Um 13 Prozent schoss Teslas Aktienkurs am 12. August nach oben. Der Elektroautobauer hat keine Wachstumsprognosen erhöht, keine Rekord­ergebnisse und auch kein neues ­Modell präsentiert. Allein die Ankündigung eines Aktiensplits reichte, um den Marktwert der Firma von Elon Musk um 33 Milliarden Dollar in die Höhe zu treiben. Die Reaktion auf diese Kapitalmassnahme, mit der die Einstiegshürde für Klein­anleger wieder sinkt, zeigt, wie gross die Euphorie um US-Techno­logie-Aktien bereits ist und welch bedeutende Rolle die Kleinanleger bei der Rally spielen.

Privatanleger sind in der Covid-19-Krise in Massen an die Börsen gestürmt. Auf jüngere Neueinsteiger fokussierte Smartphone-Broker wie Robinhood oder Etoro kamen mit den Anmeldungen kaum noch zurecht.

Onlinebroker verzeichnen zahlreiche neue Nutzer

Robinhood vermeldete von Januar bis Mai drei Millionen neue ­Accounts. Bei Etoro hat sich die Zahl der Nutzer in dieser Zeit vervierfacht. Die Plattformen locken mit Benutzerfreundlichkeit und tiefen bis keinen Gebühren.

Auch in der Schweiz blieb der Boom nicht aus. Onlinebroker Swissquote eröffnete im ersten Halbjahr 57'000 neue Konten. Der Nettoneugeldzufluss erreichte mit drei Milliarden einen Rekord.

Der SIX ist der Anteil der Kleinanleger am Handelsvolumen unbekannt. Wie gross deren Einfluss in den USA ist, berechnete Goldman Sachs. Laut der Bank halten Haushalte 36 Prozent aller US-Aktien ­direkt. Rechnet man die aktiven und passiven Fonds der Privatanleger dazu, steigt ihr Anteil am börsen­kotierten Aktienkapital auf über 50  Prozent. Da die Zahlen vor der Corona-Krise berechnet wurden, dürfte der aktuelle Stellenwert der Privaten noch grösser sein.

Lang ersehnte Chance für Kleinanleger

Gründe für den Run an die Börsen gibt es einige. Die Menschen hatten Zeit, sich mit den Finanzen und den Märkten auseinanderzu­setzen. Der Abverkauf war besonders heftig und eröffnete eine lange ersehnte Chance. Die von 2009 bis 2019 laufende Hausse hatten viele Kleinanleger erst zu spät erkannt. Dieses Mal dabei zu sein, lautete ­offenbar die Devise.

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Und das galt nicht nur für jüngere Semester. «Den starken Neukundenzuwachs trieben nun auch vermögendere Kunden zwischen 50 und 65 Jahren, die jetzt ihr Portfolio aufbauen. Vermutlich hatten sie schon länger mit der Idee gespielt und den Entscheid jetzt, unter anderem durch die starke Kurskorrektur beflügelt, definitiv getroffen», sagt Swissquote-Sprecherin Nadja Keller.

Wie sich am Futures-Handel zeigt, platzierten Privatanleger ihre Erholungswetten früh. Profianleger misstrauten der Erholung lange und blieben an der Seitenlinie stehen. Auch der Fokus auf Technologie hat sich gerechnet. Laut Goldman Sachs liefen die Favoriten der Robinhood-Investoren im Vergleich zu den Lieblingen der Hedgefonds deutlich besser.

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Übertreibung bei Tesla und Nikola

Inzwischen mehren sich die Zeichen einer Übertreibung. Der Hype um Tesla oder Apples Börsenwert von maximal 2100 Milliarden Dollar gehören wohl dazu, auch wird der Börsensturz am Donnerstag als Zeichen gedeutet, das erstmals Hitze aus dem Markt abgelassen wird. Dabei gibt es grössere Extreme. Elektro-LKW-Hersteller ­Nikola macht noch so gut wie keine Umsätze, ist an der Börse aber schon mehr als 14 Milliarden Dollar wert. Nikola-Gründer Trevor Milton ist bereits Multimilliardär.

Unter­dessen mehren sich die warnenden Stimmen. Hedgefondsmanager Leon Cooperman ist eine davon: «Die Robinhood-Märkte werden in Tränen enden», sagt er.