Der Finanzinvestor GBL übernimmt die Mehrheit am aufstrebenden Koblenzer Fahrradhersteller Canyon Bicycles. Firmengründer Roman Arnold bleibe als Minderheitseigentümer an Bord, teilte die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) am Dienstag mit.

Er sei «ein Visionär», sagte GBL-Chef Ian Galienne. Das vor 24 Jahren aus einem Fahrradhändler hervorgegangene Unternehmen, das sich vor allem bei hochwertigen Rennrädern einen Namen gemacht hat, verkauft seine Produkte fast ausschliesslich online und kommt damit inzwischen auf einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro.

Allein in den vergangenen drei Jahren habe sich der Umsatz fast verdoppelt. Der Transaktion liege ein Firmenwert von rund 800 Millionen Euro zugrunde, sagten zwei mit dem Verkauf vertraute Personen.

belgisch - mit Verbindungen zur Schweiz

GBL ist zwar belgisch, doch zur Hälfte gehört sie der Genfer Parjointco (der ehemaligen Pargesa Holding). In Deutschland ist GBL vor allem als Grossaktionär des Sportartikelkonzerns Adidas (sieben Prozent) bekannt - in der Schweiz ist der Investor am Zementhersteller LafargeHolcim und am Warenprüfkonzern SGS beteiligt.

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Unter dem vor zwei Jahren gestorbenen Chef Albert Frère hatte sich GBL immer wieder aktiv in die Unternehmensstrategie seiner Beteiligungen eingemischt.

Inzwischen kauft der Investor nicht mehr nur Minderheitsanteile, sondern ganze Firmen. Im Ringen um Canyon hat sich GBL den Insidern zufolge unter anderem gegen die US-Investoren KKR und Carlyle durchgesetzt.

Expansion in die USA

Canyon hatte sich vor drei Jahren mit Hilfe des Investors TSG Consumer Partners auch auf den US-Markt gewagt. TSG, bisher als Minderheitsgesellschafter an Bord, nutzt die Gelegenheit zum Ausstieg. Zusammen mit GBL steigt der ehemalige Apple-Manager Tony Fadell bei Canyon ein.

(reuters/mbü)