Mit dem zweiten Umbau seit seinem Amtsantritt 2013 will ABB-Chef Ulrich Spiesshofer dem Elektrotechnikkonzern neuen Schub geben. Die vergangenen Jahre waren durchwachsen.

Jetzt will der frühere Unternehmensberater Spiesshofer die Kosten senken und noch stärker auf Zukunftstechnologien setzen - etwa das Geschäft mit Robotern, die in vielen Industriefirmen unabdingbar geworden sind. «Die neue ABB wird stärkeres Wachstum, bessere Margen und geringere Risiken haben», sagte Spiesshofer am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Der gegenwärtig gut 400 Milliarden Dollar schwere Markt für Elektrifizierungsprodukte, Antriebe, Industrieautomation und Roboter dürfte ABB-Schätzungen zufolge jährlich um 3,5 bis vier Prozent wachsen und 2025 rund 550 Milliarden Dollar erreichen. Mit sechs Prozent wird für Roboter das stärkste Wachstum erwartet.

Davon will ABB profitieren: Schon heute gelten die Schweizer weltweit als die Nummer zwei hinter Fanuc aus Japan. Allerdings hatten Fanuc oder auch der deutsche Rivale Kuka, aufgekauft von Chinesen, ihre Prognosen zuletzt zurückgeschraubt. Bei ABB sah es besser aus. Der Konzern erklärte das gute Abschneiden des eigenen Robotergeschäfts damit, dass man etwa in attraktiven Bereichen der Autoproduktion wie der Batterienfertigung tätig sei. Zudem sei ABB im größten Robotermarkt, China, der führende Anbieter. «Dort nehmen wir Wettbewerbern Marktanteile ab», sagte Spiesshofer.

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Der Chefredaktor nimmt Stellung

Ein Juwel, das niemanden freut: Lesen Sie hier der Kommentar von Handelszeitung-Chefredaktor Stefan Barmettler zum Umbau bei ABB Schweiz.

Schlanker und ohne Bremsklotz

Im abgelaufenen Jahr kletterte der Umsatz des Siemens-Rivalen um vier Prozent auf 27,7 Milliarden Dollar. Damit erreichte der Konzern erstmals seit 2013 das eigene Ziel eines Anstiegs von drei bis sechs Prozent. «Der Fokus auf Wachstumsmärkte wie China oder Nahrungsmittel und Getränke zahlt sich aus», erklärte Spiesshofer.

Der Gewinn hielt mit dem Umsatzwachstum allerdings nicht Schritt. Unter dem Strich verdiente ABB 2,17 Milliarden Dollar, zwei Prozent weniger als vor Jahresfrist. Vor allem Sonderkosten in Zusammenhang mit Zukäufen und Verkäufen belasteten das Ergebnis.

Spiesshofer will sich davon nicht entmutigen lassen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Ziele nun erreichen, ist höher», sagte er. Ein Grund: Der im Dezember angekündigte 9,1 Milliarden Dollar schwere Verkauf der Stromnetzsparte, die die niedrigste Rentabilität aller ABB-Geschäfts aufweist. Vollzogen werden soll der Verkauf an die japanische Hitachi bis zum Sommer 2020. Unter anderem mit der Abschaffung der bisherigen, komplizierten Organisationsstruktur will ABB zudem 500 Milllionen Dollar sparen.

Spiesshofer deutete an, dass mit den neuen Zielen das Potenzial von ABB noch nicht ausgereizt sein könnte. «Ich ziehe es vor, die bestehenden Ziele zu erreichen und dann über eine Anpassung der Ziele zu reden.»

Trotz der Eintrübung der Weltwirtschaft äusserte sich ABB verhalten optimistisch zum Marktumfeld. Die konjunkturellen Signale für Europa seien gemischt und tendierten in den USA aufwärts. Für China werde weiterhin Wachstum erwartet. Der Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung würden das Unternehmensergebnis indes weiterhin beeinflussen. Beim Rivalen Siemens hatten die Brexit-Debatte, der Handelskonflikt zwischen China und den USA und die «innenpolitische Volatilität» in den USA das operative Ergebnis zuletzt abbröckeln lassen.

(reuters/tdr)