Fast alles steht still: Restaurants waren oder sind in vielen Ländern noch geschlossen, die Schulen waren dicht, Home Office angesagt und auch der Reise- und Geschäftsreiseverkehr war wegen Corona auf Null abgesackt. Dieses Umfeld ist hart für Autovermieter. Denn es gab lange Zeit kaum mehr Menschen, sich frei bewegen konnten und damit auch kein Auto brauchten.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent).

Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. In diesem Beitrag besprochene Aktien können zum Anlageuniversum zählen.

Die Aktien des Sektors waren deshalb im März im freien Fall. Einer der grössten Anbieter des Sektors, Sixt aus München, hatte vom Zwölfmonatshoch Mitte Februar in nur vier Wochen mehr als 50 Prozent an Wert verloren.

Jetzt allerdings geht es mit der Aktie von Sixt steil nach oben. Alleine in den letzten zehn Tagen gibt es ein Plus von 25 Prozent. Nicht nur die nun bereits laufenden Lockerungen in vielen Ländern geben dem Titel Auftrieb, sondern in den letzten Tagen vor allem eine Nachricht aus den USA.

Der grösste Konkurrent – Hertz – ist in die Insolvenz gerutscht. Der Autovermieter aus Florida hatte in den letzten Jahren reichlich Firmen des Sektors aufgekauft und dadurch einen enormen Schuldenberg aufgebaut und vor sich her geschoben. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens lag Ende 2018 nur noch im Bereich um fünf Prozent.

Sixt – Ausbau des Marktanteils wegen der Hertz-Insolvenz

Durch Corona sind nun aber die Einnahmen von Hertz weggebrochen und eine wichtige Verhandlungsrunde mit den Gläubigern brachte keine Umschuldung. 30 Firmen von Hertz sind nun unter Gläubigerschutz. In diesem Verfahren wird Hertz nun saniert und damit verbunden ist ziemlich sicher auch die Schliessung vieler Hertz-Vermietstationen.

Sixt dürfte profitieren und seinen Marktanteil deutlich ausbauen. Anders als Hertz ist der Münchner Mobilitätskonzern nämlich solide finanziert. Die Eigenkapitalquote liegt im Bereich von 25 Prozent und der Buchwert bei über 30 Euro je Aktie. Obendrein erhält Sixt aus dem im Februar angekündigten Verkauf seines Anteils an Sixt-Leasing rund 160 Millionen Euro und hat damit extra-Geld für die Expansion.

Schon in den letzten fünf Jahren konnten die Münchner aufgrund ihrer rasanten internationalen Expansion mit dem fortlaufenden Ausbau des Netzwerks an eigenen Vermietstationen weltweit stark wachsen. Zwischen 2015 und 2019 stieg der Umsatz des Vermietexperten um rund 50 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Der Gewinn hatte sich dabei sogar verdoppelt.

Die alten Hochs sind bald wieder zu erwarten

Im ersten Quartal gab es zwar auch bei Sixt Bremsspuren durch Corona – der Umsatz fiel um 3,4 Prozent und aus einem Vorjahresgewinn von 37,6 Millionen Euro im fortgeführten Geschäft wurde nun ein Verlust von 3,4 Millionen Euro. Das zweite Halbjahr dürfte sogar noch deutlich schlechter ausfallen.

Aber jetzt wird gelockert und im zweiten Halbjahr ist bei Sixt langsam aber sicher wieder eine Rückkehr zu alter Stärke zu erwarten. Die Hertz-Insolvenz bringt nun sogar noch extra Rückenwind. Bei der Aktie sind die Hochs vom Februar um 65 Euro schon bald wieder drin.

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