Drei von vier Restaurants in der Schweiz sind wieder offen. Ihre Umsätze nach dem Lockdown sind aber im Keller und liegen durchschnittlich 60 Prozent unter den Vorjahreswerten. Zwei von fünf Betrieben wissen nicht, ob sie im Juni noch offen bleiben können oder wollen.

Diese Befunde ergab eine Online-Umfrage des Branchenverbandes Gastrosuisse bei insgesamt 3172 Mitgliedern, wie er am Sonntag mitteilte. Der Verband spricht von erstmaligen verlässlichen Zahlen zur Wiedereröffnung unter den strengen Covid-19-Schutzauflagen.

Gemäss der Umfrage haben drei von vier befragten Betrieben ihr Lokal unter Auflagen wieder geöffnet, 12 Prozent hatten bereits vor dem 11. Mai offen, 9,1 Prozent planen die Wiedereröffnung später und 3,7 Prozent wollen erst öffnen, wenn wieder der Normalbetrieb möglich ist. Beinahe die Hälfte der Beherbergungsbetriebe ohne Restaurationsangebot ist noch geschlossen.

Laut der Umfrage gehen fast 9 von 10 Betrieben davon aus, dass sie einen Verlust erwirtschaften. Wie sich Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer in der Mitteilung zitieren lässt, liegen die Umsätze durchschnittlich 60 Prozent hinter den Vorjahreswerten.

Weniger Verluste in ländlicher Deutschschweiz

Den besten Umsatz generierten gemäss Umfrage bei den Restaurationsbetrieben ohne Beherbergung jene in den ländlich geprägten Deutschschweizer Kantonen. Schlechter lief es in stadtgeprägten Kantonen sowie in der lateinischen Schweiz. Die Hälfte der geöffneten Betriebe gab an, ihr Minderumsatz sei ausschliesslich den Corona-Auflagen geschuldet.

Die geltenden Auflagen seien derart einschränkend, dass rund 40 Prozent der befragten Betriebe nicht sicher seien, ob sie unter diesen Bedingungen offen bleiben könnten, so Platzer in der Mitteilung. «Ohne weitere Lockerungen müssen viele Lokale bereits im Juni wieder schliessen, weil die Öffnung sehr unrentabel ist».

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Vor allem in der Romandie droht gemäss den Ergebnissen der Umfrage im Juni eine zweite Schliessungswelle. Schweizweit immerhin 60 Prozent sind sich aber sicher, dass sie auch im Juni weiterhin offen halten wollen.

Erlebnis ermöglichen, Perspektiven geben

Wenn die Betriebe angesichts der garstigen Umstände trotzdem geöffnet haben, dann in erster Linie aus nicht-wirtschaftlichen Gründen. 56 Prozent der Befragten gaben an, sie möchten der Bevölkerung wieder das Gastronomieerlebnis ermöglichen und den Mitarbeitenden eine Perspektive geben. Knapp jeder dritte Betrieb hat aufgemacht, um keine Marktanteile zu verlieren oder weniger Verlust einzufahren.

Jene, die ihre Betriebe noch geschlossen halten, tun dies, weil sie einen wirtschaftlichen Betrieb als unmöglich erachten. Für etwa jeden zehnten gibt die fehlende Nachfrage den Ausschlag für das Zuwarten.

Grössere Gruppen, kleinere Abstände

Laut ist gemäss Umfrage insbesondere der Ruf an die Bundesbehörden nach geringeren Tischabständen und einer höheren Maximalzahl für Gästegruppen. Derzeit sind maximal 4 Personen pro Tisch erlaubt. Auch müsse das Verbot fallen, wonach sich Gästegruppen nicht vermischen dürfen. 35 bis 65 Prozent der Sitzplatzkapazitäten seien durch diese Schutzmassnahmen verloren gegangen, so Platzer.

Die Betriebe bewirteten in der ersten Woche nach dem Lockdown durchschnittlich knapp 38 Prozent der üblichen Gästezahl. Bei den allermeisten Betrieben fehlen zwischen 20 und 50 Prozent der Sitzplätze, die für einen rentablen Betrieb notwendig wären. 37 Prozent der Befragen haben bereits eine Bewilligung erhalten für die Erweiterung des Aussenbereichs.

Trotz den Mehrkosten, die das Schutzkonzept verursacht, haben die meisten Restaurationsbetriebe (87 Prozent) ihre Preise nicht angepasst und tragen die Mehrkosten damit selber.

Kaum willentliche Verstösse

Schliesslich ergab die Umfrage von Gastrosuisse auch, dass die Betriebe sich grossmehrheitlich an das Schutzkonzept halten. Willentliche Verstösse gebe es praktisch keine, heisst es in der Mitteilung. Jeder vierte Betrieb wurde in der ersten Woche bereits kontrolliert. Lediglich in zwei Fällen gab es eine Busse oder Anzeige.

Die Online-Befragung bei den Mitgliedern von Gastrosuisse wurde vom 19. bis 21. Mai durchgeführt. Sie betraf die Bezugsperiode vom 11. bis 18. Mai. Es antworteten 3172 Betriebe.

(sda/mlo)