Nick Hayek, CEO der Swatch Group, äussert sich erstmals über seine Nachfolge. Der 65-Jährige sagt über seinen Neffen Marc Hayek, derzeit Konzernleitungsmitglied bei der Swatch Group: «Marc macht einen super Job. Er hat sicher, ohne Zweifel, das Potenzial, die Swatch Group erfolgreich zu führen.» Eine Verpflichtung dazu gebe es aber nicht: «Vielleicht möchte er etwas ganz anderes machen. Er soll sich nicht gezwungen fühlen.»

Seit 1992 arbeitet Hayek bei der Swatch Group, seit 2003 ist er CEO. Er hat viele Krisen überstanden: Das Platzen der Dotcom-Blase nach der Jahrtausendwende, 9/11, die Finanzkrise, SARS, den Frankenschock. Und nun Corona: «Das hier ist absolut die grösste Krise», sagt der 65-Jährige.

«Wir entlassen keine Leute wegen einer kurzfristigen Krise»

Eigentlich befindet er sich in einer komfortablen Lage: Die Swatch Group hat keine Schulden, dafür mit über einer Milliarde Franken in der Bilanz sehr viel Cash. Entsprechend kann sie langfristig handeln. Dennoch reagiert Hayek radikaler auf die Krise alle Konkurrenten: Auf einen Schlag hat er ein Drittel der Markenchefs ausgetauscht, langjährige Gefährten wurden durch eine jüngere Generation ersetzt. Denn nach der Krise greift Hayek an: «Das zweite Halbjahr bietet uns grosse Chancen, Marktanteile zu gewinnen, weil viele andere Firmen opportunistisch einfach nur  sparen», begründet Hayek den Zeitpunkt der Verjüngungskur: «Dafür brauchen wir die volle Energie der Markenchefs.»

Auch sonst reagiert Hayek entschieden: Für 70 Prozent der Produktionseinheiten und die Schweizer Shops meldete er Kurzarbeit an – 12000 Mitarbeiter waren oder sind betroffen. Die Lohneinbussen gleicht die Swatch Group bis dahin voll aus, Mitarbeiter werden wegen des Shutdowns nicht auf die Strasse gestellt: «Wir entlassen keine Leute wegen einer kurzfristigen Krise wie dieser», sagt Hayek.

Jetzt erst recht!

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Unausgelastete Uhrmacher werden mit Qualitätskontrollen beschäftigt und mit Kundendienst, die Ingenieure führen Revisionsarbeiten an den Maschinen und den Produktionslinien durch. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten an ihren langfristigen Projekten weiter. Hayek streicht auch keine Marketingbudgets dort, wo die Läden offen sind. Aber er verschiebt nicht dringliche Investitionen und die Lancierung von Neuheiten.

In der Finanzkrise hatte er ähnlich reagiert – und dann Marktanteile gewonnen. Berufsoptimist Hayek sagt: «Es gibt keinen Grund, das nicht wieder zu erwarten, weil wir unsere Strategie aufgrund von solchen Ereignissen nicht über den Haufen werfen.»

Swatch-Aktien für 167 Millionen gekauft

Wie die Börse reagiert, ist ihm dabei traditionsgemäss völlig egal: Letztes Jahr hat der Aktienkurs der Swatch Group ein Drittel seines Wertes verloren, dieses Jahr schon wieder ein Drittel. Hayek nutzt das für Zukäufe: Im März erwarb seine Familie Aktien der Swatch Group für 167 Millionen Franken. «Eine bessere Investition gibts doch nicht!», sagt Hayek.

Die Mehrheit will er nicht, weil er dann den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müsste, und das ginge nicht ohne sich zu verschulden. Vielmehr ist der Kauf für ihn ein Signal: «Wenn die grössten Aktionäre des Unternehmens noch viel mehr Geld in die Firma stecken, heisst das, dass sie hundert prozentiges Vertrauen haben ins Unternehmen und seine Strategie.»

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