Dreieinhalb Jahre lang winkte er ab, um dann doch umzuschwenken: ABB-Chef Ulrich Spiesshofer verkauft die Stromnetzsparte. Damit erfüllt er die Forderung von Grossaktionär Cevian. Seit Sommer 2015 drängte der schwedische Investor den CEO zur Aufspaltung des Konzerns. Spiesshofer wollte dem Druck aber nicht nachgeben – und vollzog dann doch den Meinungsumschwung. Hier einige Stationen des jahrelangen Abwehrkampfs:

Sommer 2015
Cevian steigt bei ABB ein. Es ist der Beginn der Dauerkritik an der ABB-Leitung. Der schwedische Investmentfonds fordert Taten von Ulrich Spiesshofer: Der Aktienkurs von ABB ist dem neuen Grossaktionär zu tief. Innert eines Jahres solle der Chef die Weichen im Konzern neu stellen. «Die Hausaufgaben müssen gemacht werden», sagt Cevian-Chef Lars Förberg der «Finanz und Wirtschaft». Bald verbreiten die Schweden über die Medien ihr wichtigste Forderung: Sie weibeln für den Verkauf des Stromnetzgeschäfts.

September 2015
Die ABB-Führung stellt das Geschäft mit Stromnetzen offiziell auf den Prüfstand. Spiesshofer will sich aber Zeit lassen. «Wir sehen (..) überhaupt keine Nervosität im Bereich Stromnetze», sagt der ABB-Chef der «Bilanz».

Januar 2016
Die Aktivitäten im Stromnetzgeschäft werden in der Sparte «Power Grids» zusammengefasst – sie umschliesst rund ein Drittel des Konzernumsatzes.

Anzeige

Oktober 2016
Am Investorentag stellt sich Spiesshofer hinter die Stromnetzsparte. «Wir können das Existierende fortsetzen, wir können die enormem Chancen der Digitalisierung auch in den Stromnetzsparten mit voller Kraft vorantreiben», sagt Spiesshofer. Er sieht viele Synergien zwischen «Power Grids» und den anderen drei Konzernsparten. «Das Beste ist, wenn wir diese Sparte behalten und selber weiterentwickeln.» Spiesshofer will sie fit trimmen – und verspricht ein «Feuerwerk an Taten». Als Einstimmung darauf präsentiert der CEO zwei neue Partner für das Netzgeschäft, einer davon ist der norwegische Offshore-Windkraftwerksbauer Aibel.

Februar 2017
Spiesshofer sieht sich durch die Geschäftszahlen in seinem Entscheid bestätigt. Die Sparte «Power Grids» hat den Umsatz deutlich gesteigert und viel mehr Aufträge eingesammelt. «Dank der starken Performance der Division Stromnetze sind wir im vierten Quartal trotz des schwierigen Marktumfelds gewachsen», schreibt er auf Twittter.

Frühling 2017
Cevian-Chef Lars Förberg wird Verwaltungsrat bei ABB. Damit kann der unbequeme Grossinvestor neu auch im Aufsichtsgremium mitreden.

Sommer 2018
Spiesshofer spricht in neuen Worten über die Netzwerksparte: «Nichts ist in Stein gemeisselt», sagte er zur Frage, ob der Verkauf wieder zur Diskussion stehe. Analysten spekulieren über eine Kehrtwende Spiesshofers – die Trennung von «Power Grids» scheint sich anzubahnen.

Anzeige

Oktober 2018
Die Gerüchte verdichten sich, wonach die Konzernleitung sich von der grössten Sparte trennen will. «Das Management und die Berater sind jetzt dabei zu prüfen, wie Power Grids am besten aus dem Konzern herausgelöst werden kann», zitierte die Agentur Reuters eine gut informierte Person.

12. Dezember 2018
Ein Deal nimmt Gestalt an: Hitachi und ABB führten Verkaufsgespräche, melden japanische Medien.

17. Dezember 2018
Der Deal ist in trockenen Tüchern. Spiesshofer ruft eine neue ABB aus: Der Konzern werde durch den Verkauf ein auf digitale Industrie fokussierter Leader. In den letzten vier Jahren sei «Power Grids» transformiert worden. Diese Wertsteigerung mache sich ABB nun zunutze. «Unsere Aktionäre werden durch die Einnahmen dieser Devestion direkt davon profitieren.»

(mbü)

Anzeige

ABB verkauft Stromnetzsparte: Industriegigant im Wandel

Für einen Milliardenbetrag verkauft ABB die Stromnetzsparte an Hitachi. Die Hintergründe des Riesen-Deals und seine Bedeutung.

Alle Texte hier