Fleisch oder Fleischersatz: Woran arbeiten Sie?
Didier Toubia: Wir produzieren keinen Fleischersatz, wir bauen echtes Fleisch an. Kultiviertes Fleisch wird mit konventioneller Fleischproduktion koexistieren.

Wie funktioniert die neue Fleischproduktion?
Wir stellen Fleisch in der Tradition der Hydrokultur her. So wie Salat aus Hydrokultur den gleichen Samen hat wie Salat aus konventioneller Kultur. Bei kultiviertem Fleisch beginnen wir mit den Originalzellen, die wir dem Tier entnehmen. Dann bringen wir das Muskelgewebe durch Zellvermehrung ausserhalb des Tieres zum Wachstum.

Also braucht es noch das Tier fürs Steak?
Ausgangs- und Endpunkt sind gleich: vom tierischen Gewebe bis zum Steak auf dem Teller. Aber dazwischen haben wir die Möglichkeit, das Gewebe kontrolliert und ohne ressourcenintensive Tierzucht zu kultivieren. Mit weniger Wasser und weniger Nährstoffen.

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Vegetarier und Veganer werden dennoch kaum jubeln.
Es gibt jene, die sagen, man soll kein Fleisch essen und es durch Pflanzenprodukte ersetzen. Wir produzieren echtes Fleisch und wollen die Produktion verbessern.

Was ist der Vorteil?
Mehr Nachhaltigkeit, weniger Antibiotika und ein besserer Tierschutz. Und im Produktionsprozess suchen Landwirte und Industrie nach Lösungen, um das Risiko der Übertragung von Krankheiten zu reduzieren.

In der Schweiz kooperieren Sie mit Migros. Wie kams?
Wir haben uns vor anderthalb Jahren zum ersten Mal getroffen. Es war ein längerer Prozess. Die Migros verfügt über Erfahrung in der Fleischproduktion und -distribution. Obwohl die Schweiz nicht zu den grössten Märkten gehört, ist sie für uns sehr interessant.

Inwiefern?
Es ist ein sehr anspruchsvoller Markt. Das Land hat mit seinen drei Bevölkerungs- und Sprachgruppen unterschiedliche Kulturen und Trends. Ein guter Anfang für uns, um unser Produkt künftig erfolgreich zu vermarkten.

Toubia Gründer und CEO von Aleph Farms

Didier Toubia, Gründer und CEO von Aleph Farms.

Quelle: Toubia Gründer und CEO von Aleph Farms

Die Migros kaufte sich bei Aleph Farms ein. Mit wie viel?
Eine Minderheit von deutlich weniger als 25 Prozent.

Mit Coop sprechen Sie auch?
Nein. In anderen Ländern sprechen wir aber auch mit anderen Anbietern.

Wird das Fleisch bald im Supermarkt sein? Wann werden unsere Viehbauern arbeitslos?
Es wird zwei Jahre dauern, bis wir das erste Produkt lancieren. Und zwei weitere Jahre, um es massentauglich zu machen. Landwirte müssen sich keine Sorgen machen, dass sie in naher Zukunft nicht mehr gebraucht werden.

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Wie viel Geld und Forschung sind nötig, um das Niveau einer relevanten industriellen Produktion zu erreichen?
Die Entwicklungsanforderungen, um ein kultiviertes Fleischprodukt auf den Markt zu bringen, sind sehr hoch. Wir müssen das so gestalten, dass es skalierbar ist und nicht zu teuer. Der Aufbau globaler Kapazitäten für den Fleischanbau wird erhebliche Investitionen erfordern. Um den finanziellen Bedarf dafür zu minimieren, arbeiten wir mit Partnern wie der Migros zusammen

Wer gewinnt das Rennen ums Laborfleisch?
Derzeit arbeiten 25 Unternehmen weltweit an der Kultivierung verschiedener tierischer Gewebe. Drei von ihnen konzentrieren sich auf Rindfleisch. Wir kümmern uns um die besten Teile des Tieres, also um die Steaks und nicht ums Hackfleisch. Hier sind wir weltweit das einzige Unternehmen.