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Atomabkommen
Autoneum zieht sich aus dem Iran zurück

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Präsident Hassan Ruhani in der Schweiz: Bundespräsident Alain Berset begrüsst den prominenten Besucher aus dem Iran.Quelle: Keystone

Der Winterthurer Autozulieferer hat sich in den Iran vorgewagt. Jetzt kappt Autoneum die Banden zum iranischen Partner.

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Von Marc Bürgi
am 02.07.2018

Heute und morgen weilt der iranische Präsident Hassan Ruhani in der Schweiz. Am Nachmittag ist Ruhani in Zürich von Bundespräsident Alain Berset mit militärischen Ehren empfangen worden. Der Staatschef versucht in der Schweiz, das Atomabkommen zu retten. Die USA sind aus der Vereinbarung ausgestiegen, und deswegen schrecken westliche Unternehmen nun vor Investitionen in der iranischen Republik zurück.

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Das gilt auch für Schweizer Unternehmen: Jetzt zieht sich sogar Autoneum vorerst aus dem Iran zurück, wie das Unternehmen der «Handelszeitung» bestätigt. Der Winterthurer Autozulieferer war eines der grössten Schweizer Unternehmen, welches nach Abschluss des Atomabkommens dorthin expandiert hatte. Er fand Ende des letzten Jahres einen iranischen Partner, der seine Produkte in Lizenz fertigen wollte.

Jetzt ist der Deal geplatzt – wegen der US-Sanktionen und der «deswegen ausgesetzen Kundenaktivitäten». Autoneum meint damit vor allem der Rückzug des französischen Konzerns PSA. Der Hersteller von Peugeot und Citroën hat seine Expansion in den Iran auf Eis gelegt. Und die Produkte von Autoneum wären in einer Fabrik von PSA zum Einsatz gekommen.

Der Autozulieferer ist in Winterthur zu Hause.

Keine finanziellen Folgen

Finanziell hat der Rückzug aus dem Iran für Autoneum keine Folgen. Lizengebühren aus dem Deal mit den Iranern wären erst ab 2019 geflossen. Der Autozulieferer will sogar eine Rückkehr prüfen, sollten es die politischen Rahmenbedingungen wieder erlauben. «Der Iran ist langfristig ein automobiler Wachstumsmarkt.»

Nach einem Aufblühen der iranischen Wirtschaft sieht es aber vorerst nicht aus – trotz Ruhanis Mission in Europa und obwohl die Europäische Union das Atomabkommen retten will. Westliche Unternehmen, die jetzt im Iran investieren, handeln sich potentiell Probleme mit den USA ein – dieses Risiko will kaum eine Firma eingehen. Kommt hinzu, dass Banken im Westen Vorhaben im Iran nicht finanzieren wollen. Schon vor dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen war dies der Fall – die schwierige Finanzierung war einer der wichtigsten Gründe, wieso die Wirtschaft Irans abgesehen vom Ölsektor nicht stark vom Abkommen profitierte.

Stadler hoffte auf Grossauftrag

Nach Abschluss des Abkommens 2015 hatte die Schweizer Wirtschaft grosse Hoffnungen auf den Iran gesetzt. Viele Unternehmen prüften einen Einstieg in das relativ wohlhabende Land mit einer gut ausgebildeten Bevölkerung – das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und der Exportförderer Swiss Global Entreprise führten Informationsveranstaltungen für KMU durch. Sogar ein Milliardendeal lag in der Luft: Der Thurgauer Hersteller Stadler wollte die Züge für die Metro von Teheran liefern. Mehr als eine entsprechende Absichtserklärung kam allerdings nicht zustande. Das Interesse am Iran dürfte Stadler vorerst verloren haben – und auch für die meisten anderen Schweizer Unternehmen ist das Land auf absehbare Zeit tabu.