Ein 28'000 Dollar teurer Geländewagen dürfte der erste chinesische Marktteilnehmer auf dem europäischen E-Automarkt werden, berichtet die Wirtschaftsagentur «Bloomberg». Gegenüber Konkurrenten wie VW und Tesla überzeugt in erster Linie der wettbewerbsfähige Preis.

Der in Shanghai ansässige Autohersteller Aiways hat sich die erforderlichen Genehmigungen und Zertifizierungen für eine Markteinführung in Europa gesichert und plant, den Verkauf im zweiten Quartal 2020 zu starten: Dies sagte Mitbegründer Fu Qiang in einem Interview mit «Bloomberg». Die Firma wird das Fahrzeug, genannt U5, diesen Monat zunächst in China auf den Markt bringen.

Wie reagieren Europas Konsumenten?

Wenn es dann auch in Europa soweit ist, werden Dutzende andere chinesische Elektrofahrzeughersteller mit globalen Ambitionen genau hinsehen. Denn obwohl die europäische Variante an den lokalen Geschmack und die regulatorischen Anforderungen angepasst wird, könnte es Aiways schwer fallen, Käufer in einem Markt zu gewinnen, der seit Jahrzehnten von lokalen, US-amerikanischen und japanischen Marken dominiert wird.

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«Ich glaube, wir werden die Ersten sein», sagte Fu in Shanghai. Andere «sind noch in der Vorbereitungsphase» oder noch weiter von ihren Plänen entfernt, sagte er.

Während die E-Auto-Verkäufe in China nach einer Reduktion der staatlichen Subventionen schwächeln, wird die Markteinführung in Europa umso wichtiger. In die andere Richtung funktioniert der Handel bereits hervorragend: Gerade für deutsche Autohersteller ist China inzwischen ein entscheidender Absatzmarkt geworden.

Die europäischen Kunden davon zu überzeugen, dass ein chinesisches Auto ihre Erwartungen erfüllen kann – dies ist eine der grössten Herausforderungen für Fu. Misserfolge anderer Unternehmen aus China hätten dazu geführt, dass die Konsumenten ein schlechtes Bild der Produkte seines Landes hätten, so Fu. Gleichzeitig hofft er, dass die jüngsten Erfolge der chinesischen Konsumgüter- und Handyhersteller Vertrauen aufgebaut haben.

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In Europa billiger als in China

Der Verkaufsstart des Autos in China ist für Ende November geplant. Der Inlandspreis wird 200'000 bis 300'000 Yuan betragen, also 29'000 bis 43'000 Dollar. 

In Europa wird das Unternehmen versuchen, die Konsumenten über Pop-up-Stores, Leasingangebote und verschiedene lokale Partner zu erreichen. Norwegen, die Niederlande und Deutschland sind laut Fu die wichtigsten Zielländer. Der geplante Startpreis für die einfachste Version liegt bei etwa 25'000 Euro (28'000 Dollar), was Aiways einen Vorteil verschaffen könnte. Bisher ist in Europa kein E-SUV zu einem ähnlich tiefen Preis zu haben.

Deutsche Technologie

Wenn Aiways erfolgreich ist, wird es zum Teil an der Nutzung von deutschem Know-how liegen. Von Anfang an arbeitete Fu eng mit seinem deutschen Geschäftspartner Roland Gumpert zusammen. Gumpert ist ein ehemaliger Audi-Ingenieur und Veteran der Automobilindustrie.

«Auch wenn die meisten unserer Ingenieure Chinesen sind, sagen wir, dass wir ein Unternehmen sind, das auf deutscher Technologie basiert», sagte Fu.

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(gku)