Laut einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts München steht die Genfer Privatbank Cramer & Cie SA im Verdacht, deutschen Unternehmern dabei geholfen zu haben, Steuern zu hinterziehen, wie das «Handelsblatt» am Donnerstag berichtete. Dabei geht es um komplizierte Indexzertifikate, mit denen die Kunden vermeintliche Verluste erlitten, die sie von den Steuern absetzen konnten.

Die Bank Cramer wollte sich gegenüber dem «Handelsblatt» nicht zu den Vorwürfen äussern. Die Zeitung beschreibt den bisher weitgehend unbekannten Steuertrick ausführlich, mit dem die Bank oder Mitarbeiter der Bank ihren Kunden die Steuernlast drückten.

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Vermeintliche Verluste mit Zertifikaten

So funktioniert der Trick: Zwei extra dafür gegründete Firmen kaufen gegenläufige Zertifikate, bei denen eines auf steigende und eines auf sinkende Kurse setzt. Diese Produkte, die für Privatkunden aufgelegt wurden, sind so strukturiert, dass von Beginn an klar ist, dass sie sich gegenseitig neutralisieren.

Die Firma mit dem Verlustzertifikat kann anschliessend mit der Firma des Kunden verschmolzen werden. Der Steuereffekt ergibt sich aus dem Minus durch die Verlustzertifikate, die für die Steuerbehörden mit den Gewinnen der Firmen verrechnet werden können.

  • Eine Grafik zur Veranschaulichung finden Sie beim «Handelsblatt» hier.

Aus Sicht der deutschen Strafverfolger handelt es sich dabei um ein illegales Steuerhinterziehungsmodell. Der Firma Co-Invest aus Planegg bei München wird vorgeworfen, das Modell erdacht und vertrieben zu haben. Die Zertifikate waren indexbasierte Wertpapiere der Bank Cramer.

Skandale in Brasilien

Die Genfer Bank war im letzten Jahr auch ins Visier der Schweizer Bundesanwaltschaft geraten, weil sie in die Korruptionsskandale der brasilianischen Unternehmen Petrobras und Odebrecht verwickelt war. Beim Verfahren geht es um den Verdacht auf «Mängel in der internen Organisation». 

(gku)