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Mobilität
Ford und Volkswagen spannen bei Autos der Zukunft zusammen

Ford Argo

Aus der Argo-Küche: Selbstfahrendes Auto von Ford.

Quelle: Philipp Pessar | Flickr CC

Volkswagen plant mit Ford eine umfassende Kooperation bei Elektroautos und selbstfahrenden Fahrzeugen. VW steigt bei Ford-Tochter Argo AI ein.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Offenbar planen die Automobilkonzerne Volkswagen (260 Milliarden Franken Umsatz) und Ford (160 Milliarden Franken Umsatz) eine umfassende Kooperation bei Elektroautos und selbstfahrenden Fahrzeugen. Der VW-Aufsichtsrat erteilte am Donnerstag grünes Licht.

Nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Wolfsburg luden  Ford und VW zu einer gemeinsamen Presse- und Investorenkonferenz ein. Sie findet am Freitag in New York statt, wobei der Volkswagen-Chef Herbert Diess und Ford-Boss Jim Hackett über die Pläne informieren wollen.

Teilnehmen soll einem Insider zufolge auch der Chef der Ford-Tochter Argo AI für autonomes Fahren, Bryan Salesky.

Zu den finanziellen Details der Kooperation wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Es geht um rund zwei Milliarden Dollar

Einzelheiten der Pläne waren im Vorfeld bereits durchgesickert: Demnach wollen sich die beiden Auto-Schwergewichte ihre Kräfte bei der Entwicklung von Roboterautos bündeln. Dazu wollen die Wolfsburger bei der Ford-Tochter Argo AI einsteigen, die Systeme für selbstfahrende Fahrzeuge entwickelt, und die eigenen Aktivitäten der VW-Tochter Audi in den Bund einbringen.

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In Branchenkreisen wurde der Gesamtwert der Beteiligung auf mehr als zwei Milliarden Dollar geschätzt. Darin enthalten seien Investitionen in Argo von etwa einer Milliarde Dollar, sagte ein Person mit Kenntnis der Beratungen. VW selbst äusserte sich nicht dazu.

Im Gegenzug zum Einstieg bei Argo soll Ford den Elektrobaukasten (MEB) von Volkswagen gegen eine Lizenzgebühr nutzen dürfen. Ford fehlt bisher eine vergleichbare Technik. Hinzu kommt, dass die Amerikaner mit der Sanierung ihres kriselnden Europageschäfts alle Hände voll zu tun haben. Alle Autobauer müssen in den kommenden Jahren den Anteil elektrifizierter Fahrzeuge in ihren Flotten erhöhen, wollen sie in Europa Strafzahlung wegen der Nichteinhaltung von CO2-Grenzwerten vermeiden.

Der weltgrösste Autobauer aus Niedersachsen und die Nummer zwei in den USA hatten ihre globale Zusammenarbeit im Januar auf der Detroiter Automesse angekündigt. Diese erstreckte sich zunächst auf die Entwicklung von Transportern und Pick-ups, um kurzfristig Einsparungen zu erzielen. Über eine Ausweitung ihrer Zusammenarbeit auf selbstfahrende Fahrzeuge, Mobilitätsdienste und Elektroautos wurde anschliessend weiter verhandelt. Das Ergebnis präsentierte Konzernchef Diess den nun den Aufsichtsräten.

Die Grösse zählt...

Die Nutzung des Elektrobaukastens durch Ford soll Volkswagen Grössenvorteile im Einkauf und in der Entwicklung verschaffen und eröffnet den Wolfsburgern so die Möglichkeit, die Kosten für E-Autos zu senken. Denn je mehr Fahrzeuge auf der gleichen Plattform entstehen, desto günstiger können sie werden. Dieses Prinzip hat VW bereits mit dem Bauskastensystem MQB bei Verbrennern zur Perfektion vorangetrieben.

Das Erfolgsmodell wurde mit dem MEB in die E-Mobilität übertragen: Mit der Produktion von potenziell 400.000 Elektroautos in Europa habe VW im nächsten Jahr dank seiner Partnerschaft mit Ford enorme Skalenvorteile, schrieb Citi-Analyst Angus Tweedie. Das ist nicht nur wichtig, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Grössenvorteile sind auch entscheidend, wenn sich Robotertaxis einmal durchsetzen sollten.

... aber auch Geduld ist wichtig

Die Autoindustrie durchläuft derzeit einen rasanten Wandel. Vor allem in Ballungsräumen nimmt der Trend weg vom reinen Besitz hin zum Teilen von Mobilität zu. Digitale und vernetzte Mobilitätsdienstleistungen nehmen einen immer grösseren Stellenwert ein und versprechen ein Milliardengeschäft, um das sich die Autokonzerne mit Firmen aus der IT- und Internetbranche wie Uber, Lyft und Didi Chuxing streiten.

Bisher ist dieses Geschäft jedoch kaum profitabel. BMW und Daimler haben ihre Mobilitätsdienste vor kurzem zusammengelegt, um auf diesem Gebiet schneller voranzukommen. Die beiden Oberklasse-Konkurrenten haben sich auch verbündet, um die nächste Technologiegeneration des autonomen Fahrens Anfang des kommenden Jahrzehnts auf die Strasse zu bringen.

Auch Toyota und der chinesische Autokonzern Geely wollen in einem Bündnis mit dem Google-Rivalen Baidu selbstfahrende Autos ins Rollen bringen. Schärfster Rivale ist die Google-Tochter Waymo, die mit Roboterautos schon viele Testkilometer gefahren ist und neuerdings mit der General-Motors-Tochter Lyft kooperiert.

Bündnisse sind nicht nur wichtig, um die Kosten zu senken. Sie dienen auch dazu, das Risiko zu teilen, da die Begeisterung für das autonome Fahren nachgelassen hat. Die Aussichten für komplett fahrerlose Wagen wurden in Branche zuletzt skeptischer gesehen als vor einigen Monaten, da noch viele Fragen geklärt werden müssen. 

(reuters/tdr)

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