Mit 16 begann er sich für existenzielle Fragen zu interessieren: Wer sind wir? Was kann man wissen als Mensch? Was ist das Schöne? Im Studium der Philosophie und der Volkswirtschaft an der Universität Bern erhielt Michael Messerli nicht unbedingt die Antworten darauf.
Dafür eröffneten sich ihm unerwartete Themenfelder, auf denen er sich heute intellektuell austobt. Eines davon ist die Entscheidungstheorie. Gegen Ende seiner Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München begann er zusammen mit einem Wissenschaftskollegen ein Modell zu erarbeiten, das bei sogenannt transformativen Entscheidungen hilft – also Entscheidungen, bei denen man nicht im Voraus wissen kann, wie es ist, eine solche Erfahrung zu haben.

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Pionier-Serie

Die Schweizer Wissenschaft ist Weltspitze – doch die Macher sind kaum bekannt. BILANZ präsentiert regelmässig Personen, die mit ihren Innovationen die Welt verändert.

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Etwa das erste Mal Vater zu werden oder einen völlig neuen Job zu beginnen. Seine Ergebnisse konnte Messerli im renommierten «Journal of Philosophy» publizieren, was ihm nicht nur akademisches Prestige einbrachte, sondern auch eine Anfrage von einem Start-up – um daraus ein Produkt zu entwickeln. «Mich interessiert jedoch die Grundlagenforschung mehr als der wirtschaftliche Nutzen daraus», sagt Messerli, der nach Forschungs- und Lehrtätigkeit in Deutschland und England momentan ein Ambizione-Projekt des Schweizerischen Nationalfonds in Zürich leitet.

Für den Wissenschaftsverlag Cambridge University Press schreibt er nun zusammen mit einem Computerwissenschaftler der Universität Cambridge ein Buch über Einstellungsänderungen. Beispiel: Person A und Person B sind beide in derselben Branche tätig und machen die gleichen negativen Erfahrungen.

Während Person B die Branche wechselt, bleibt Person A dabei. «Wir wollen beweisen, dass dies mit den stabileren Präferenzen von Person A zu tun hat – und giessen das Ganze zudem in ein mathematisches Entscheidungsmodell.»

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So lässt sich etwa voraussagen, ob eine Person schnell ihre Präferenzen ändert und sich eher auf eine neue Situation oder auch ein neues Produkt einlässt. «Vielleicht können wir damit sogar einen kleinen Beitrag für die ganz grossen Probleme beisteuern», sagt Messerli. Wenn sich die Menschen etwa wegen des Klimawandels anders verhalten sollten, müssen sie erst ihre Präferenzen ändern. Aus seiner Grundlagenforschung lassen sich Methoden und Möglichkeiten ableiten, wie das gelingen könnte.