Seit Oktober ist das Novartis-Urgestein André Wyss an der Spitze des Bauunternehmens Implenia. Seither bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Bücher werden überprüft, die Strategie angepasst und das Personal ausgetauscht. 

Der neue Chef kehrt mit dem eisernen Besen. Jüngstes Opfer: CFO Beat Fellmann. Seit 2008 lenkte er die Finanzen des Konzerns. Nun tritt er ab, wie Implenia in der heutigen Mitteilung zum Jahresergebnis schreibt. Der Schritt folgt auf ein Annus horribilis – der Reingewinn ist mit 500'000 Franken nur ganz knapp positiv.

«Mit Beat Fellmann (...) verlässt ein Geschäftsleitungsmitglied die Gruppe, welches Implenia über lange Zeit massgeblich geprägt hat», heisst es im Communiqué. Fellmann habe Wyss «bereits vor einiger Zeit» informiert, die berufliche Laufbahn neu auszurichten und sich auf Tätigkeiten ausserhalb der Gruppe zu konzentrieren. 

Komplettumbau des Top-Managements

Fellmann scheidet per sofort aus dem Unternehmen, stünde aber noch zur Verfügung, «um eine optimale Übergabe sicherzustellen», heisst es. Ab Mai übernimmt ex-SBB-Manager Marco Dirren das Amt des obersten Kassiers bei Implenia.

Implenia im Wandel: Der Überblick

  • Mehr als 30 Jahre bei Novartis: Das ist der neue Chef bei Implenia – ein Porträt von den «Handelszeitung»-Redaktorinnen Seraina Gross und Karen Merkel. Mehr hier.
     
  • Gewinnwarnung im Dezember: Neo-CEO André Wyss macht einen Mega-Abschreiber, die Aktie rauscht in die Tiefe. Mehr hier.
     
  • Insider decken sich mit Aktien ein: Manager der Firma nutzen die Gelegenheit und kaufen Papiere zu. Mehr hier. 
     
  • «Das Margritli welkt»: Die Legende von Anton Affentranger bröckelt, schreibt «Handelszeitung»-Redaktor Bernhard Fischer. Mehr hier.

Neben Fellmann scheiden auch der HR-Chef Thomas Foery, der Deutschland-Chef Stefan Roth und der Geschäftsbereichsleiter für die Region Österreich und Rumänien, Christof Gämperle,  aus dem Unternehmen.  

Unterm Strich heisst das: Von dem Quintett, das Implenia in der Ära Affentranger zuletzt lenkte, bleibt nur eine einzige Person übrig: René Kotacka. Die neue Geschäftsleitung besteht aus André Wyss (CEO), Adrian Wyss (Leiter Division Entwicklung und Leiter Division Spezialitäten a.i.), Jens Vollmar (Leiter Division Hochbau, Länderpräsident Schweiz), René Kotacka (Leiter Division Tiefbau), Marco Dirren (CFO), Christelle Beneteau (Chief Human Resources Officer), German Grüniger (General Counsel) und Matthias Jacob (Head Country Management, Deutschland-Chef).

Neue Strategie

Wyss bricht auch mit der Strategie seines Vorgängers – was dringend nötig war angesichts der Tatsache, dass der Konzern im Dezember eine Gewinnwarnung herausgeben musste, welche die Aktie in den Keller rauschen liess. 

Der Konzern hat nun angekündigt, dass das Top-Management «ein verstärktes Augenmerk (...) auf Kernprojekte, verbesserte Projektrisiko- und Kontrollprozesse, eine engere bereichsübergreifende Zusammenarbeit und eindeutige Verantwortlichkeiten» legen möchte. Im Klartext heisst das: Unter Affentranger war es in Sachen Risikomanagement nicht zum Besten bestellt.

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Anton Affentranger: Hat den Baukonzern Implenia in die Sackgasse manövriert.

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Weitere Ankündigung: Implenia will sich auf vier strategische Prioritäten konzentrieren. Erstens wird die Gruppe ein Portfolio mit attraktiven Geschäften betreiben (Entwicklung, Hochbau, Tiefbau und Spezialitäten). «In jedem dieser Geschäfte wurden mehrere Stossrichtungen definiert, um über die Zeit Leistungen anzubieten, die sich von der Konkurrenz abheben», heisst es. 

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Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt erhöhen

Zweitens will Implenia den Fokus auf profitables Wachstum legen. «Dazu setzt Implenia ein umfassendes ‹Operational Excellence›-Programm um», so der Konzern im Communiqué.

Drittens verstärkt die Gruppe den Fokus auf Innovation durch mehrere Massnahmen und organisatorische Anpassungen, wie zum Beispiel der Schaffung eines «Innovation Hubs». 

Und viertens, so Implenia, soll die Attraktivität als Arbeitgeber erhöht werden. «Dazu hat Implenia fünf Werte – Exzellenz, Kollaboration, Agilität, Integrität und Nachhaltigkeit – neu definiert und setzt gezielt Initiativen um, wie zum Beispiel die Verstärkung des Talent-Management-Systems», heisst es im Communiqué.