Die Zeiten waren schon besser für die Reisebranche, deutlich besser. Aber weil alle Akteure, Veranstalter wie Airlines, Hotels wie Reedereien und Touristik-Portale mittelfristig mit einer deutlichen Erholung rechnen, versiegen die Investitionen in Reise-Startups nicht. 

Gemäss dem «2021 State of Startups Report» der US-amerikanischen Touristik-Researcher Phocuswright konnten Touristik-Jungunternehmen in aller Welt seit Jahresbeginn fünf Milliarden US-Dollar Frischgeld einsammeln. An Willen und Entschlossenheit seitens der Investoren fehlt es also nicht. Und auch nicht an vielversprechenden Reise-Startups.

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Ein Querweltein der Travel-Hotties

Das Phocuswright-Schwesterunternehnmen Phocuswire hat dieser Tage seine alljährliche Liste der «Hot 25 Startups» fürs kommende Jahr veröffentlicht. Darin zeigt sich ein Querweltein der Travel-Hotties aus den verschiedensten Segmenten wie etwa Geschäftsreisen, Loyalitäts-Systeme, Nachhaltigkeit oder Hotel-Management. Garniert mit genderspezifischen Geschäftsmodellen wie etwa der frauendominierten Airbnb-Variante Femmebnb aus Toronto.

Neun der 25 genannten Touristik-Jungunternehmen stammen aus den USA. Daneben wurde der Online-Touristik-Newsdienst aber auch gehäuft in England fündig, dazu in Brasilien, Holland, Israel, Polen, Schweden, Singapur, Tschechien – und in der Schweiz. Verdikt: Switzerland, two points. 

Roompricegenie automatisiert das Hotel-Pricing

Zum einen hat es das Startup Roompricegenie aus Steinhausen ZG auf den Radar von Phocuswire geschafft. Das Jungunternehmen ist in der Schweiz mindestens Insidern länger bekannt, in der Frühphase wurde es bereits einmal von der «Handelszeitung» porträtiert, und gemäss dem Reiseportal «Travelnews» konnte das Hotel-Tech jüngst zwei Millionen Dollar Frischgeld aufnehmen. 

Roomepricegenie, domiziliert im Coworking-Space des Schweizer Ferienwohnrechte-Anbieters Hapimag, ist ein Anbieter von Software-Programmen zur Preisautomatisierung für Betriebe der Privathotellerie. Mit seinen Algorithmen hilft das B2B-Startup Hotels, seine Zimmerpreise auf jenes Preisniveau zu bringen, wo sich Angebot und Nachfrage treffen. Solches «Yielding» kann vor allem für kleinere und mittelgrosse Hotels interessant sein, die sich beim sogenannten Revenue-Management nicht auf ein gutdotiertes Back-Office in der Zentrale stützen können. 

Kido Dynamics schürft Mobilitätsdaten

Als zweites Schweizer Unternehmen schaffte es Kido Dynamics in die 25er-Liste von Phocuswire. Das Spinoff der EFPL Lausanne gewinnt unter Einbezug von Big Data und Machine Learning vertieftes Wissen über das Mobilitätsverhalten von Menschen. 

Im touristischen Bereich kann solches Know-how, das Kido Dynamics in Zusammenarbeit mit Telekom-Firmen sammelt, verschiedenen Playern helfen. Woher die Gäste eines Skigebiets stammen, wie viele Menschen aus welchen Kantonen ein grosses Fest besucht haben, wo ein Miet-Angebot für E-Bikes aufgestellt werden soll – solche Insights bringen Destinationen oder Fest-Organisatoren einen Wissensvorsprung. 

Was, ausser einem zeitlich begrenzten Ruhm, bringt den beiden Startups die Nennung in der Liste von Phocuswire? Das wichtigste ist wohl die weltweite Visibilität, die man damit bei Investoren und Kooperationspartnern gewinnt. Zwei Stakeholder, die wichtig sind für das Ziel eines jeden Touristik-Startups: Sein Ding zum Fliegen zu bringen.