1. Home
  2. Unternehmen
  3. Indien wichtigstes Herkunfsland für illegale Pillenimporte in die Schweiz

Gesundheitsweisen
Lifestyle-Medikamente auf dem Schwarzmarkt sehr gefragt

illegaler Medikamentenimport
Postzollamt Zürich: Sichergestellte Postsendung mit Packungen von verbotenen Anabolika.Quelle: Keystone

Die Zahl der illegal importierten Arzneien in die Schweiz ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Ein Mittel – und ein Land – sticht dabei besonders hervor.

Melanie Loos
Von Melanie Loos
am 09.02.2018

Potenzmittel, Diätpillen und Schlafmittel – Tausende von Medikamenten gelangen jährlich auf illegalem Weg in die Schweiz.

Über 1000 Pakete stellte der Zoll im vergangenen Jahr sicher. Fast die Hälfte der illegalen Postsendungen kommen aus Indien, gefolgt von Singapur und Deutschland. Allerdings ist Deutschland in vielen Fällen nur Zwischenstation für asiatische Mittel. Besonders angestiegen sind 2017 Medikamentensendungen aus Osteuropa – vor allem aus Polen. Das Plus beträgt im Fall von Polen 40 Prozent.

Potenzmittel sind mit rund 60 Prozent aller illegal importierten Mittel nach wie vor absoluter Spitzenreiter. Beliebt sind auch Schlankheitsmittel und Mittel gegen Haarausfall oder Akne. Diese sogenannten Lifestyle-Medikamente in die Schweiz zu importieren, ist nicht grundsätzlich verboten.

Schlupfloch im Heilmittel-Gesetz

Sofern es sich bei den importierten Arzneien nicht um Betäubungs- und Dopingmittel handelt, ist ihre Einfuhr in kleinen Mengen entsprechend des monatlichen Bedarfs einer Person erlaubt. Das Heilmittel-Gesetz stammt aus den 1990er-Jahren – bevor es den Online-Handel überhaupt gab. Die Gesetzgeber zielten mit der Ausnahmeregelung auf Touristen ab, die während ihres Schweiz-Aufenthaltes ihre eigenen Medikamente einführen dürfen sollten. 

Werden diese Mengen überschritten, ist die Einfuhr verboten. Entsprechende Pakete werden am Zoll zurückgehalten. Die Sendungen werden dann von Swissmedic überprüft. Unter den beschlagnahmten Mitteln waren 2017 viele verschreibungspflichtige Medikamente wie Antibiotika oder starke Schmerzmittel.

Anscheinend harmlose Heilmittel

Gesundheitlich sei es äusserst bedenklich, wenn solche Produkte unkontrolliert eingenommen werden. So wurde im vergangenen Jahr beispielsweise das harmlos scheinende Melanotan aus Grossbritannien und Polen eingeführt. Es soll angeblich die Haut bräunen, hat jedoch grippale Nebenwirkungen und kann das Immun- und Herzkreislaufsystem schädigen.

Ein weiteres Beispiel ist gefälschtes Reductil aus der Tschechischen Republik. Das Schlankheitsmittel wurde bereits vor acht Jahren weltweit vom Markt genommen. Die meisten Mittel haben zudem schwere Qualitätsmängel, werden ohne Verpackung oder Packungsbeilage geliefert oder sind gefälscht.

Wo illegal importierte Medikamente verkauft werden

Swissmedic warnt Konsumenten insbesondere vor Internetshops, die verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept verkaufen. Beworben werden diese häufig als «Originalpräparate zu günstigen Preisen». Hinter diesen Anbietern stecken meist kriminelle Organisationen.

Die Behörde warnt davor, nicht zugelassene Medikamente zu kaufen und anzuwenden. «Die Botschaft ist einfach: Wer seine Arzneimittel aus einer unkontrollierten Quelle bezieht, riskiert seine Gesundheit», sagt Swissmedic-Sprecher Lukas Yaggi. Die Behörde will den illegalen Internethandel mit Medikamenten vor allem durch die Sensibilisierung der Konsumenten bekämpfen.

Internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der illegalen Importe

Wird ein Verstoss festgestellt, kann Swissmedic aktiv werden, sofern der Server einer Website in der Schweiz steht oder wenn sich die verantwortlichen Personen in der Schweiz befinden. Bei ausländischen Anbietern hingegen sieht es schlecht aus, dann bleibt nur die Möglichkeit, die ausländischen Behörden einzuschalten. «Der Handel mit Medikamentenfälschungen ist längst ein globales Geschäft, die verstärkte internationale Zusammenarbeit aller Beteiligten deshalb unabdingbar», so Yaggi.

Die rund 1000 Pakete, die vom Schweizer Zoll pro Jahr konfisziert werden, sind allerdings nur ein Bruchteil der illegal importierten Medikamente. Das tatsächliche Ausmass des Problems kann nur geschätzt werden: Ungefähr 40'000 Arzneimittelsendungen könnten jährlich auf dem Postweg in die Schweiz gelangen – etwa die Hälfte davon ist illegal.

Anzeige