Traditionell wurde Economiesuisse lange von der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) geprägt. In den letzten Monaten haben jedoch Pharma und Chemie an Gewicht gewonnen. Bemerkbar macht sich dies etwa mit der neu geschaffenen Kommission Gesundheitspolitik, die im Februar ihre Arbeit aufgenommen hat. «Mit der Pharma- und der Medtech-Industrie sind zwei erfolgreiche Exportbranchen in der Gesundheitswirtschaft tätig», heisst es.

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Davor wählte der Verband an der Jahresversammlung im Herbst diverse Branchenvertreter in den Vorstand. Etwa Rechtsprofessor Andreas Bohrer, der bei Lonza als Group General Counsel und Company Secretary tätig ist. Dann den deutsch-schweizerischen Doppelbürger Matthias Halusa, der seit drei Jahren den Schweizer Ableger des Chemiekonzerns BASF leitet. Und schliesslich Roman Mazzotta, Schweiz-Chef von Syngenta, sowie Andrea Ostinelli, der als «Chair Swiss Leadership Team» den Schweizer Ableger des US-Konzerns Johnson & Johnson leitet. Der Pharmamulti ist dem Verband denn gleich auch als neues Mitglied beigetreten.

Zudem wurde Matthias Leuenberger, Schweiz-Chef von Novartis, für eine weitere Amtsperiode als Vizepräsident bestätigt – er präsidiert ferner auch den Chemie- und Pharmaverband Scienceindustries. Mitglieder mit einer Verbindung zu Pharma und Chemie stellen mit Christoph Mäder, der im Oktober 2020 Heinz Karrer ablöste und etwa bei Ems-Chemie und Lonza im Verwaltungsrat sitzt, den Präsidenten, einen Vizepräsidenten und damit drei Mitglieder im wichtigen Vorstandsausschuss; seit 2018 gehört auch Peter Gehler, Verwaltungsrat des Pharmakonzerns Siegfried, dazu. Eine gewisse Nähe bringt überdies die Lausanner FDP-Nationalrätin Isabelle Moret mit, die den Spitalverband H+ präsidiert.

Roman Mazzotta, Länderpräsident Schweiz von Syngenta. (KEYSTONE/Stefan Bohrer)

ROMAN MAZZOTTA Schweiz-Chef von Syngenta ist eines der vier neuen Vorstandsmitglieder.

Quelle: Keystone

Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, betont auf Anfrage, dass die MEM-Branche noch immer dieselbe Anzahl Sitze in den Gremien habe. Auch sei Mäder als Präsident explizit kein Vertreter von Scienceindustries. Und die neu geschaffene Gesundheitskommission habe zuvor bereits als Arbeitsgruppe bestanden – die Schaffung sei gemeinsam über alle Branchen hinweg entschieden worden. Aus Sicht des Verbandes gibt es also keine Machtverschiebung.

Anders sieht das der ehemalige Unia-Co-Präsident Andreas Rieger, der die Verbände seit Jahren beobachtet. «Die Machtverschiebung bei Economiesuisse hat sich abgezeichnet, als Mäder das Präsidium übernahm», sagt er. Pharma und Chemie seien nun im Lead, was jedoch der Gewichtsverschiebung in der hiesigen Wirtschaft entspricht. Tatsächlich haben Pharma und Chemie die MEM-Industrie etwa beim Exportvolumen längst überflügelt.