Kein Tag vergeht ohne Neuigkeiten oder Meinungen zum Brexit oder dem andauernden Handelskrieg zwischen den USA und China. Tatsächlich scheint sich zumindest im Handelskrieg eine Art Waffenruhe zu etablieren, denn die USA steht kurz davor, einen «Deal» mit China zu unterzeichnen.

Obwohl diese Übereinkunft jegliche Substanz missen lässt, so gilt doch zumindest die Verschiebung respektive die mögliche Aussetzung von neuen Zöllen als Gewinn für die Weltwirtschaft. Selbst beim Brexit zeigt sich Licht am Ende des Tunnels, auch wenn eine erneute Verschiebung unabdingbar ist. Zusammen mit der Unterstützung der Zentralbanken verhilft dies den Aktienmärkten zurück zu den alten Höchstständen.

Im Gegenzug dazu sind Bondmärkte weniger optimistisch. Viel wurde über die Zinskurve diskutiert und geschrieben, deren Inversion als Anzeichen einer bevorstehenden Krise gedeutet. Sie bleibt jedoch weitaus nicht der einzige Faktor der Anlass zum Nachdenken gibt.

Die Unternehmensgewinne und deren Aussichten zeigen eher abwärts. Während Europa und teilweise auch Asien schon seit längeren mit Negativschlagzeilen hinsichtlich Gewinnerwartungen aufhorchen lassen, schliesst sich die USA als letzte Bastion jetzt dieser Entwicklung an. Glaubt man den diversen Einkaufsmanager-Prognosen, wird sich dies zumindest für die kommenden Monate kaum ändern.

Alles nur eine mittelfristige Verschnaufpause?

Nächstes Jahr sind US-Wahlen und Donald Trump wird sich seine mögliche Wiederwahl mit etwelchen Handelsdisputen nicht verscherzen. Sinkende Zinsen werden stützen und Unternehmen werden wieder investieren. So ungefähr posaunen es die Aktienspatzen von den Zäunen!

Tatsächlich konnte man diverse solcher Schwächephasen in der Vergangenheit beobachten, welche zu guter Letzt Kaufgelegenheiten boten. Kern war mitunter ein robuster Markt für Unternehmensanleihen in den USA, getragen von Investoren, die Ihr Geld wohlwollend risikobehafteten Unternehmen zur Verfügung stellen. Mit Ausnahme von Anfang 2016 waren die letzten knapp zehn Jahre geprägt von eben einem stabilen Markt für solche Anleihen. Dies trotz vermehrt fragwürdiger Qualität und steigenden Risiken.

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Seit geraumer Zeit jedoch häufen sich Negativmeldungen aus dem Anleihensektor. Der Markt für verbriefte Bankkredite an Unternehmen zeigt Risse. Neuemissionen und Neuverbriefungen werden zurückgestellt. Mangelnde Qualität wird plötzlich hinterfragt. Investoren verlangen mehr Sicherheit oder bessere Entschädigung in Form eines höheren Coupons. Toxisch, wenn gleichzeitig das Gewinnwachstum solcher Unternehmen schwindet.

Anleihen vs. Aktien – wer hat Recht?

Während sich die Probleme im Sektor für verbrieften Bankkredite allmählich häufen und die Preise fallen, zeigt sich der Aktienmarkt unbeeindruckt und erschwingt neue Höhen – ein Novum, welches die Frage aufwirft, warum der wichtige Anleihenmarkt die Euphorie diesmal nicht teilt? Oder setzen wir aufs falsche Pferd und sollten dem Aktienmarkt mehr Glauben schenken?

Nichts lässt sich mit Sicherheit prognostizieren, ausser der Tatsache, dass die Fed alles daran setzt, jegliche Anzeichen eines Flächenbrandes zu bekämpfen – mit Zinssenkungen und falls nötig mit erweiterten monetäre Massnahmen. Ganz zur Freude von Käufern von US-Treasuries, zu denen sich alle Aktieninvestoren gesellen sollten.

*Matthias Jenzer, CIO, Quilvest (Switzerland) Ltd