft erfordert immer noch eine lokale Präsenz», sagt Jeanne Branthover, geschäftsführende Gesellschafterin bei der Personalberatung DHR International. «Die Leute gehen immer noch gerne in die Filiale, daher haben die Banken immer noch Schaltermitarbeiter und Vermögensverwalter in den Filialen, und einige Banken expandieren wieder. Die Löhne waren nie riesig für Filialmitarbeiter, aber sie sind mit den Durchschnittslöhnen gestiegen.»

(bloomberg/gku)